Barbara Helwing, Direktorin des Vorderasiatischen Museums
Mein Lieblingsstück aus den Sammlungen
Ein geheimnisvoller Kultsockel aus dem Vorderasiatischen Museum im Pergamonmuseum
Das Vorderasiatische Museum, welches sich im Pergamonmuseum befindet, beherbergt Funde aus Ausgrabungen in Uruk, Babylon, Assur und anderen – eine kleine Auswahl von besonders schönen Stücken zeigt das Museum ab dem 4. Juni 2027 im Pergamonmuseum . Schon die Auswahl dieser Stücke für die Wiedereröffnung des Pergamonmuseums fiel uns nicht einfach, und umso schwerer fällt es mir, Ihnen hier nur ein Stück zu beschreiben.
Mehr als 3.000 Jahre alt
Ich zeige Ihnen heute den Symbolsockel des assyrischen Königs Tukulti-Ninurta I., welcher in den Jahren zwischen 1243 und 1207 v. Chr. regierte. Nach der Wiedereröffnung des Pergamonmuseums finden Sie den Stein mit seinem geheimnisvollen Relief im Kopfsaal des Nordflügels.
Der Sockel wurde 1912 in Assur im Tempel der Göttin Ischtar ausgegraben und gehörte dort zum Tempelinventar. Er diente zum Aufstellen von Kultsymbolen. Er hat die besondere Form eines repräsentativen Sitzes, auf seiner Frontseite sehen Sie ein Bildrelief. Auf der gestuften Basis ist in Keilschrift eine Inschrift eingraviert.
Ein Daumenkino aus Stein
Sehen wir hier doppelt? Wir sehen den Sockel selbst, und dann wir sehen ihn nochmals im Relief dargestellt. Und der Betende, auch er kommt zweimal vor? Ja, bei den beiden Personen auf der linken Bildhälfte handelt es sich um denselben Betenden.
Dieser Sockel kondensiert die Bewegung durch die Zeit und zeigt uns – wie ein Daumenkino aus Stein – mehrere nacheinander ablaufende Szenen.
Auf dem Sockel im Bild ist ein Kultsymbol aufgestellt, ein Schreibgriffel und eine Tafel. Dazu passt die Inschrift an der Basis: Der assyrische König Tukulti-Ninurta I weihte den Sockel dem Gott Nusku, dem der Griffel und die Tafel gehören. Der stehende und der kniende bärtige Mann tragen identische Haar- und Barttracht, haben beide eine Hand in Anbetung erhoben und ein Szepter in der anderen. Dies ist der König selbst, in verschiedenen Stadien der Anbetung vor dem Kultsockel.
In frischer Farbigkeit 2027 wieder zu sehen
Wir freuen uns darauf, Ihnen ab Juni 2027 dieses besondere Stück wieder zeigen zu können. Während der Schließung des Museums wurde er vollständig gereinigt und strahlt nun in frischer Farbigkeit.
Prof. Dr. Barbara Helwing