Direkt zum Inhalt

"Gardens of Empire" ist ein digitales Gespräch über das koloniale Erbe der (Natur-)Wissenschaften und seine allgegenwärtigen Erscheinungsformen in Museen, Archiven und Sammlungen. Die Konversation befasst sich mit Pflanzen, Herbarien, Gärten, Exemplaren, extraktiven Zonen und sozialen Ökologien und untersucht die Verflechtung von Wissensproduktion und dem materiellen Extraktivismus des Kolonialismus.


Vorträge und Gespräche von Ana María Gómez López, Macarena Gomez Barris und Minakshi Menon.

Als Orte der Wissensproduktion und -gewinnung haben koloniale Sammlungen (botanische, natürliche oder ethnografische) die Art und Weise des Zusammenlebens mit Menschen und Nicht-Menschen geprägt. Von zentraler Bedeutung sind dabei die klassifikatorischen und terminologischen Systeme, die durch den modernen/kolonialen Apparat der (Natur-)Wissenschaften entstanden sind und die weiterhin den Anspruch auf Universalität und Objektivität erheben. Sie spiegeln daher ein eurozentrisches "planetarisches Bewusstsein" (Mary Louise Pratt) wider, das nicht nur einer spezifischen regulativen Episteme dient, sondern auch die körperlichen und materiellen Ausbeutungsbedingungen des (neo-)kolonialen Extraktivismus im Anthropozän ermöglicht. Unterschwellig liegt ihnen die Vorstellung von "Natur" als losgelöstem und entsubjektiviertem Studienobjekt zugrunde, zu dem die Beziehungen gewaltsam vergeschlechtlicht und rassifiziert sind.

Vor diesem Hintergrund wird das Gespräch versuchsweise Gedanken darüber formulieren, wie diese Sammlungen (gegen) gelesen werden können? Und welche Möglichkeiten der Wiedergutmachung gibt es in Zeiten der ökologischen Krise?

Diese Podiumsdiskussion ist der erste Teil eines zweiteiligen Gesprächs. Am 21. März werden Malcolm Ferdinand und Jason Allen-Paisant das Gespräch zum Thema der (de)kolonialen Ökologie fortsetzen.

Diese Dialoge sind Teil der Reihe '99 Questions - Dialogues', einem Programm digitaler Gespräche, das internationale Redner und Denker zusammenbringt, um über zukünftige Museumspraktiken nachzudenken, indem sie die historischen Auswirkungen des Kolonialismus und seine anhaltenden Folgen diskutieren.

Beteiligte

Macarena Gómez-Barris arbeitet an den Schnittstellen zwischen visueller Kunst, Umwelt- und Medienwissenschaften sowie dekolonialer Theorie und Praxis. Zu ihren Büchern gehören “Where Memory Dwells: Culture and State Violence in Chile” (UC Press, 2009), “The Extractive Zone: Social Ecologies and Decolonial Perspectives” (Duke University Press 2017) und “Beyond the Pink Tide: Artistic and Political Undercurrents in the Américas” (UC Press, 2018).

Macarena Gómez-Barris ist Gründungsdirektorin des Global South Center am Pratt Institute. Für die Ausstellung zu ihrem demnächst bei Duke University Press erscheinenden Buch “At the Sea's Edge” wurde ihr kürzlich ein Andy Warhol Curatorial Research Grant 2022 verliehen.

Minakshi Menon ist Mitglied der Forschungsgruppe Krause am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, In der sie eine Arbeitsgruppe zum Thema “Hortus Indicus Malabaricus: the Eurasian Life of a Seventeenth-Century “European” Botanical Classic” leitet. Sie wurde vollständig in Indien ausgebildet, bevor sie an der University of California San Diego in Geschichte (Science Studies) promovierte.Menons Arbeitsgruppe untersucht die Pflanzenbeschreibungen und -abbildungen im 12-bändigen niederländischen Kräuterbuch “Hortus Indicus Malabaricus” (1678-1693), um die Praktiken der niederländischen Kolonisten, der Brahmanen- und Ezhava-Ärzte und anderer Gruppen in den Malayalam-sprachigen Teilen des frühmodernen Südwestindiens zu verstehen. Darüber hinaus untersucht das Projekt die Bemühungen indischer Botaniker und Historiker, das im “Hortus Malabaricus” enthaltene Wissen zu dekolonisieren; sowie die wachsende öffentliche Bewegung im indischen Bundesstaat Kerala, die das Wissen als kulturelles Eigentum der Ezhava-Gemeinschaft einfordert.Minakshi Menon arbeitet derzeit an einem Buch-Manuskript mit dem Titel “Empiricism's Empire: Natural Knowledge Making, State Making and Governance in East India Company India, 1784-1830”. Sie ist Herausgeberin einer Sonderausgabe der Zeitschrift “South Asian History and Culture” (2022) zum Thema "Indigenous Knowledges and Colonial Sciences in South Asia", “Indigenous Knowledges and Colonial Sciences in South Asia”.

Ana María Gómez López ist eine interdisziplinäre Künstlerin, Forscherin und Pädagogin. In ihren Projekten verwendet sie botanische Präparate, prothetische Implantate, linsenbasierte Medien und Tonaufnahmen, um die sich verschiebenden Grenzen zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umgebung zu erforschen, oft in Verbindung mit Archivrecherchen zur Geschichte der Biowissenschaften. Ihre Arbeiten wurden u. a. im deCordova Sculpture Park and Museum, im Fonds d'art contemporain Genève, im Universiteitsmuseum Utrecht, im Rijksmuseum Boerhaave und bei den Rencontres Internationales Paris/Berlin ausgestellt. Ana María war Teil der Themengruppe Mutations an der Akademie Schloss Solitude in den Jahren 2020-2021 und war Gastkünstlerin an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten, der Cité internatonale des arts und der Skowhegan School for Painting and Sculpture. Sie war Stipendiatin des International Institute for Social History, der Osler Library for the History of Medicine, der Beinecke Rare Books and Manuscripts Library und des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, wo sie Mitglied der Animal Mobilities Working Group (Abteilung III) ist. Derzeit ist sie Tutorin am Sandberg-Institut in Amsterdam und arbeitet an der spanischen Übersetzung von “The Colombia Reader: History, Culture, Politics” (Duke University Press, 2017), das sie gemeinsam mit Ann Farnsworth-Alvear und Marco Palacios herausgibt.

Moderation

Yolanda Rother ist Vorstandsmitglied und leitet die Europa-Aktivitäten der Stiftung Zukunft Berlin und ist Mitbegründerin von „The Impact Company“, einem Beratungsunternehmen für Diversity und Inklusion. Sie moderiert und referiert zu Themen rund um die digitale Gesellschaft, Politik, Diversity und Nachhaltigkeit. Die Berlinerin ist Absolventin (Master of Public Policy) der Hertie School of Governance und hat in Brasilien, Frankreich und den Vereinigten Staaten gelebt.

- digitales Format - YouTube-Link






Zusätzliche Informationen