Direkt zum Inhalt

Die Beiträge dieser Veranstaltung stehen unter einer gemeinsamen Überschrift, welche die „unsinkbaren Geister der Négritude“ und den anhaltenden Einfluss von Leben und Werk der Nardal-Schwestern thematisiert.


Tracey Sharpley-Whiting verortet in ihrem Keynote-Vortrag Paulette und Jane Nardal im Kontext der 1930er-Jahre an der Schnittstelle der intellektuellen und politischen Welten in der Karibik, Paris, Afrika und den USA. Sie situiert die Nardals in den Schwarzen internationalistischen Netzwerken der Zwischenkriegszeit und betrachtet sie vor dem Hintergrund damaliger Zusammenschlüsse zum Zwecke des gegenseitigen Austauschs.

Das umfasst unter anderem ihre Begegnungen mit Eslanda Goode Robeson, deren Schriften über das „Schwarze Paris“ sowie über Paulette Nardal die Inhalte der dort geführten Gespräche in die afroamerikanische intellektuelle Welt trugen.


Die wiederholte Auseinandersetzung mit den Nardal-Schwestern im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert unterstreicht, was diese früheren Begegnungen bereits nahelegten: Schwarzes feministisches Denken ist wesentlich durch Reisen, Übersetzungsleistungen, Korrespondenzen, Begegnungen und den Austausch von Ideen in der gesamten Welt des „Black Atlantic“ entstanden.


Im zweiten Keynote-Vortrag betrachtet Mame-Fatou Niang die Nardal-Schwestern nicht als Persönlichkeiten, die auf eine neuerliche Wiederentdeckung warten, sondern als Schöpferinnen einer intellektuellen Vorgehensweise, die nach wie vor von frappierender Aktualität ist. Ihre Salons, Übersetzungen, Zeitschriften und transatlantischen Beziehungsnetze liefern ein Paradebeispiel Schwarzer feministischer Wissensproduktion. Ausgehend von ihrer eigenen skulpturalen Arbeit zum Thema der Reparationen, ihrer französischen Übersetzung der Schriften von Beatriz Nascimento sowie aktuellen Arbeiten, die sich mit Awa Thiam und Fatou Sow auseinandersetzen, fragt Niang nach möglichen Lesarten der Nardals im 21. Jahrhundert und nach der Schaffung einer féminothèque für eine Vielzahl von Zukünften auf Grundlage ihres Vermächtnisses.


Der Begriff der Übersetzung bezieht sich in diesem Kontext nicht allein auf Übertragungsleistungen zwischen verschiedenen Sprachen, sondern bezeichnet ebenso den Übergang von historischen Fragmenten zu zukünftigen Institutionen sowie der Bewegung zwischen Afrika und seinen Diasporas. Liest man die Nardals durch das Werk dieser anderen Schwarzen Denkerinnen, erscheinen Archive nicht mehr als unveränderliche Aufbewahrungsorte, sondern können als lebendige Orte der Erneuerung begriffen werden.


Das Schaffen der Nardal-Schwestern spricht eine Einladung aus, über die bekannten Zyklen des Vergessens und der Wiederentdeckung hinauszugehen und stattdessen aktivere Formen des Gedenkens anzustreben. Dazu zählt auch die Féminothèque. Es handelt sich dabei nicht einfach um eine Bibliothek, die Frauen gewidmet ist. Vielmehr bezeichnet der Begriff einen lebendigen, mehrsprachigen und generationsübergreifenden Raum, in dem das Denken Schwarzer Frauen über Zeiträume und Geografien hinweg bewahrt und weitergegeben werden kann.


Im Anschluss führen Sharpley-Whiting und Niang ein Gespräch mit der Schriftstellerin und Theoretikerin Hemley Boum. Sie stellt die These vom Verschwinden der Nardal-Schwestern aktiv infrage und identifiziert stattdessen verschiedene gescheiterte Versuche, sie unsichtbar zu machen. Moderiert wird dieses Gespräch von Edwige Dro.


Die Schriftstellerin und Journalistin ist Gründerin von 1949, einer Bibliothek für Literatur von Frauen aus Afrika und der Schwarzen Welt.


  • Auf Französisch und Englisch mit Simultanübersetzung ins Englische, Französische und Deutsche sowie Live-Übertitelung auf Englisch

Zusätzliche Informationen
Termine
November 2026
MoDiMiDoFrSaSo
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30