(auf Englisch)
Ausgehend von ihrer Forschung zu Gegenöffentlichkeiten in der DDR und in den Jahren nach dem Mauerfall führt Linn mit einer Lesung aus Sybille Bergemanns Das Denkmal (1975–1986) sowie aus Das Gespenst verlässt Europa (1990) von Heiner Müller und Sibylle Bergemann in die beiden künstlerischen Beiträge ein. In den anschließenden Gesprächen diskutieren Linn und die Künstler:innen, welche politischen Geschichten durch die Präsenz und die Abwesenheit eines Denkmals fortwirken und wie Kunst in diesem Zusammenhang den öffentlichen Raum umgestaltet.
Monument für Schröderstrasse
Ariane Müller spricht über ihre Arbeit Monument für Schröderstrasse (2005), die sich mit den sozialen und räumlichen Praktiken auseinandersetzt, die nach 1989 in den Ruinenlandschaften des Postsozialismus entstanden und im Zuge von Stadterneuerung und Gentrifizierung inzwischen weitgehend verschwunden sind. Ausgehend von Schröderstrasse, einem temporären, selbstorganisierten Kunstraum in Ost-Berlin, der heute so nicht mehr existieren kann, rekonstruiert die Arbeit Elemente dieses Ortes in einem Museum. Indem die Arbeit den Innen- und Außenraum ineinander verkehrt, unterläuft sie zugleich die Logik des Denkmals selbst. Die Vielzahl der Türen und die rekonstruierte Umgebung verweisen sowohl auf die Offenheit selbstorganisierter Räume als auch auf das Paradox, diese innerhalb eines Museums bewahren zu wollen. Wie können (Gegen-)Denkmäler, verstanden nicht nur als Objekte, sondern als Praktiken, politische Utopien lebendig halten und das Recht auf Stadt als gemeinsame Gestaltung urbanen Raums praktizieren?
Ariane Müller ist Künstlerin und Autorin und lebt in Berlin und Wien. Monument für Schröderstrasse entstand für die Ausstellung Situation (2005) im MCA Sydney, die die Kunstszenen Sydneys, Singapurs und Berlins miteinander verglich. Die Arbeit bildete zugleich den Ausgangspunkt für das Museum of Society and Economy, einen bislang ausschließlich virtuellen Raum, den Ariane Müller konzipierte und der nach visuellen, nicht aber symbolischen Zeichen für die sozialen und politischen Bewegungen unserer Zeit sucht.
Ariane Müller ist Gründerin und Herausgeberin des Magazins Starship sowie des gleichnamigen Verlags. Dort veröffentlichte sie unter anderem Bücher von Annette Wehrmann, Martin Kippenberger und Hans-Christian Dany. Ihr erster Roman, Handbuch für die Reise durch Afrika, erschien 2013 im Museum für Gegenwartskunst Basel. Sie war Professorin für Kunst und Text an der HfBK Offenbach und lehrte im Masterstudiengang in Umeå, Schweden. Im vergangenen Jahr war ihre Arbeit in einer Einzelausstellung in der Wiener Secession zu sehen.
Elisa R. Linn (Elisa Linn Roguszczak) ist Kuratorin, Forscherin und Autorin. Sie gründete und leitet das erste kuratorische Studienprogramm des Bard College Berlin, Spaces of Appearances: Exhibitions as Counter-Public Spheres. Von 2022 bis 2025 war Linn Co-Direktorin der Halle für Kunst Lüneburg e.V., wo sie unter anderem Retrospektiven von Jürgen Baldiga, Terre Thaemlitz und Sophie Reinhold kuratierte. Sie absolvierte das Whitney Independent Study Program. An der Akademie der bildenden Künste Wien promoviert sie bei Marina Gržinić zur Berliner Mauer als „Kondom“ im Kontext von Gegenöffentlichkeiten und Migrationsästhetiken in der DDR. Linn lehrte an zahlreichen Institutionen und vertrat im Sommersemester 2022 die Professur für den Lehrstuhl Kunsttheorie und Kunstvermittlung (Prof. Dr. Kerstin Stakemeier) an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Seit 2012 co-leitet sie das kuratorische Kollektiv km temporaer , seit 2021 co-organisiert sie außerdem den Filmclub der polnischen Versager*innen in Berlin-Mitte.
- Kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de
IN ENGLISCHER SPRACHE
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