Stiftung Mitte Berlin lädt zur Entdeckung der historischen Mitte ein
Antworten darauf gibt die Stiftung Mitte Berlin am Samstag, 12. September 2026, mit einem außergewöhnlichen Format. Um 12 Uhr starten am Neptunbrunnen gleichzeitig 14 Führungen mit bekannten Berlin-Expertinnen und -Experten in unterschiedliche Richtungen des historischen Stadtkerns.
Mit dem Angebot zum Tag des offenen Denkmals möchte die Stiftung das Wissen über die Berliner Mitte vertiefen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Eingeladen sind Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich zunächst am Neptunbrunnen und verteilen sich dort auf die verschiedenen Touren.
„Die Berliner Mitte ist weit mehr als eine Ansammlung prominenter Einzelbauten. In ihr lässt sich die Geschichte der Stadt wie unter einem Brennglas lesen, angefangen von ihren mittelalterlichen Ursprüngen über die barocke Residenzstadt und die Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu den städtebaulichen Fragen unserer Gegenwart“, so Dr. Benedikt Goebel, Stadtforscher und Vorstand der Stiftung. „Wer darüber sprechen will, wie sich diese Mitte künftig entwickeln soll, muss wissen, was hier einmal war, was verloren gegangen ist und welche Spuren bis heute vorhanden sind. Genau dazu möchten wir mit unseren Führungen einladen.“
Von Lessing über Schinkel bis zur vergessenen Modestadt Berlin
Das Spektrum der Führungen zeigt, wie viele unterschiedliche Geschichten sich auf engem Raum überlagern. Die Architektin und Denkmalpflegerin Martina Abri widmet sich der Friedrichswerderschen Kirche und der Probeecke der Bauakademie. Der Autor und Berlinologe Michael Bienert begibt sich auf die Spuren Gotthold Ephraim Lessings und eines heute weitgehend vergessenen Berliner Literaturhauses. Der Stadtplaner und Sozialwissenschaftler Harald Bodenschatz richtet den Blick auf das bauliche Erbe der NS-Zeit in der Berliner Mitte.
Eine weitere Perspektive eröffnet die Mode- und Zeithistorikerin Gesa Kessemeier. Ihr Rundgangführt von den heute unsichtbaren Ursprüngen Berlins als international bedeutender Modestadt, vom einstigen Kaufhaus N. Israel über das Mode- und Couturehaus Herrmann Gerson bis hin zum Hausvogteiplatz, dem früheren Zentrum des Berliner Modegroßhandels.
Auch der Alexanderplatz wird zum Gegenstand einer eigenen Tour. Verkehrsplaner Bodo Fuhrmann zeichnet dessen städtebauliche Entwicklung nach. Archäologe Michael Malliaris wiederum zeigt anhand konkreter Orte und Grabungsergebnisse, wie grundlegend sich das Areal rund um das heutige Humboldt Forum seit dem 13. Jahrhundert verändert hat. Die Archäologin Claudia Melisch führt zum Petriplatz und damit in das Herz des historischen Cölln.
Verlorene Stadt und zukünftige Mitte
Goebel selbst macht bei seiner Führung die Standorte einiger der wichtigsten verlorenen Häuser Alt-Berlins sichtbar. Historische Karten und Abbildungen helfen dabei, Gebäude wie die Gerichtslaube, das Palais Wartenberg, die Zornsche Apotheke oder das Blankenfelder Haus dort zu verorten, wo sie einst standen.
Dass der Blick zurück immer auch Fragen an die Zukunft der Stadt aufwirft, zeigt die Führung des Berliner Architekten und Städtebauers Tobias Nöfer. Unter dem Titel „Unsachliche Bemerkungen zur Berliner Mitte“ beschäftigt er sich mit den baulichen Potenzialen für eine attraktivere historische Mitte, mit Projekten, die seit Jahren nicht vorankommen, und mit den dahinterstehenden Zielkonflikten.
Eine besondere Perspektive bringt zudem Hubertus Müller ein. Der Architekt und Kunstpädagoge führt als Zeitzeuge durch die historische Mitte und verbindet persönliche Erinnerungen mit der städtebaulichen Entwicklung Berlins.
Auch ungewöhnliche Formen der Stadterkundung gehören zum Programm: André Franke betrachtet bei einer Fahrradtour die historische Mitte als zirkulären Stadtraum und fragt nach Zugänglichkeit, Barrieren und Aufenthaltsqualität.
Treffpunkt für alle Führungen am Neptunbrunnen
„Uns geht es nicht darum, die Berliner Mitte als Museum zu betrachten“, so Goebel. „Die Kenntnis ihrer Geschichte ist vielmehr eine Voraussetzung dafür, qualifiziert über ihre Zukunft zu diskutieren. Mit 14 unterschiedlichen Blickwinkeln möchten wir zeigen, wie viel es hier noch zu entdecken gibt, und wie viele Fragen für die weitere Entwicklung dieses besonderen Ortes offen sind.“
Alle 14 Führungen starten am Samstag, 12. September 2026, um 12 Uhr am Neptunbrunnen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verteilen sich vor Ort auf die angebotenen Führungen. Die Touren dauern in der Regel rund zwei Stunden und finden bei jedem Wetter statt. Da längere Strecken zu Fuß zurückgelegt werden, wird entsprechendes Schuhwerk empfohlen. Eine Ausnahme bildet die ausdrücklich als Fahrradtour ausgewiesene Führung von André Franke.
Die Stiftung Mitte Berlin rechnet, wie bereits bei früheren Ausgaben des Formats, mit einigen hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
- Termin: Samstag, 12. September 2026
- Beginn: 12.00 Uhr
- Treffpunkt: Neptunbrunnen, Berlin-Mitte
- Teilnahme: ohne vorherige Anmeldung
- Dauer: ca. zwei Stunden
- Veranstalter: Stiftung Mitte Berlin
Online-Angebot HIER
Stiftung Mitte Berlin (SMB):
Nach den Zerstörungen des 20. Jahrhunderts ist es die Aufgabe des 21. Jahrhunderts, die ehemalige Altstadt Berlins wieder zur Herzkammer der Stadt und der Bürgergesellschaft zu machen. Zu diesem Zweck hat die Unternehmerin und Autorin Marie-Luise Schwarz-Schilling (1932-2024) im Jahr 2022 die Stiftung Mitte Berlin gegründet. Die Stiftung setzt sich für eine menschenfreundliche neue Altstadt ein.
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