Lena Bührichen im Gespräch mit Peter Graf
- Susanne Kerckhoff, Berliner Briefe, 1948
Mit diesen Worten richtet sich die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff 1948 an die deutsche Nachkriegsgesellschaft, sie will mitgestalten und auf Wiedergutmachung hinwirken. In den Jahren zwischen 1945 und 1950, die Susanne Kerckhoff noch miterlebt, wirft sie sich literarisch wie politisch in die neue Zeit hinein, kompromisslos, ehrlich und außerordentlich klarsichtig.
Nach 1945 herrscht in Deutschland ein großes Schweigen: über Schuld, Verantwortung und das eigene Mitwirken am Nationalsozialismus. Kerckhoff stellt sich dagegen. In ihren Berliner Briefen schreibt sie gegen das Wegsehen an über Schuld und Sühne, über die Suche nach einem neuen Anfang, über Moral und Mitmenschlichkeit in einer zerstörten Gesellschaft.
Wer war diese Frau, die sich so kompromisslos einmischte literarisch wie politisch? Warum geriet sie nach ihrem Tod 1950 in Vergessenheit, und warum lohnt es sich heute, sie wieder zu lesen?
Lena Bührichen studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft an der Universität Konstanz sowie Literatur, Kunst und Kultur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach ihrem Volontariat in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt ist sie seit 2025 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Deutsche Literaturwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Peter Graf ist Verleger, Publizist und ausgewiesener Experte für die Exilliteratur des 20. Jahrhunderts. Mit dem Verlag Das kulturelle Gedächtnis sorgt er dafür, dass notwendige Bücher der Literatur- und Kulturgeschichte neu verlegt und für die Gegenwart zugänglich gemacht werden – darunter die „Berliner Briefe“ von Susanne Kerckhoff und Bruno Franks „Lüge als Staatsprinzip“ von 1939. Seit 2025 arbeitet er für das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg.
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