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Mit „Das Nichts ist voller Körper“ zeigt das Gotische Haus eine Ausstellung, die den Körper begreift als wandelbares Gefüge zwischen Natur und Kultur, Materialität und Technologie. Die Verbindung von mittelalterlicher Architektur und zeitgenössischer Skulptur macht anschaulich, wie unterschiedlich Epochen den menschlichen Körper gedacht haben – und wie offen die Frage heute wieder geworden ist, was ein Körper überhaupt sein kann.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen amorphe Skulpturen, deren schimmernde Oberflächen zwischen organischer Materie und künstlicher Hülle changieren. Die Körper erscheinen vertraut und zugleich fremd, menschlich und nicht-menschlich. Sie verweigern anatomische Eindeutigkeit und lösen feste Kategorien auf. Statt eines klassischen Porträts entwirft Witte einen offenen Begriff von Identität – als etwas Wandelbares, Prozesshaftes und gesellschaftlich Geprägtes.

Die Ausstellung stellt Fragen, die angesichts neuer biotechnologischer Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnen: Wie entstehen Identitäten? Welche Auswirkungen haben Biotechnologien und die Life Sciences auf unser Verständnis vom Körper? Und was geschieht mit dem sozialen Körper, wenn seine Erscheinung und seine Grenzen veränderbar werden?

Im Gotischen Haus, dem ältesten Bürgerhaus im gesamten Berliner Raum, begegnen diese zeitgenössischen Körperbilder einer Architektur, die wie kaum eine andere für Ordnung, Vertikalität und Transzendenz steht. Die fließenden, amorphen und technoiden Skulpturen bilden einen bewussten Kontrast zur klar gegliederten gotischen Formensprache.

Ein dreiteiliges Soundpiece erweitert den Raum um eine akustische Ebene. Künstlich erzeugte Stimmen lesen Fragmente eines endlosen genetischen Codes – jener biologischen Grundlage, die alle Menschen verbindet und zugleich nichts über ihre individuelle Identität preisgibt. Zusammen mit den Skulpturen und Videoarbeiten entsteht eine raumgreifende Installation, die den historischen Ausstellungsort in einen Resonanzraum für Fragen nach Körperlichkeit, Identität und Zukunft transformiert.

Mit der Ausstellung „Das Nichts ist voller Körper“ zeigt das Gotische Haus Spandau erstmals die Werkgruppen „Liquid Identities“ und „Ghosted Bodies“ der Berliner Künstlerin.

Die Einzelausstellung versammelt Skulpturen, Video- und Soundinstallationen, die sich mit den gesellschaftlichen, biologischen und kulturellen Vorstellungen vom menschlichen Körper auseinandersetzen. Im historischen Ambiente des Gotischen Hauses entfalten die Arbeiten einen vielschichtigen Dialog zwischen mittelalterlicher Architektur und zeitgenössischer Kunst.

Eröffnung 30.7.2026, 19 Uhr

Gotisches Haus, Breite Straße 32, 13597 Berlin

Veronika Witte (*1962)

Veronika Witte zählt zu den Künstlerinnen, die den klassischen Begriff der Bildhauerei konsequent erweitert haben. Ausgehend von der Skulptur verbindet sie Installation, Video, Performance und Methoden sozialwissenschaftlicher Feldforschung zu einem interdisziplinären Werk.

Über das von ihr entwickelte fiktive Institut für sozio-ästhetische Feldforschung (ISF) sammelt sie in Interviews und Umfragen Vorstellungen von Körper, Identität und Selbstbild. Diese Recherchen bilden die Grundlage ihrer künstlerischen Arbeiten.

Laufzeit: 31.7.2026–11.10.2026

https://www.gotischeshaus.de/

Zusätzliche Informationen

ÖFFNUNGSZEITEN

Sommer (1. April – 30. September)

  • Montag-Samstag 10 – 18 Uhr
  • Sonntag 12 – 18 Uhr

An Feiertagen geschlossen

Winter (1. Oktober – 31. März)

  • Montags geschlossen
  • Dienstag-Samstag 10 – 18 Uhr
  • Sonntag 12 – 18 Uhr

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