Fake News, KI und die Vermittlung von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, wie Museen die Potenziale neuer technischer Entwicklungen sinnvoll und reflektiert integrieren können (Fuchsgruber 2025). Hierfür stehen ihnen heute eine Vielzahl neuer Interaktions- und Partizipationsformen zur Verfügung (Thiel 2023; Gasser 2023): Digitale Technologien – von KI bis VR – erweitern die Möglichkeiten innovativer und barrierearmer Vermittlung.
Zugleich gehen mit der digitalen Öffentlichkeit Risiken einher: Der virtuelle Raum ist auch ein Ort von Fake News, KI-generierten Bildern und anderen Formen der Desinformation. Museen tragen hier als Wissensinstitutionen mit hohem gesellschaftlichen Ansehen (Grotz, Rahemipour 2024) eine besondere Verantwortung. Als Akteure einer offenen Gesellschaft sensibilisieren sie für diese Gefahren und können einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken.
Die Tagung will die vielfältigen Dimensionen der Vermittlung von Wissen und Erinnerung in Museen vor dem Hintergrund neuer digitaler Technologien und KI-gestützter Vermittlungsformate beleuchten und interdisziplinäre Perspektiven auf dieses komplexe Feld bündeln.
Im Fokus sollen die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa stehen, ein Themenfeld der nationalen Erinnerungskultur, das zugleich die jahrhundertelange Verflechtungsgeschichte von Deutschland und seinen östlichen Nachbarn betrifft. Eingeschlossen sind die Shoa und der von Deutschland begonnene Vernichtungskrieg im Osten sowie, in Folge davon, Flucht, Vertreibung und (Spät-)Aussiedlung der Deutschen ab Herbst 1944. Die internationale Dimension ist hierbei zentral für eine gemeinsame, zukunftsgerichtete Aufarbeitung und Vermittlung.
Zweitägige Tagung: 12.10. und 13.10.2026
Programm
Montag, 12. Oktober 2026
12:00 Uhr Führung durch die Sonderausstellung „Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten“
13:00 Uhr Begrüßung und Einführung
13:30 Uhr Keynote Heike E. Gleibs (Wikimedia Deutschland)
14:00 bis 17:15 Uhr Strategien kritischer Medienkompetenz
Moderation: Matthias Thaden (MEK)
14:00 Uhr Digitale Potentiale für historische Bildkritik und gegenwärtige Medienkompetenz nutzen. Eine Webanwendung zum kritischen Umgang mit NS-Täterfotografien im Kontext des deutsch besetzten Europa
Axel Bangert/Martin Borkowski-Saruhan (Deutsches Historisches Museum, Berlin)
14:40 Uhr„ Belastetes“ Kulturerbe im digitalen Raum. Wie können digitale Formate eine kritische und agency-orientierte Erinnerungskultur fördern?
Mara Metzmacher (Haus der Geschichte Österreich, Wien)
15:20 Uhr: Kaffeepause
15:50 Uhr Viral Hallucinations. Das Zentrum für Visuelle Medien als Modell für kritische Bildkompetenz im Museum
Mona Behfeld (Deichtorhallen Hamburg)
Moderation: Cornelia Eisler (BKGE)
16:30 Uhr Die Rolle alternativer Erinnerungsnarrative bei der Bekämpfung von Desinformation. Der Fall des Museums der Posener Bamberger
Agnieszka Szczepaniak-Kroll (Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Zweigstelle Poznań)
17:15 Uhr: Kaffeepause
18:00 bis 19:30 Uhr Podiumsdiskussion: Museen zwischen Fakten und Fiktion. Herausforderungen und Strategien im Umgang mit Fake News
Moderation: Ingo Loose (Institut für Zeitgeschichte, Berlin)
Teilnehmer:innen: Sabine Arend (Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert), Sandra Hollmann (Jüdisches Museum Berlin), Jörg Morré (Museum Berlin-Karlshorst)
19:30 Uhr: Get-together
Dienstag, 13. Oktober 2026
9:30 bis 13:15 Uhr KI und das Museum von morgen. Chancen und Risiken für Vermittlung und Partizipation
Moderation: Judith Schühle (MEK)
9:30 Uhr Games in Museen – Museen in Games. Erinnerungskultur im Spannungsfeld von Ausstellung und Spiel
Isabelle Hamm (Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln)
10:10 Uhr Verhandlungsraum kollektiver Erinnerung. Das „Wir-Archiv“ im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte
Nico Wiethof (Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, Detmold)
10:40 Uhr Halbvoll oder halbleer: IT im Museum als Chance und Last
Jochen Mähnert (Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung, Lüneburg)
11:20 bis 11:50 Uhr: Kaffeepause
11:50 Uhr „Unsere Deutschen“ im Zeitalter der KI und der Fake News
Tomáš Okurka (J. E. Purkyně-Universität, Ústí nad Labem)
12:30 Uhr Handlungsbedarf durch KI-Halluzinationen. Kurzvideos und KI-optimierte Inhalte als Antwort
Alexander John Bolton (Gedenkstätte Buchenwald)
13:10 bis 14:15 Uhr: Mittagspause
14:15 bis 15:45 Uhr Podium mit Schlussdiskussion: KI und das Museum von morgen
Moderation: Dorothee Haffner (HTW Berlin)
Teilnehmer:innen: Katrin Glinka (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin), Jürgen Geuter (ART+COM GmbH, Berlin), Carolin Wagner (Berlinische Galerie)
Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben.
- Für die Planung wird um Anmeldung gebeten bis 7. Oktober 2026 unter: bkge@bkge.bund.de
Zusätzliche Informationen
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