Die Künstlerin hat für das Winterrefugium der Zitruspflanzen eine raumgreifende Arbeit aus Stoff entworfen, die mittels ihrer Materialität eine ebenso sinnliche wie eigentümliche Bildlichkeit erzeugt.
Schwebend hängen die Textilskulpturen von der Decke, die mit groben Stichen vernäht wurden und etwas Verborgenes, Geheimnisvolles in sich tragen. Die wulstigen Ausformungen und die an Vernarbungen erinnernden Nahtlinien verleihen der Installation einen biomorphen Charakter: Wie eine Haut umschließt der Stoff das Innere, das der Skulptur ihre Form verleiht.
Im Zusammenspiel mit dem Ausstellungstitel „cocooning“ erweckt die ortsspezifische Arbeit den Eindruck, als würde man den Lebensraum mystischer Geschöpfe betreten, die sich inmitten eines metamorphischen Prozesses befinden. Während die Raupe sich in ihren Kokon zurückzieht, um als Imago, als vollendetes „Bild“, hervorzutreten, verweist der Titel durch seine subjektivierende Verbform auch auf das soziale Phänomen des „cocooning“, den Rückzug ins Häusliche. Folgt auf diese Ruhephase also die Entfaltung oder aber die vollständige Isolation? Frauke Wilken widmet ihr künstlerisches Schaffen der Exploration organischer Formen, die immer wieder anthropomorphe Züge annehmen und mal verstörend, mal versöhnlich sind.
Das Fragmentarische in ihrer Arbeit – die zusammengesetzten Fetzen, zusammengehalten durch die immer wiederkehrenden Nähte, die unter der Schwere der Last hier und da aufzureißen vermögen – verhandelt den Körper als Austragungsort individueller und gesellschaftlicher Konflikte. Trotz ihrer mitunter grotesken Erscheinung steht aber die Resilienz des Körpers im Vordergrund: Geschunden und verwundet trägt, und erträgt, er in einem fortwährenden Wandel alle Beschwerlichkeiten, die ihm auferlegt werden.
Zur Künstlerin:
Frauke Wilken (*1965 in Göttingen) lebt und arbeitet seit 1992 in Köln. Nach dem Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Hans-Peter Zimmer arbeitet sie medienübergreifend in den Bereichen Bildhauerei, Fotografie und Zeichnung. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, darunter im Kunstmuseum Bochum, Lehmbruck Museum Duisburg, Museum Centre Pasquart Biel (Schweiz) sowie zuletzt in der Kunsthalle Memmingen. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war sie unter anderem an der Fachhochschule Düsseldorf sowie seit 2012 an der Melanchthon-Akademie Köln tätig.
Eröffnung der Ausstellung
am Freitag, den 19. Juni 2026 um 18 Uhr in der Kleinen Orangerie am Schloss Charlottenburg
Begrüßung
Heike Schmitt-Schmelz | Bezirksstadträtin
Barbara Höffer | Kommunale Galerie Berlin
Einführung
Dr. Ralf F. Hartmann | Kunsthistoriker
- Ausstellungsdauer: 20. Juni bis 22. August 2026
- Öffnungzeiten: Di - So 10:00 - 18:00 Uhr

