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Museen für zeitgenössische Kunst müssen handeln, noch bevor ein historischer Abstand entsteht oder ein Konsens gefunden ist: Sie geben Werke in Auftrag, die sich noch in der Entwicklung befinden; sie sammeln künstlerische Praktiken, die einem stetigen Wandel unterliegen; sie bewahren Materialien und Technologien, die sich verändern – und sie müssen deren Bedeutung in Echtzeit einschätzen.


„After Art History?“ (Nach der Kunstgeschichte?) fragt danach, was geschieht, wenn die Kunstgeschichte nicht mehr das unangefochtene epistemische Zentrum des Museums bildet, sondern zu einer Wissensform unter vielen wird.


Das Symposium versammelt führende Stimmen aus der Kunstgeschichte, Anthropologie, Soziologie, den visuellen und digitalen Kulturen sowie den Wissenschafts- und Technikstudien (Science and Technology Studies).


Es geht der Frage nach, wie Museen unter Bedingungen der Ungewissheit weiterhin einordnen, interpretieren, bewahren und Entscheidungen treffen können. Durch ausführliche Einzelbeiträge sowie Austausch und Diskussion mit dem Publikum wird untersucht, wie historisches Wissen neben provisorischen, situierten, antizipatorischen und kollaborativen Wissensformen existieren kann.


Die Teilnahme ist kostenlos.



Programm


Begrüßung, 9:00 Uhr


Dr. Sam Bardaouil, Direktor, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Der Eröffnungsimpuls untersucht, ob Chronologie Museen in einer Gegenwart, die durch politische und algorithmische Kräfte neu strukturiert wird, noch als Orientierung dienen kann.


Keynote: „Time Decay“ (Zeitverfall), 9:10 Uhr


Dr. David Joselit, Arthur Kingsley Porter Professor für Kunst-, Film- und visuelle Studien an der Harvard University. Joselit entwickelt das Konzept des „Time Decay“ und untersucht den „zwanghaften Präsentismus“ sowie die Schwächung von Vergangenheit und Zukunft als Koordinaten.



ZEIT: Von der Spur zur Vorhersage, 10:00 Uhr


Spur, Erinnerung, Vorhersage und Antizipation werden neu betrachtet – vor dem Hintergrund, dass Museen ihre Verantwortung gegenüber der Vergangenheit mit einer ungewissen Zukunft in Einklang bringen müssen.


Dr. Arjun Appadurai, Professor Emeritus für Medien, Kultur und Kommunikation an der New York University. „Das Paradoxon der Spur“: Er betrachtet die Spur aus einer zukunftsorientierten Perspektive und fragt, wie Archive und Erinnerung Bestrebungen, Antizipationen und Spuren der Zukunft enthalten können.


Dr. Elena Esposito, Professorin für Soziologie an der Universität Bielefeld; Affiliated Professor an der Universität Bologna. „Die Zukunft der Erinnerung“: Sie untersucht, wie algorithmische Vorhersagen Ungewissheit neu gestalten und wie Museen die Vergangenheit bewahren können, während sie gleichzeitig für die Erinnerung der Zukunft Sorge tragen.



VERMITTLUNG: Wie Bedeutung entsteht, 11:30 Uhr


Bedeutung wird hier als Dialog zwischen Kunstwerken, Betrachtenden und computergestützten Systemen verstanden – wobei Letztere zunehmend in Interpretationsprozesse und kulturelle Produktion eingebunden sind. Dr. Mieke Bal, Kulturtheoretikerin und Videokünstlerin; ehemals Professorin an der Universität Amsterdam. „Gegenwärtigkeit“ als Leitprinzip für dialogisches Kuratieren: Ausstellungen werden als dialogische Begegnungen neu gerahmt, in denen Kunstwerke die Betrachtenden durch ihre Gegenwärtigkeit, situierte Interpretation und intermedialen Austausch aktivieren.


Dr. N. Katherine Hayles, Distinguished Research Professor an der University of California, Los Angeles. Computergestützte Systeme als „Kulturmaschinen“: Sie betrachtet computergestützte Systeme als kulturelle Produzenten und schlägt kognitive Rahmenkonzepte vor, um die Urheberschaft, Interpretation und den kulturellen Wert von KI zu bewerten.


Mittagspause, 13:00 Uhr



WISSEN: Wer oder was produziert Expertise? 14:00 Uhr

Wissen und Autorität werden neu hinterfragt, wenn überlieferte Methoden, disziplinäre Gewissheiten und festgeschriebene Expertise nicht mehr ausreichen.


Dr. Irit Rogoff, Professorin für Visual Cultures am Goldsmiths, University of London. „Ohne“: Sie fragt, wie Wissen ohne Vorbilder, Kanon, Methode oder Gewissheit entstehen kann – und wie es durch Affinitäten, Gegenseitigkeiten und Engagement zu einem relationalen Prozess wird.


Dr. Sheila Jasanoff, Pforzheimer Professorin für Science and Technology Studies an der Harvard University. Wer legitimiert Wissen? Sie untersucht, wie Expertise autoritativen Charakter gewinnt, wenn Wissen situiert, vorläufig, kollektiv produziert und institutionell rechenschaftspflichtig ist.



ZUKÜNFTE: Wer gestaltet das, was kommt? 15:30 Uhr

Der abschließende Themenblock fragt, wie Museen sich vielfältige Zukünfte vorstellen und auf diese hin handeln können, ohne dabei Unsicherheit auf bloße Vorhersagen zu reduzieren.


Dr. Keri Facer, Professorin für Educational & Social Futures an der University of Bristol.


Abschluss: Rückblick auf den Tag / Kollektive Zusammenkunft, 17:00 Uhr


Der Tag endet mit einer Bestandsaufnahme: Welche Spannungen bleiben bestehen, welche Ansätze haben sich gewandelt, und welche neuen Fragen sollten zeitgenössische Museen mit in die Zukunft nehmen?


Programmänderungen vorbehalten.


IN ENGLISCHER SPRACHE

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