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silent green präsentiert

OSCILLAZIONI - Eine Klanginstallation aus einem Archiv von Compact Cassetten von Christina Kubisch.

Produktive Arbeitsbeziehungen ergeben sich nun einmal öfter aus den verrücktesten Zufällen. So war es auch, als Hanno Leichtmann, einer der Pioniere der elektronischen Musik im Berlin der Nachwendezeit, vor fast genau zwei Jahren in dem Berliner Kunstraum Die Möglichkeit einer Insel eine Ausstellung mit dem Titel Low Noise Chronical zeigte. Christina Kubisch, seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts eine der angesehensten Installationskünstlerinnen im Bereich der Klangkunst, hatte sich auf den Weg von Köpenick nach Mitte gemacht – und erschien überraschend zur Eröffnung.

Das Gehörte und Gesehene, eine Klanginstallation auf der Grundlage von Kassettenaufnahmen, muss Eindruck hinterlassen haben. Hanno Leichtmann staunte jedenfalls nicht schlecht, als er wenig später, ein großes Paket mit wertvollem Inhalt erhielt. Eine ganze Sammlung von bespielten Compact Kassetten aus dem Archiv von Christina Kubisch.

Die Aufnahmen dokumentieren ihre „Mailänder Phase“, einen von den frühen 70er Jahren bis Ende der 80er Jahren reichenden Zeitraum, in dem sie mit dem italienischen Künstler Fabrizio Plessi zusammenarbeitete, Elektronik am Politecnico di Milano studierte und nach einer Zeit als Performancekünstlerin ab den 80er Jahren begann , weiträumige mehrkanalige Klanginstallationen im Innen- und Außenraum zu gestalten.

Die nicht aus Zufall mit dem italienischen Titel Oscillazioni versehene Ausstellung im Kuppelsaal des silent green zeigt nun die Ergebnisse einer künstlerischen Annäherung an das Werk von Christina Kubisch. Der Musiker und Klangkünstler Hanno Leichtmann setzt damit eine Reihe von Arbeiten für die Donaueschinger Musiktage, für die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, für Sasha Waltz & Guests und für das Künstlerprogramm des DAAD auf gewohnt eigenwillige Weise fort.

Im Ausstellungsraum sind kreisförmig angeordnete Zeichnungen und Skizzen im A-2-Format von Christina Kubisch zu sehen. Sie umgeben die physischen Körper einiger Gegenstände, mit denen Hanno Leichtmann das in der Ausstellung wahrnehmbare Klanggeschehen hergestellt hat – das Archiv mit den historischen Compact Kassetten, einen Oszillator und einen Vierspur-Rekorder.

Die auf den Kassetten dokumentierte „Mailänder Phase“ besteht hauptsächlich dem Material für die ortsbezogene Installationen von Kubisch: Aufnahmen von Naturgeräuschen und anderen field recordings, Vogelgesängen , Klängen von selbst gespielten Instrumenten und einfachen elektronischen Geräten. Mit Hilfe von Granularloopern und Samplern hat Hanno Leichtmann aus diesen Originalbändern neues Klangmaterial erzeugt. Neben den einschlägigen Tools aus der Welt der Musique Concrete kamen digitale Gestaltungsmittel wie Re-Pitching, Stretching, Re-Synthesizing, Spektralanalyse und weitere Bearbeitungsschritte mit analogen und digitalen Audioeffekten zum Einsatz.

Entstanden ist so ein ungefähr 60 Minuten langer und naturgemäß auf Wiederholung gestellter Loop, der im Rahmen einer Vierkanal-Audio-Installation präsentiert wird. Jeder dieser vier Kanäle ist in Mono aufgenommen und sendet jeweils unterschiedliche Klanginformationen.

Je nach dem, wo sich Besucher:innen im Raum befinden, wird eine Klangquelle mehr oder weniger dominant und überlagert sich auf jeweils unterschiedliche Weise mit dem Klanggeschehen der anderen drei Kanäle. Die Klangmischung entsteht im Gehen der Besucher:innen. Im Vollzug ihrer individuellen Bewegungen im Raum. Ein Christina-Kubisch-Megamix.

Text: Christoph Gurk

Freitag, 31. Juli & Samstag, 1. August

silent green Kuppelhalle

14–20 Uhr

Eintritt frei

Zusätzliche Informationen
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