Wer bin ich, wenn niemand hinsieht – und wer darf ich sein, wenn alle mich beobachten? Dorian Gray ist jung, schön und begehrt. Sein makelloses Äußeres öffnet Türen, verschafft Anerkennung und schützt ihn.
Alles, was dieses Bild stört – Schuld, Begehren, Alter – verschwindet. Es landet in einem Gemälde, das niemand zu sehen bekommt. Dort wird sichtbar, was Dorian nicht zeigen will: außen makellos, innen zerfallend. Oscar Wildes Roman spiegelt eine Gesellschaft, die nur das Schöne duldet. Abweichungen sind nur erlaubt, solange sie dekorativ getarnt und uneindeutig bleiben. Wer dazugehören will, lernt, sich anzupassen; wer anders begehrt, muss sich verstecken.
Dorians Geschichte ist kein fernes viktorianisches Märchen: Heute verschwinden Widersprüche in Zahlen, Profilen und Marktwerten. Wir glätten Biografien, filtern Emotionen – denn sichtbar sein heißt bewertet werden, unsichtbar sein heißt verschwinden. Wie lebt man mit dem Abstand zwischen eigener Sehnsucht und eigenem Bild?
Der norwegisch-finnische Regisseur Heiki Riipinen, ehemaliger Teilnehmer des Internationalen Regienachwuchsprogramms WORX am Berliner Ensemble, bringt Das Bildnis des Dorian Gray als modernes Mythenspiel auf die Bühne. Zwischen Begehren und Kontrolle, zwischen Selbstentwurf und Selbstverlust erkundet er mit seinem Team die zentrale Frage: Was kostet es, man selbst zu sein?
Zusätzliche Informationen
Teilnehmende Künstler:innen
von Oscar Wilde in einer Bearbeitung von Heiki Riipinen (Autor/in)
Max Gindorff (Dorian Gray)
Gabriel Schneider (Lord Henry)
Amal Keller (Sibyll Vane / James Vane / Hetty / Oscar Wilde)
Paul Zichner (Basil Hallward / Alan Campbell / Sir Geoffrey)
Heiki Riipinen
Ingrid Tønder
Louise-Fee Nitschke
Amund Ulvestad
Hans Fründt
Johannes Nölting