Zum 90. Geburtstag des Babylons ist das Jubiläums-StummfilmLIVEfestival # 10 vom 29. August bis 8. September dem Jahr seiner Eröffnung gewidmet: 1929 - Das letzte – und BESTE - Jahr des Stummfilms. Climax!
Zu Beginn am 29. August um 19.30 Uhr feiern wir die Deutschland-Premiere von Dimitri Schostakowitschs Composer’s Cut von „Das neue Babylon“ (OmeU, Eintritt: 25 Euro): Das von der sowjetischen Zensur vor seiner Welturaufführung um etwa 30 Minuten gekürzte Meisterwerk erstmals in voller Länge und zusammen mit dem ungekürzten Film. Die Bilder der gescheiterten Volksbefreiung in Paris – im Stil eines Dokuments. Wahrhaftige Dramatik. Dazu die Original-Orchester-Musik von Dmitri Schostakowitsch. Eine Zeitenwende, ein Oratorium.
Berlin 1929: Bei Straßenschlachten mit der Polizei sterben Dutzende von Menschen, Faschisten entern zunehmend die politische Bühne, der „Schwarze Freitag“ an der Wallstreet schlägt auf die Welt-Wirtschaft durch, die Menschen tanzen zu Foxtrott und Shimmy auf dem Vulkan, der in der Krisenstimmung dieses Jahres heftig brodelt. Der Sexappeal der „Goldenen Zwanziger“ ist auf dem Climax.
Und auch das: Nahe des „Alex“, am damaligen Bülow-Platz, eröffnet 1929 als neuestes und letztes Berliner Stummfilmkino das Babylon. Ein Name wie gemacht für diese Stadt und ihre aus den Fugen geratene Zeit. Ein Stummfilmkino mit Orchestergraben, goldgerahmter Leinwand und großer Kinoorgel. Doch die Zeichen stehen auf Umbruch: Aus den USA kommen die ersten Tonfilme und verdrängen damit den Stummfilm und seine Musiker.
Berlin 2019. Das Babylon gehört heute zu den ältesten und ersten Adressen in Sachen Stummfilm. Hier gibt es Vorführungen mit Live-Musik, gibt es den samstäglichen „Stummfilm um Mitternacht“ bei freiem Eintritt, gibt es seit zehn Jahren das jährliche StummfilmLiveFestival zu wechselnden Themen (u.a. Charlie Chaplin, Buster Keaton, Laurel & Hardy, Vive La France, Sowjetische Filmavantgarde Live, America First).
Kinoorganistin Anna Vavilkina begleitet die Filme live und seit diesem Jahr auch das Babylon Orchester Berlin, das Klassiker wie „Metropolis“ oder „Nosferatu“ vor ausverkauftem Haus mit großem Erfolg zum Leben erweckt.
Freier Eintritt (bis auf die Eröffnung): Während des StummfilmLIVEfestival # 10 sind insgesamt 30 internationale Meisterwerke, alle musikalisch einmalig und live interpretiert zu erleben: Mit der 20er-Jahre-Ikone Louise Brooks („Tagebuch einer Verlorenen“, „Die Büchse der Pandora“), mit Greta Garbo („The Kiss“) und Elisabeth Bergner („Fräulein Else“) sowie Marlene Dietrichs letzter Stummfilm („Die Frau, nach der man sich sehnt“). Anny Ondra ist Star der beiden frühen Hitchcock-Klassiker „Blackmail“ und „The Manxman“.
Berühmte Regisseure: Aus den USA Josef von Sternbergs Thriller „Thunderbolt“, Frank Borzages Melodram „Lucky Star“, die Buster-Keaton-Komödie „Spite Marriage“, Erich von Stroheims „Queen Kelly“. Aus Frankreich u.a. Jean Renoirs „Le bled“ und Jean Epsteins „Finis terrae“, aus Großbritannien E.A. Duponts „Picadilly“ und Anthony Asquits Mystery-Thriller „A Cottage on Dartmoor“, ebenso eine frühe Verfilmung von S.C. Doyles „Der Hund von Baskerville“. Meisterwerke des sowjetischen Stummfilms wie „Arsenal“ von Aleksandr Dovzhenko, „Das neue Babylon“ von Grigori Kosinzew und Leonid Trauberg und „Die Generallinie“ von Grigori Aleksandrow. Aus Deutschland Fritz Langs „Frau im Mond“, Joe Mays Großstadtromanze „Asphalt“ und Richard Oswalds lange Zeit als verschollen geglaubtes „Frühlings Erwachen“ als 80 minütiges Fragment.
Freier Eintritt: Nach dem Besuchererfolg der letztjährigen Festivals „Vive la France“ und „America First“ (jeweils 4500 Besucher) erwarten wir in diesem Jahr mit dem Best Of des Jahres 1929 noch mehr als 400 Besucher täglich. Damit wird das Stummfilm Live Festival zum größten Stummfilmevent Berlins.