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Performing Arts Season 2026/2027

MAMI erzählt von Müttern, von Nähe und Loslösung, von dem, was weitergegeben wird. In einem wortlosen, rituellen Bildtheater formt Mario Banushi persönliche Erinnerung zu einer intensiven Erfahrung zwischen Geburt, Begehren und Verlust.

MAMI kreist um ein Wort, das mehr meint als eine Person. Mutter – das ist bei Mario Banushi Ursprung und Abwesenheit zugleich, Fürsorge und Zumutung, Nähe und Verlust.

In seiner neuen Arbeit verdichtet der in Albanien geborene und in Griechenland aufgewachsene Regisseur und Performer persönliche Erinnerungen zu einer poetischen Erkundung jener Beziehungen, die Leben hervorbringen und prägen. MAMI ist eine Hommage an die Frauen, die uns großgezogen haben – und an die Ambivalenzen, die mit diesem Erbe verbunden sind.

Ausgehend von eigenen Erfahrungen entwirft Banushi ein visuelles Gedächtnistheater: Die Bühne wird zum Raum der Erinnerung, vertraut und unheimlich zugleich. In stillen, hochkonzentrierten Bildern entfaltet sich eine Chronik des Aufwachsens – von frühen Kindheitsprägungen über erste Liebeserfahrungen bis zur Entdeckung des eigenen Begehrens. Zärtlichkeit und Verletzung, Geburt und Vergänglichkeit, Zuwendung und Loslösung stehen dabei in einem ständigen Spannungsverhältnis. Die Zeit scheint gedehnt, aufgehoben, als folge sie der inneren Logik von Erinnerungen statt einer linearen Erzählung.

Charakteristisch für Banushis Arbeit ist der Verzicht auf gesprochenes Wort. Körper, Gesten, Musik, Licht und Farbe tragen die Erzählung. Seine Inszenierungen entstehen aus einem intensiven visuellen Prozess und funktionieren wie immaterielle Bücher, die weniger gelesen als erfahren werden wollen. Seine Bühnenräume wirken wie entrückte Zwischenwelten, in denen Realität und Symbolik unmerklich ineinander übergehen. Rituale, Opfergaben und alltägliche Materialien verbinden sich zu einer Poetik des Realen, in der Körper in ihrer rohen, ungeschützten Präsenz zu Bildern von großer emotionaler Klarheit werden. Die stark vom Balkan geprägte Musik verstärkt den rituellen Charakter der Aufführung und verleiht ihr eine archaische und zugleich zeitgenössische Qualität.

Mario Banushi hat sich mit seinen wortlosen, bildmächtigen Theaterarbeiten international einen Namen gemacht, 2026 wurde er dafür mit dem Silbernen Löwen der Biennale di Venezia ausgezeichnet. Mit seinem Debüt Ragada und den nachfolgenden Arbeiten Goodbye, Lindita, das im Rahmen von Performing Exiles bei den Berliner Festspielen 2025 zu sehen war, und Taverna Miresia – Mario Bella Anastasia entwickelte er eine unverwechselbare Form des Bildtheaters, in der persönliche Erfahrung, Ritual und kollektive Erinnerung ineinandergreifen.

Mit MAMI setzt er diese Handschrift fort und wendet sich nach Stücken über Abschied und Trauer dem Leben selbst zu: der Geburt, der Weitergabe, der Frage, wer wen trägt – und zu welchem Preis.

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