ALLES GRATIS außer Orchester
Das ganze Programm ist Gratis! (außer Orchester)
17. StummFilmLiveFestival
1926 - 2026 100 JAHRE
03. -13. September
28 Filme, 11 Tage, 18 internationalen Gästen, 1 Orchester
1926 - 2026 -100 YEARS
GRAND OPENING
Do, 03.09. 19:30 KEATON's The General live mit live Orchester
Timothy Brock kommt zur Eröffnung des Festivals mit seiner Neukomposition zu Buster Keatons The General live with Orchestra ins Babylon (Do, 03.09. 19:30).
Das iranische Musiker-Duo Peyman Yazdanian (Piano) und Adib Rostami (Kamancheh & Tombak) begleiten den Dokumentarfilm Grass, in dem ein von Dürre bedrohter Volksstamm mit seinen Herden zu einer beschwerlichen, lebensgefährlichen Wanderung in fruchtbare Regionen aufbricht – ein brandaktuelles Thema (5.9. 19:30).
Das Kinojahr 1926 ist eines der erfolgreichsten und produktivsten der Stummfilmära. Mehr als zweieinhalb Milliarden Amerikaner besuchen die Lichtspieltheater, das entspricht wöchentlichen Besucherzahlen von rund 50 Millionen. Ähnlich in Großbritannien, wo die Menschen zwei bis drei Mal pro Woche die neu entstandenen „Picture Palaces“ frequentieren.
Auch in Deutschland gibt es einen beispiellosen Kinoboom. Allein die Ufa wird bis Dezember 1926 im Deutschen Reich einen Theaterpark von mehr als hundert Kinos mit rd. 100.000 Plätzen besitzen. In Berlin, Essen oder München entstehen Lichtspielpaläste für über zweitausend Zuschauer.
Die Produktionsmaschinerie läuft auf Hochtouren. Fritz Lang stellt nach fünfzehnmonatiger Drehzeit sein Jahrhundertwerk Metropolis (OmeU) fertig (der im Januar 1927 Premiere feiert), Alfred Hitchcock betritt mit The Lodger die Bühne - seinem ‘ersten richtigen Film‘, wie er es nennt.
Überall verlassen innovative, zum Teil auch ästhetisch radikale Filme die Studios. So in Japan A Page of Madness, einem Horrortrip durch das Innenleben einer psychiatrischen Anstalt. Aus der Sowjetunion kommen der Psychothriller Sühne und die spätexpressionistische Literaturverfilmung Der Mantel (nach Gogol). In Berlin feiert mit Die Abenteuer des Prinzen Achmed der erste Scherenschnitt-Animationsfilm der Welt seine Premiere. F.W. Murnau eröffnet mit einer wegweisenden Eröffnungssequenz in Sachen Tricktechnik seine geniale SFaust. Eine deutsche Volkssage-Adaption. Erstmals wird mit G.W. Pabsts Geheimnisse einer Seele das Thema Psychoanalyse in einem Film behandelt.
All das präsentiert StummfilmLIVEFestival 2026 – und noch mehr:
Ekkehard Wölks Trio Noir et Blanc verschmilzt orientalische Klänge mit Jazz.
Weitere Highlights:
So This Is Paris von Ernst Lubitsch: zwei befreundete Ehepaare kokettieren mit Partnertausch und erleben eine Achterbahnfahrt der Gefühle, erzählt mit den Mitteln des Stummfilms: mit Blicken, Gesten. Entstanden in Hollywood: Lubitsch-Touch at it’s best.
Jean Renoirs Nana entstanden nach Emile Zolas gleichnamigen Roman erzählt das Drama vom Aufstieg einer Pariser Kurtisane zu einer der mächtigsten Frauen der Gesellschaft – und ihrem Fall. Großes episches Kino.
Rien que les Heures: Paris von frühmorgens bis spät nachts in dokumentarischen Bildern, die aber besonders die ärmeren Viertel ins Visier nehmen. Vorbild für Walter Ruttmanns Berlin - Die Sinfonie einer Großstadt.
In Berliner Kinos des Jahres 1926 liefen beileibe nicht für Filmkunstwerke à la Faust, sondern auch für schrille Milieu-Komödien: so etwa Gräfin Plättmamsell mit Ossi Oswalda und Curt Bois – schräge Romantik zwischen Wäscherei, Konfektionsgeschäft und Luxushotel. Dazu passt Richard Oswalds Eine tolle Nacht, die ein Insektenpulverfabrikant aus der Provinz in Berlin verbringt und dabei mächtig in Turbulenzen gerät. Fröhliche Anarchie mit den Chargenstars Henry Bender, Mira Hildebrand, Paul Graetz – und Ossi Oswalda.
In der schwedischen Gender-Komödie Mädchen im Frack (Flickan i Frack), widersetzt sich eine junge Frau selbstbewusst gesellschaftlichen Konventionen.
Großes Gefühlskino bietet verlässlich Flesh and the Devil mit Greta Garbo und John Gilbert in einem klassischen Melodram.
Von düsterer Dramatik: Im Angesicht des Meeres. Auf einer einsamen finnischen Insel stößt ein Besucher auf das Familiengeheimnis eines Fischers und seiner erwachsenen Tochter.
Nicht weniger dramatisch: Lew Kuleshows Sühne (Po Zakonu), ein Psychothriller, entstanden nach einer Erzählung von Jack London, angesiedelt in der Wildnis Alaskas, in der drei eingeschlossene Menschen in einen existenziellen Konflikt miteinander geraten.
Wer nach heißen Sommertagen (visuelle) Abkühlung im Kino sucht, wird hier gut bedient: Mit Schlitten und Rentier in Inka Läntas Winterland. Der Film mit dem harmlos klingenden Titel zeigt den harten Überlebenskampf der Inuit in den kargen Weiten des skandinavischen Nordens.
Mit ihrem Image als betuliche Kindfrau in harmlosen Familienkomödien bricht Mary Pickford in Sparrows. In den unerträglichen Zuständen eines Waisenhauses wächst sie über sich hinaus und wird sie zur Heldin einer Schar von minderjährigen Heimzöglingen. Kein Kinderfilm.
Eher schon die Slapstick-Komödien des Festivals: neben The General [OmU] der Keaton-Klassiker Battling Butler, Frank Tuttles Kid Boots mit dem Leinwand-Debüt des Bühnenkomikers Eddi Cantor, For Heaven´s Sake: Harold Lloyd in voller Aktion, um eine bedrohte Kirche zu retten und last but not least The Caveman – eine romantische Slapstick-Komödie über ein ziemlich unterschiedliches Paar.
Mehr als 20 internationale Solokünstlerinnen und -künstler werden die Vorstellungen des StummfilmLIVEFestival 2026 musikalisch begleiten – nicht zu vergessen die Mitglieder des Babylon-Orchesters. Ihnen allen sei herzlich gedankt.
Unserer besonderer Dank geht an Frederic Schladeur von Celluloid Heaven, der das StummfilmLIVEFestival bei der oft schwierigen Materialbeschaffung seit langem unterstützt und in diesem Jahr so viele exzellente digitale Kopien wie noch nie organisieren konnte, sei es aus Wien, San Francisco oder Tokyo, und sie auch noch mit Untertiteln versehen hat. DANKE!
- Festival Leitung: Timothy Grossman
- Kurator: Friedemann Beyer
- Orchester: Babylon Orchester Berlin
Zusätzliche Informationen
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