„Schlaflos in Los Angeles“ – so könnte der Untertitel von Charles Lewinskys neuem Roman lauten. Der vielfach ausgezeichnete Autor, der zu den bedeutendsten Schriftstellern der Schweiz zählt, schickt seinen Helden Curt Melnitz wegen hartnäckiger Schlaflosigkeit zum Psychiater. Dort beginnt eine Lebensbeichte, die den Leser von der ersten Seite an in ihren Bann zieht. Weil ihm sein Hausarzt keine Schlaftabletten mehr verschreibt, wird der 83-jährige Curt Melnitz stattdessen zu Gesprächen geschickt. In 37 Sitzungen blickt er zunächst widerwillig, dann immer freier auf ein außergewöhnliches Leben zurück. Was ihn bis heute um den Schlaf bringt, bleibt dabei lange im Verborgenen.
Curt Melnitz ist dabei keine Erfindung. Der 1879 in Leipzig als Kurt Chmelnitzki geborene Filmmanager hat tatsächlich gelebt und war ein entfernter Verwandter Charles Lewinskys. Als Kind hörte der Autor von jenem geheimnisvollen Verwandten, der in den 1930er-Jahren aus Hollywood nach Leipzig gekommen sein soll, um seine jüdische Familie eindringlich vor den Nationalsozialisten zu warnen. Jahrzehnte später entdeckte Lewinsky, dass diese Geschichte wahr war – und machte Curt Melnitz zum Helden seines Romans.
Vor den Augen der Leserinnen und Leser entfaltet sich ein schillerndes Leben zwischen Leipzig, Hollywood und Europa. Melnitz begegnet Charlie Chaplin, arbeitet als dessen Pressevertreter und wird später Europa-Repräsentant von United Artists. Mit großer erzählerischer Meisterschaft verbindet Lewinsky historische Realität und literarische Fiktion zu einem ebenso unterhaltsamen wie bewegenden Panorama jüdischer Geschichte im 20. Jahrhundert.
Zusätzliche Informationen
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