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Die 2020 im Berliner Stadtteil Moabit errichtete Friedensstatue Ari erinnert an die sogenannten „Trostfrauen“, die während des Zweiten Weltkriegs im Asien-Pazifik-Raum vom japanischen Militär zur sexuellen Sklaverei gezwungen wurden. Zugleich steht das Denkmal für den Mut der Überlebenden, die ihr Schweigen brachen und ihre Erfahrungen öffentlich machten. Die Aufstellung der Statue führte zu Protesten seitens der japanischen Regierung und löste eine breite gesellschaftliche Debatte über die Erinnerung an das Schicksal dieser Frauen aus.


Für die Künstlerin Miji Ih wurde die Auseinandersetzung mit der Friedensstatue zum Ausgangspunkt einer intensiven Beschäftigung mit dieser Geschichte.

Daraus entwickelte sich ihre Arbeit „Mouths: On Water and Whisky“, in der sie die Erfahrungen der sogenannten „Trostfrauen“ mit den Lebensrealitäten von Frauen im Umfeld US-amerikanischer Militärstützpunkte in Japan, Südkorea und Deutschland verbindet.


Erinnerung, Ausbeutung und weibliche Lebensgeschichten


Vom 4. November 2026 bis zum 13. Januar 2027 zeigt Fotografiska Berlin die bislang umfassendste Einzelausstellung von Miji Ih. Im Zentrum stehen vieldeutige Szenen, deren Zusammenhänge sich erst nach und nach erschließen und zu einer vielschichtigen Erzählung zusammenfügen.


In ihrer fortlaufenden Trilogie „Mouth“ verknüpft die bildende Künstlerin Fotografie mit Archivmaterial, Klang und Video. Dabei richtet sie den Blick auf die tiefgreifenden Spuren, die staatliche und militärische Ausbeutungssysteme sowie gesellschaftliche Stigmatisierung im Leben von Frauen hinterlassen. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Erfahrungen von Flucht, Migration und dem Versuch, sich eine neue Existenz aufzubauen.


„Ich wollte einen Raum schaffen, in dem an gesellschaftliche Stigmatisierung und Ausgrenzung erinnert wird, an die Stille, die sich um sie herum gebildet hat, und an den anhaltenden Lebenswillen von Frauen trotz aller Widerstände. Indem ich mich den wiederkehrenden Realitäten im Leben von Frauen über verschiedene Zeiten und Orte hinweg zuwende, versuche ich, die gewöhnlichen Momente in dem zu entdecken, was zurückgelassen wurde.“ – Miji Ih


Zwischen historischen Traumata und gegenwärtigen Lebensrealitäten

Anstelle einer unmittelbaren Darstellung historischer Traumata untersucht Miji Ih die gesellschaftlichen und politischen Strukturen, die das Leben von Arbeitsmigrantinnen über Generationen hinweg prägen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den alltäglichen Herausforderungen und Überlebensstrategien von Frauen, deren Erfahrungen häufig außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung bleiben.


Einen wichtigen Ausgangspunkt bildet die Lebensgeschichte von Bae Bong-gi. Die Koreanerin wurde während des Zweiten Weltkriegs als sogenannte „Trostfrau“ sexuell versklavt und lebte nach Kriegsende jahrzehntelang weitgehend unbeachtet auf Okinawa. Sie gilt als die erste ehemalige „Trostfrau“, die öffentlich über ihre Erfahrungen während der japanischen Besatzungszeit berichtete.


Von ihrem Schicksal ausgehend führt die Ausstellung in gegenwärtige Landschaften rund um ehemalige US-Militärstützpunkte und Vergnügungsviertel. Dabei werden historische Erfahrungen mit den Lebensbedingungen von Frauen in der Gegenwart in Beziehung gesetzt.


Fotografie, Archivmaterial und audiovisuelle Erzählformen


Über die klassische fotografische Dokumentation hinaus entwickelt Miji Ih eine vielschichtige künstlerische Bildsprache. Ihre Fotografien verbindet sie mit historischen Dokumenten, Texten, Sound und Video zu einer raumgreifenden Erzählung.


Durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Medien werden nicht nur historische Spuren sichtbar. Vielmehr entstehen sinnlich erfahrbare Verbindungen zwischen den Lebensgeschichten von Frauen, deren Erfahrungen von Ausgrenzung, Abhängigkeit und gesellschaftlicher Marginalisierung sich über verschiedene Generationen und geografische Räume hinweg wiederholen.


Über die Künstlerin


Miji Ih wurde in Südkorea geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin. In ihrem künstlerischen Schaffen beschäftigt sie sich mit den Mechanismen kollektiver Erinnerung und der Frage, welche Erfahrungen in der gesellschaftlichen Geschichtsschreibung sichtbar werden und welche unbeachtet bleiben.


Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stehen insbesondere die häufig übersehenen Alltagserfahrungen von Frauen im Spannungsfeld von Migration, geschlechtsspezifischer Arbeit und patriarchaler Gewalt.


Einen entscheidenden Impuls für ihre künstlerische Entwicklung gab 2020 die öffentliche Debatte um die Berliner Friedensstatue Ari. Seither setzt sie sich verstärkt mit dem Zusammenwirken rassistischer und sexueller Diskriminierung, prekären Lebensverhältnissen und der strukturellen Marginalisierung weiblicher Perspektiven in der Geschichtsschreibung auseinander.


Ihre Werke wurden unter anderem in Einzelausstellungen in der Galerie im Tempelhof Museum in Berlin präsentiert.


Kuratorisches Team und Kooperationen


Die Ausstellung wurde von Marie-Luise Mayer, Exhibitions Manager bei Fotografiska Berlin, gemeinsam mit der Künstlerin kuratiert.


  • Die Produktion entstand in Partnerschaft mit IFA Berlin und Volkswagen R sowie in Kooperation mit dem Fotografie-Druck-Partner WhiteWall.

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Termine
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