Materialitäten der Fotografie
Die Ausstellung „Echt Foto! Fotografie zwischen Papier und Pixel“ im Museum für Fotografie macht diese Zusammenhänge sichtbar und erfahrbar. Historische Werke aus dem 19. bis 21. Jahrhundert aus der Kunstbibliothek und weiteren Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin treten dabei in einen Dialog mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen.
Im Mittelpunkt stehen die vielfältigen Erscheinungsformen der Fotografie zwischen analogem Objekt und digitalem Bild. Zugleich wirft die Ausstellung Fragen nach Authentizität, Originalität und Beständigkeit auf, die angesichts KI-generierter Bilder zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Fotografie zwischen analoger Tradition und digitaler Gegenwart
Ob auf Glas oder Papier, in einem Album, auf einem Bildschirm oder im öffentlichen Raum – die Art der Präsentation beeinflusst maßgeblich, wie Fotografien wahrgenommen und interpretiert werden. Neben dem abgebildeten Motiv bestimmen auch Material, Bildträger und Kontext ihre Wirkung.
Diesen Zusammenhängen widmet sich die Ausstellung anhand einer Vielzahl historischer und zeitgenössischer Werke. Der Bogen reicht von den Anfängen der Fotografie und dem Versuch, die flüchtigen Bilder der Camera obscura dauerhaft festzuhalten, bis zu vollständig durch künstliche Intelligenz erzeugten Bildwelten.
Für die Präsentation wurde die fotografische Sammlung der Kunstbibliothek neu erschlossen. Zu sehen sind auch selten ausgestellte Objekte, die aufgrund ihrer konservatorischen Anforderungen normalerweise nicht öffentlich präsentiert werden.
Verfahren und Materialien – Die handwerkliche Geschichte der Fotografie
Einen zentralen Schwerpunkt bilden die unterschiedlichen Materialien und Herstellungstechniken der Fotografie. Von frühen Bildträgern aus Kupfer bis zu Fotografien auf Seidentüchern verdeutlichen zahlreiche Exponate die Entwicklung des Mediums und seine vielfältigen ästhetischen Ausdrucksmöglichkeiten.
Auch historische analoge Verfahren, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind und von zeitgenössischen Künstler*innen wiederentdeckt werden, finden besondere Berücksichtigung.
Mit ihrer Sammlung Fotografie bewahrt die Kunstbibliothek nicht nur historische Aufnahmen, sondern auch das Wissen um deren Herstellung und materielle Beschaffenheit. Im Museum für Fotografie werden diese Zeugnisse zugänglich gemacht und ihre Bedeutung für das Verständnis fotografischer Geschichte vermittelt.
Materialität und Experiment – Fotografie als künstlerisches Objekt
Knicke, Risse, Verfärbungen und andere Alterungsspuren machen deutlich, dass Fotografien nicht nur Bilder, sondern auch vergängliche materielle Objekte sind.
Zahlreiche zeitgenössische Künstler*innen greifen diese Eigenschaften bewusst auf und nutzen sie als gestalterisches Mittel. Durch Experimente mit Fotopapier, chemischen Prozessen, Überlagerungen und unterschiedlichen Materialschichten entstehen Arbeiten, bei denen die physische Beschaffenheit und der Herstellungsprozess selbst in den Vordergrund treten.
So eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf die Fotografie als eigenständiges künstlerisches Objekt.
Kontext, Wirkung und Authentizität – Was macht ein Bild glaubwürdig?
Fotografien begegnen uns in zahlreichen Formen und Zusammenhängen: als Erinnerungsstücke in privaten Alben, als Abbildungen in Büchern und Magazinen, in Archiven, sozialen Medien oder auf Plakaten.
Wie stark ihre Bedeutung vom jeweiligen Kontext abhängt, verdeutlichen unterschiedliche Beispiele. Während eine Fotografie als Schmuckstück persönliche Zuneigung ausdrücken kann, bewahrt ein Reisealbum Erinnerungen an vergangene Erlebnisse. Fanpostkarten wiederum spiegeln Identifikation und Starkult wider.
Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der KI-gestützten Bilderzeugung untersucht die Ausstellung, welche Rolle fotografische Originale für die Beurteilung von Herkunft, Echtheit und Glaubwürdigkeit spielen.
Die historischen Bestände der Kunstbibliothek bilden dabei den Ausgangspunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit der digitalen Gegenwart. Die Beschäftigung mit analogen Fotografien erweist sich somit nicht allein als Rückblick auf vergangene Techniken, sondern als wichtiger Beitrag zum Verständnis heutiger Bildwelten.
Historische Bestände und zeitgenössische Positionen
Die Ausstellung vereint Werke aus der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek mit zahlreichen zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten.
Leihgaben stammen von Michael Ackerman, Maren Burghard, Sofia Crespo, Marta Djourina, Rodrigo Alcocer de Garay, Claus Goedicke, Atsushi Kakefuda, Katrin Kamrau, Emi Kusano, Bärbel Möllmann, Marie Rief, Eva Stenram, Sarah Straßmann und Maximilian Zeitler.
Ergänzt wird die Präsentation durch Werke aus der Sammlung von Hans Christian Adam, Daniel T. Braun, Marco Breuer, Amin El Dib, Dörte Eißfeldt, Claudia Fährenkemper, Valerius Geng, Dokyun Kim, Jürgen Klauke, Stefan Koppelkamm, Martin Mago, Ann Mandelbaum, Susanne M.-Tane, Eva-Maria Schön und Stefanie Seufert.
Begleitprogramm – Fotografie entdecken und verstehen
Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Gesprächen, Führungen und Workshops für unterschiedliche Altersgruppen ergänzt die Ausstellung.
Einmal monatlich präsentieren die Kurator*innen ausgewählte Objekte aus der Sammlung Fotografie. Dabei werden historische Alben aufgeschlagen, fotografische Betrachtungsapparate vorgeführt und besondere Einblicke in die materiellen Eigenschaften der Exponate ermöglicht.
In Kooperation mit analogNOW bietet zudem eine Workshop-Reihe Gelegenheit, verschiedene fotografische Arbeitstechniken kennenzulernen.
Kuratorisches Team und Publikation
Die Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin wird von Katja Böhlau, Ludger Derenthal und Ute Famulla kuratiert.
Begleitend erscheint im Deutschen Kunstverlag eine Publikation mit Beiträgen von Katja Böhlau, Ludger Derenthal, Ute Famulla, Anika Meier, Moritz Wullen und Miriam Zlobinski.



