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Gedichtlesung mit Jason Allen-Paisant, James Noël und Neneh Sowe

Im Laufe der Geschichte haben Lyriker:innen Bewegungen ins Leben gerufen, unterdrückerische Regime herausgefordert und den Dialog angeregt. Die Poesie wurde dadurch zu einem wirkungsvollen Werkzeug des Aktivismus und sozialen Wandels.

Für diese abschließende Geste des Festivalprogramms wird ein Duo aus zwei starken poetischen Stimmen eingeladen:

Jason Allen-Paisant und James Noël, begleitet von der Geigerin Neneh Sowe. Allen-Paisant liest einen Auszug aus seinem demnächst in Buchform erscheinenden Langgedicht SNOW. Darin stellt er den Schnee nicht als bloßes Landschaftselement oder klimatisches Phänomen in den Mittelpunkt. Er behandelt ihn vielmehr als psychischen Zustand, als historische Kraft und als metaphysische Atmosphäre. Im Kern bildet SNOW eine Gegenkosmologie, die sich um die mesoamerikanische gefiederte Schlange Quetzalcoatl dreht. Der Versuch besteht darin, Phänomene der Wiederkehr, der Katastrophe, des Opfers, des Kampfes und der Zeit selbst in einer von Krisen erschütterten heutigen Welt zu verstehen.

Auch wird Quetzalcoatl im Werk zum Geliebten des Dichters. Laut Allen-Paisant existiert „ein erotisch-mythisches System, das unterhalb der politischen Stimmung des Buches fließt“.

James Noëls Gedichtsammlung Paons beschäftigt sich mit Fragen von Identität, kultureller Übrlieferung und den Unwägbarkeiten der menschlichen Erfahrung und richtet sein Augenmerk dabei insbesondere auf den Kontext der haitianischen Kultur. Mit lebhaften Bildern und eindringlicher Sprache reflektiert Noël persönliche und kollektive Geschichten und nutzt dabei die prächtigen paons (Pfauen) als Metapher für Schönheit und Erhabenheit inmitten der Kämpfe und Bestrebungen von Menschen, die mit den Schwierigkeiten des Lebens konfrontiert sind. Die Gedichte verweben oft Elemente von Erinnerung, Widerstandsfähigkeit und der Suche nach Zugehörigkeit miteinander. Sie laden ihre Leserschaft dazu ein, sich auf die emotionalen Landschaften seiner Erzählung einzulassen. Der Band ist als eindrückliche Hommage an den unerschütterlichen Geist derer angelegt, die allen Widrigkeiten trotzen und nach Sinn suchen.

  • Teil von Bwa Kayiman: Crossing the Mangrove.

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