Mit der Sichtbarmachung dieser Oppositionsgeschichte setzen wir der verzerrten Geschichtsaufzeichnung und der Staatssicherheit eine andere Perspektive entgegen, zeigen wie Frauen sich mobilisierten, Dinge wagten und taten, und reflektieren damit die gegenwärtig von Frauen bestimmten Aufstände weltweit.
Aufgrund der politischen Relevanz und großen Nachfrage dieses Stücks finden im November erneut fünf Aufführungen am Ort der Repression, Revolution und nun Aufklärung – dem Campus für Demokratie – statt. Die Ideen, Gedanken und Konzepte, die die Frauen damals bewegten, sind heute noch aktuell: Frieden und Demokratie, atomares Aufrüsten, Umweltzerstörung, Zivilcourage, Solidarität und Gerechtigkeit.
Ein Theater jenseits des Theatergebäudes. Mit der Performance SEID DOCH LAUT besetzen wir den Ort, der 40 Jahre lang die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit war. Die Menschenfeindlichkeit, die mit diesem Ort verbunden ist, strahlen die Gebäude des Geländes immer noch aus. Mit der Rückkehr an diesen historischen Ort verweigern wir der Staatssicherheit das Wort und erzählen die Geschichte allein aus der Perspektive der Friedensfrauen. Die Performance findet im Haus 22 statt, dem Feldherrenhügel im Zentrum des Areals.
Fünf Performerinnen bearbeiten Elemente der Erinnerungsberichte der Friedensfrauen aus dem von Almut Ilsen und Ruth Leiserowitz herausgegebenem Buch „Seid doch laut! Die Frauen für den Frieden in OstBerlin!“ (Ch. Links Verlag, Berlin 2019) und verweben sie zu einer assoziativen emotionalen Erzählung, die die Grenzen zwischen persönlicher und historischer Realität, individueller und gesellschaftlicher Verantwortung erforscht.
„Gemeinsam machten wir uns auf die Reise in unsere Vergangenheit, hatten wir doch unsere ganz eigenen Erfahrungen gemacht als Kinder in diesem Land, etwa im gleichen Alter wie die Kinder der „Frauen für den Frieden.“ (Alexandra Finder)
Die Struktur der Performance ist inspiriert von bedeutenden Momenten im Wirken der Gruppe. Vorhandene Stühle und Tische sind einziges Mobiliar – ein Symbol
für die langen Gespräche, Diskussionen und Aktionsplanungen der Oppositionsgruppe und nicht zuletzt für die Runden Tische, an denen die „Frauen für den Frieden“ aktiv teilnahmen. Videoprojektionen und Sound kreieren eine Licht- und Bildlandschaft, die sich aus Archivmaterialien, Originaltonaufnahmen sowie assoziativen Bildern zusammensetzt und das Bühnengeschehen auf eine abstrahierende Ebene erweitert. Die Musik ist stark inspiriert durch die Geschichte dieses Ortes. Den Mittelpunkt bildet das live gespielte Schlagzeug und weitere Instrumente.
Der Höhepunkt der Performance ist angelehnt an die Politischen Nachtgebete der „Frauen für den Frieden" in der Kirche, bei denen Teilnehmer:innen öffentlich politische und gesellschaftliche Zustände kritisierten in diesem einzigen etwas geschützten öffentlichen Raum für regimekritische Äußerungen. Die Stasi-Zentrale ist ein emblematischer Ort für Berlin und die ganze DDR-Geschichte. In der Auseinandersetzung mit ihm als Instrument der Repression transformiert die Performance diesen Raum in einen Ort des demokratischen Austauschs.
„Während und nach der Aufführung steht für jede:n Zuschauer:in im Raum, wie viel Zivilcourage zeige ich, wie viel politische Partizipation?“ (Zuschauerin).
Den Friedensfrauen ging es um die Selbstbestimmung in privater und öffentlicher Sphäre. Dieser Begriff findet in der Bildung eines FLINTA* Kreativteams seine gegenwärtige Anerkennung. Wir fokussieren den Blick in der Kunst außerhalb patriarchaler Strukturen und nehmen so an dem internationalen Diskurs zu Gender und Selbstbestimmung teil.
Performerinnen - Alexandra Finder, Julia Glasewald, Claudia Graue, Agnes Mann, Ulrike
Panse
Wiederaufnahme gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, In Kooperation mit dem BArch und der Robert-Havemann-Gesellschaft.
Zusätzliche Informationen
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