Ausstellung der Künstlerin Ingrid Simons
Diese Doppeldeutigkeit macht "Zwielicht" besonders fesselnd. Der Titel beschreibt nicht nur eine Tageszeit, sondern auch einen geistigen und emotionalen Zustand: einen Raum, in dem Gegensätze koexistieren und in dem sich Sichtbares und Unsichtbares, Präsenz und Absenz, Klarheit und Geheimnis ständig überlagern.
Dieser Schwellenzustand bildet den Kern von Ingrid Simons’ künstlerischer Praxis. Anstatt Landschaften lediglich abzubilden, erforscht sie diese als physische, energetische und zeitliche Gegebenheit. Indem sie lange Zeiträume in der Natur verbringt, untersucht sie die subtilen Kräfte, die unsere Wahrnehmung eines Ortes prägen: wechselndes Licht, Wetter, Schwerkraft, Bewegung und Zeit. Die Natur wird dabei sowohl zum Sujet als auch zur Partnerin und hinterlässt ihre Spuren im Werk.
Die Ausstellung vereint monumentale Tuschearbeiten auf Papier (500 × 125 cm), Video-Performances, intime Zeichnungen auf Papier – die ersten, die seit vielen Jahren gezeigt werden –, Ölgemälde, aktuelle Acrylmalereien sowie fünf neue Textilarbeiten, die während ihrer Residenz hier in Berlin entstanden sind. Gemeinsam offenbaren sie eine erweiterte malerische Praxis, in der Material, Körper und Umgebung ständig miteinander interagieren.
Bei der Arbeit mit flüssigen Materialien wie Tusche und reiner Ölfarbe lässt sich Simons gleichzeitig auf Prozesse der Formbildung und der Auflösung ein. Schwerkraft, Viskosität, Geste und Naturkräfte gestalten das Bild aktiv mit. Malerei wird so nicht zur Abbildung von Landschaft, sondern zu einem Ereignis, in dem Materie, Bewegung und Zeit sichtbar werden.
Wie das "Zwielicht" selbst entfaltet sich die Ausstellung in einem Raum zwischen den Welten. Sie lädt die Betrachtenden in eine Sphäre ein, in der Landschaft nicht bloß betrachtet, sondern als Atmosphäre, Energie und Transformation erlebt wird – und in der das Sehen allmählich dem Spüren weicht.
Programm
- 06.08. 18:00 Uhr Vernissage und Künstlergespräch mit Ingrid Simons
- 07.08. 18:30 Uhr Special Guest: Poetische Begegnung mit dem bildenden Künstler Manfred Schneider
- 08.08. 16:00 Uhr Special Guest: Poetische Begegnung mit dem Schriftsteller Dan Ayres
- 09.08. 15:00 Uhr Finissage
Ingrid Simons ist während der Öffnungszeiten anwesend; kommen Sie gerne vorbei, um sich auszutauschen und über Kunst, Natur und den Mond zu sprechen. Möglicherweise arbeitet sie vor Ort auch an neuen Werken.
Über die Künstlerin
Ingrid Simons (geb. 1976) schloss 1999 ihr Studium an der Akademie voor Kunst en Vormgeving in ’s-Hertogenbosch (Niederlande) ab. Als niederländische bildende Künstlerin beherrscht sie verschiedene Techniken: Sie arbeitet als Malerin (Öl auf Leinen) sowie in den Bereichen Lithografie, Siebdruck, Fotopolymerdruck, Keramik, Kurzfilm und Performance. Seit 2022 hat sie eine neue künstlerische Richtung eingeschlagen: Arbeiten auf Papier sowie Malerei mit Tinte und Lack.
Ein wesentliches Merkmal ihrer künstlerischen Praxis ist, dass sie die Hälfte des Jahres im Rahmen internationaler Künstlerresidenzen arbeitet.
2005 und 2008 stand sie in der engeren Auswahl für den „Royal Award for Modern Painting“; die entsprechenden Werke wurden im Museum GEM in Den Haag (Niederlande) ausgestellt. 2016 erhielt sie ein Stipendium für etablierte Künstler (Mondriaan Fonds, Niederlande), und 2019 wurde sie vom ISPP International Studio & Presentation Program der Livingstone Gallery für den Berlin-Preis nominiert. Im Jahr 2020 folgte eine Nominierung für den Internationalen Senefelder-Preis (Deutschland).
Werke von Simons wurden in öffentlichen Museen, auf Biennalen sowie in Galerien und auf Kunstmessen in den Niederlanden, Portugal, Deutschland, Belgien, Italien, den USA, Russland und Japan präsentiert. 2020/21 erhielt Simons das Brill-Stipendium als unabhängige Forscherin am Scaliger-Institut der Universität Leiden. 2023 präsentierte Ingrid Simons ihre achte Einzelausstellung in Portugal im Museu Nacional Frei Manuel do Cenáculo in Évora.
Zusätzliche Informationen
Informationen zur Barrierefreiheit
Der Zugang zum Ausstellungsraum ist ebenerdig gelegen und über eine 15 cm hohe Stufe erreichbar. Der Zugang zur Toilette ist ebenfalls ebenerdig, aber aufgrund einer Trennwand zwischen WC und Waschbecken nicht barrierefrei.
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