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Sechs Konzerte und Performances mit Annika Kahrs und Saâdane Afif

Zu seinem 30-jährigen Jubiläum setzt der Hamburger Bahnhof mit der monatlichen Reihe „Hamburger Bahnhof On Tour“ einen besonderen Fokus auf die Vernetzung mit Berliner Kulturakteurinnen.


Von Februar bis Juli 2026 realisiert das Museum in Kooperation mit Freunde Guter Musik Berlin e.V. sechs Konzerte und Performances der Künstler:innen Annika Kahrs und Saâdane Afif an wechselnden Orten in Berlin – darunter das Musikinstrumenten-Museum SIM, das Berliner Medizinhistorische Museum, die Evangelische Heilige-Geist-Kirche, der Rote Salon der Volksbühne, KM28 und die Kantine am Berghain.

Von Februar bis April 2026 ergänzt die Reihe die Ausstellung „Annika Kahrs. OFF SCORE“ mit einem Programm, das einen Überblick über Kahrs Performances der letzten 16 Jahre gibt.
Ihre Arbeiten hinterfragen musikalische Strukturen, Produktionsbedingungen, Aufführungspraxis und Hörgewohnheiten und stellen traditionelle Formate sowie Virtuosität in Frage.

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof zeigt bis zum 3. Mai 2026 die bislang umfassendste Auswahl ihrer Werke an der Schnittstelle von Kunst und Musik.

Den Auftakt der Reihe bildet am 19. Februar 2026 die Vorführung von Kahrs Film „Ganz ungültig, nur ein Versuch“ (2024) im Musikinstrumenten-Museum, wo er bis zum 1. März 2026 bei freiem Eintritt zu sehen ist.

Von Mai bis Juli 2026 schließen sich im Rahmen der Ausstellung „Saâdane Afif. Five Preludes“ drei weitere Performance-Abende an, die in engem Bezug zu den im Museum präsentierten Werken stehen.

Afifs Arbeiten, die vielfältige Bezüge zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts aufweisen, verstehen sich als offene Prozesse des Betrachtens und Interpretierens. Dafür lädt er Künstlerinnen und Autorinnen ein, poetische Kommentare – sogenannte „Lyrics“ – zu seinen Werken zu verfassen.
Diese sind Teil der bis zum 13. September 2026 laufenden Ausstellung und bilden die Grundlage für die Performances, in denen Musikerinnen und Performerinnen mit unterschiedlichen Hintergründen eine Auswahl der „Lyrics“ interpretieren.

PROGRAMM  


Annika Kahrs: OFF SCORE LIVE 

Donnerstag, 19. Februar 2026

18 Uhr
Musikinstrumenten-Museum SIM Eröffnung der Videoinstallation „Ganz ungültig, nur ein Versuch“, 2024

Der Film „Ganz ungültig, nur ein Versuch“ nimmt Anton Bruckners (1824–1896) Symphonie Nr. 0 als Ausgangspunkt – ein Werk, das der österreichische Komponist selbst als „ungültig“ bezeichnete. Annika Kahrs nutzt diese sogenannte Nullte als materielles und inhaltliches Fundament, um Prozesse des Verwerfens, Überarbeitens und Neuerfindens zu untersuchen.
Fünf Musiker:innen spielen in einem Konzertsaal Bruckners ‚Nullte‘ Sinfonie. Während der Performance verändert sich die ursprüngliche Partitur, denn sie wurde zuvor von jungen Menschen, die sich an unterschiedlichen Orten der Musikrezeption und -produktion befinden, handschriftlich ausgelöscht, überschrieben oder ergänzt. So verschränken sich klassische Interpretation und zeitgenössische Formen des Komponierens zu einem neuen Musikstück.
  • Der Film läuft bis 1. März 2026, der Eintritt ist frei.
20 Uhr
Strings, 2010 Streichquartett
Alone Together, 2016

4 Performer:innen, Solistenensemble Kaleidoskop In „Strings“ und „Alone Together“ setzt sich Kahrs jeweils mit der Struktur eines klassischen Quartetts auseinander und lotet deren Grenzen aus. In „Strings“ wird ein Streichquartett gezielt aus dem Takt gebracht, indem Musiker*innen nach jedem Satz Instrumente und Plätze tauschen.
In „Alone Together“ dekonstruiert ein Gesangsquartett einen dreiminütigen Jazz-Klassiker durch zeitliche Dehnung und räumliche Trennung in eine 30-minütige Performance – eine Studie über Synchronität, Autonomie und kollektives Scheitern, aus dem wiederum etwas Neues entsteht.  


Mittwoch, 18. März 2026, 19 Uhr
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Hörsaalruine  

Score of Symptoms, 2026 (UA) 7 Performer*innen, Solistenensemble Kaleidoskop In ihrer neuen, für das Solistenensemble Kaleidoskop entworfenen Performance „Score of Symptoms“ thematisiert Kahrs Krankheit und Heilung als existenzielle Zustände.
Der Aufführungsort, die beeindruckende Hörsaalruine im Berliner Medizinhistorischen Museum, wird dabei zum Symbol für Verwundung und Transformation. Kahrs versteht Heilung nicht als Rückkehr zum alten Zustand, sondern als individuellen, transformatorischen Prozess, der sich hier performativ in Klang, Geste und Körperlichkeit ausdrückt.  


Mittwoch, 15. April 2026, 20 Uhr
Ev. Heilige-Geist-Kirche
the lord loves changes, it’s one of his greatest delusions, 2018

Pfeif-Chor und Orgel, Alexander Moosbrugger – Orgel In der Performance „the lord loves changes, it’s one of his greatest delusions“ in der Ev. Heilige-Geist-Kirche kombiniert Kahrs Orgelspiel mit einem Pfeifchor, der das musikalische Material bis zur Erschöpfung dekonstruiert. Basierend auf dem Werk „Gay Guerrilla“ (1979) des US-amerikanischen Komponisten Julius Eastman, das auf dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ (vor 1529) von Martin Luther aufgebaut ist, entfaltet sich ein vielschichtiger Kommentar über Wandel, Widerstand und die symbolische Kraft musikalischer Zitate. Die Performance, ursprünglich als Videoarbeit konzipiert, findet erstmals live in einer Kirche statt – einem Ort, der selbst durch sakrale und politische Geschichte aufgeladen ist. 


Saȃdane Afif: FIVE PRELUDES LIVE  


Donnerstag, 28. Mai 2026, 20 Uhr
Roter Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

The Fountain Archives & Anthologie de l’humour noir
Über viele Jahre hat Saȃdane Afif die Rezeptionsgeschichte des Readymades „Fountain“ von Marcel Duchamp recherchiert und im Werkkomplex „The Fountain Archives“ bearbeitet. Zehn der hierzu entstandenen Lyrics wurden von dem in Berlin lebenden Komponisten und Musiker Augustin Maurs vertont. Sie werden mit eigens für diese Stücke von Afif produzierten Flöten und Stimme aufgeführt. Im zweiten Teil des Programms wird eine Auswahl der zum Werk „Anthologie de l’humour noir“ verfassten Lyrics präsentiert, in denen über Themen wie Vergänglichkeit oder das Museum als Garant der Überlieferung von Kunst reflektiert wird.  


Dienstag, 23. Juni 2026, 20 Uhr
KM28
The Old & Melancholic Beat Live

Erste Lyrics hat Afif 2004 zu den vier Werken in seiner Ausstellung „Melancholic Beat” im Museum Folkwang verfassen lassen. Diese vier Texte werden ebenso wie die zwölf Lyrics, die 2025 zum Werkkomplex „The Old” entstanden sind, aufgeführt. Die Performance „Melancholic Beat Live“ ist eine Auftragsarbeit des Museum Folkwang im Rahmen der Ausstellung „Saâdane Afif. Affiches / Plakate”, Museum Folkwang, Essen 13.3.–4.10.2026.  


Dienstag 7. Juli 2026, 20 Uhr
Kantine am Berghain
2000 millimètres d’infinis possibles & Live
In dem zweiteiligen Programm werden die Lyrics zu den Werken „2000 millimètres d’infinis possibles“ und „Live“ von Musiker:innen aufgeführt, die in den Bereichen der improvisierten und experimentellen Musikarbeiten.

Termine
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