Direkt zum Inhalt

HOUSE zeigt vom 2. bis 18. Oktober 2026 seine zweite Ausstellung in der Halle am Berghain: A Shroud Woven of Solar Threads der iranischen Künstlerin Ala Roushan und des kanadischen Künstlers Charles Stankievech, in Partnerschaft mit der Autotelic Foundation. Kuratiert wird die Ausstellung von Juliet Kothe und Nadim Samman.


A Shroud Woven of Solar Threads erschafft einen rituellen Raum, in dem archaische und zeitgenössische Atmosphären miteinander verschmelzen und ein Kontinuum zwischen antiken Glaubensvorstellungen und heutigen Energieinfrastrukturen entsteht: von der frühen Verehrung der Sonne im antiken Iran bis hin zu neu entstehenden planetaren Technologien, die auf die Regulierung von Solarenergie ausgerichtet sind.


Ausgehend von Feldforschungen der Künstler:innen im Iran, Recherche und Methoden der Künstlichen Intelligenz entwerfen Roushan und Stankievech eine spekulative Dimension der Zeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander übergehen.


Im Zentrum der Ausstellung steht die Dokumentation des ältesten bekannten mithräischen Höhlentempels der Welt. Sie imaginiert ein nicht dokumentiertes Ritual zu Ehren der Sonnengottheit Mithra vor mehr als 4.000 Jahren – nicht als historische Erzählung, die mit Gewissheit rekonstruiert werden soll, sondern als fragmentarisches Feld von Spuren. Erschlossen wird dieses durch eine spekulative Konstellation aus antiken Klängen, verlorener Sprache, Relikten der damaligen Zeit.


Gerade aufgrund der begrenzten archäologischen Belege für diese vor-zoroastrischen Traditionen entwickelt die Ausstellung einen imaginativen Komplex. Eine Videoarbeit ist dafür zentral, sie führt uns in die Zeit einer Verehrung Mithras zurück – und hin zu einer Praxis, die zeitlich mit dem Aufstieg des ersten Imperiums der Welt zusammenfiel. Eine Soundinstallation, Glasreliefs mit selten erhaltenen Darstellungen Mithras, zeremonielle Glocken und ein Altarstein aus Obsidian mit brennendem Räucherwerk versuchen, nicht nur die visuelle Sprache der Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen, sondern auch ihre sinnlichen und klanglichen Resonanzen.


Für das Projekt geben die Künstler:innen Klängen, die seit Jahrtausenden verstummt sind, eine Stimme zurück. In Zusammenarbeit mit der University of Toronto entwickelten sie ein eigens angefertigtes KI-Modell, das auf vergleichender Sprachwissenschaft basiert und dazu dient, die verlorene Sprache mithräischer Rituale zu rekonstruieren. Auch die Recherche in den Depots des Metropolitan Museum of Art holte antike Klänge in die Gegenwart: Glocken aus der Bronzezeit, die in der Region rund um den unterirdischen Tempel ausgegraben wurden, wurden in zeitgenössischen Legierungen neu gegossen, um wieder zu erklingen.

Alles im Raum kreist um die Sonne – die hier zugleich als Objekt der Verehrung, als Energiequelle und als Instrument der Kontrolle erscheint.

Die Rituale werden zu einem Versuch, eine Beziehung zur Natur und zu den Kräften, die sie bestimmen, herzustellen – und offenbaren zugleich eine gewisse Gewalt in dem Wunsch, diese Kräfte zu beherrschen.


Eine weitere inhaltliche Ebene der Ausstellung legt nahe, dass abrupte klimatische Veränderungen auf der iranischen Hochebene vor Tausenden von Jahren die treibende Kraft hinter der Entstehung dieser Kosmologien gewesen sein könnten.


ÜBER ALA ROUSHAN UND CHARLES STANKIEVECH

Ala Roushan und Charles Stankievech leben und arbeiten zwischen Toronto und Berlin. In ihren gemeinsamen Arbeiten untersuchen sie Systeme, die planetare Bedingungen modellieren und in diese eingreifen wollen. Zuletzt wurden sie mit der Entwicklung von A Shroud Woven of Solar Threads beauftragt, einer Arbeit, die eine Vorgeschichte des solaren Geoengineerings anhand der antiken Sonnenverehrung im Iran nachzeichnet.

2024 kuratierten sie Shaping Atmospheres, eine Ausstellung und ein Symposium zur zeitgenössischen Politik der Sonne. Zuvor waren sie während der Produktion von Eye of Silence (2023), einer immersiven Installation, als Forscher*innen an der University of Tokyo tätig. Die Arbeit wurde seither unter anderem im KW Institute for Contemporary Art Berlin, in den Deichtorhallen Hamburg, den Oakville Galleries, im Rijksmuseum Twenthe, im Centre for Contemporary Art Singapore und in der Kunsthal Charlottenborg (Kopenhagen) gezeigt.

Roushan ist Associate Professor an der OCAD University, Stankievech Associate Professor an der University of Toronto.


ÜBER HOUSE

HOUSE wurde 2023 gegründet und präsentiert Ausstellungen internationaler Künstler*innen sowie musikalische Performances im Dialog mit architektonisch und historisch aufgeladenen Räumen. Jedes Kapitel von HOUSE entfaltet sich an einem spezifi schen Ort und setzt sich mit dessen Geschichte und Biografi e auseinander, um Begegnungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schaffen.

HOUSE versteht sich als Plattform für Kollaboration und fördert den intergenerationellen und transkulturellen Austausch zwischen Künstler*innen, Kurator*innen, Architekt*innen, Soundperformer*innen und Autor*innen. HOUSE wird von Stiftungen, Philanthrop*innen und Unternehmen unterstützt, die sich für die Förderung der Künste engagieren.

Die zweite Ausstellung von HOUSE in der Halle am Berghain entsteht in Partnerschaft mit dem Canadian Council, und der Autotelic Foundation. Darüber hinaus wird die Ausstellung vom privaten Förderer Christopher Seagon unterstützt.


ÜBER AUTOTELIC

Die Autotelic Foundation fördert künstlerische Produktion und Diskurs an der Schnittstelle von Kunst und Technologie. Sie unterstützt ambitionierte Arbeiten etablierter und aufstrebender Positionen durch neue Auftragsarbeiten, institutionelle Partnerschaften, Publikationen und Bildungsangebote. Mit einem Fokus auf interdisziplinäre Praxis und globale Netzwerke untersucht die Autotelic Foundation gegenwärtige und zukünftige Potenziale unserer Wissensgesellschaft.


Public Opening: Freitag, 2. Okt, 17–20 Uhr



Performance: Mittwoch, 14. Okt, 20 Uhr

A Shadow Takes No Room in Space von Charles Stankievech & Ala Roushan



Tickets: 10 € / ermäßigt 8 € (Nur Kartenzahlung)



Zusätzliche Informationen
Termine
Oktober 2026
MoDiMiDoFrSaSo
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31