Dann ist da Tilde, die wieder und wieder ein Reh überfährt, nämlich „das Wiederreh“... Während sich in Höchstgeschwindigkeit die Welt und mit ihr die Menschen verändern, eine allgemeine Verwilderung eintritt. Großkatzen durchstreifen Deutschland. Hinter den (Rück)Spiegeln kollidieren in Georg Leß‘ Gedicht Alltagsrituale und -mystik mit knochenharten Naturphänomenen.
Als sich verändernd kommt die Welt auch bei Birgit Kreipe entgegen. Wir folgen auch hier einer hellwach träumenden, leicht darüber verwildernden Fahrerin auf langen Strecken durch ein vulkanisches Hochland voller erstarrter Eruptionen, Abbrüche und Neuanfänge aus vorgeschichtlicher Zeit, die langsam zerbröselnd in ihre Gegenwart hineinstehn. Derweil sich hinter der Stirn akute Verwerfungen türmen, politische, private – trenne das, ökologisch, wer kann –, und explosive Schatten auf eine meditative Steinwelt werfen. „imago“ erscheint 2026 bei kookbooks.
Daniela Seel schaut in ihren neuen Gedichten auf Flechten und andere Überlebenskünstler.innen unter widrigen Bedingungen. Sie lotet eine Sprache der Legenden aus, um über Änderungen in unseren Lebensgrundlagen aus. Wie sind Menschen vor tausenden Jahren mit Naturkatastrophen und radikalen Einschnitten in ihre Lebensweise umgegangen, wie haben sie ihr Wissen überliefert? Und was können wir aus ihrer Art des Erzählens für unseren eigenen Umgang mit den aktuellen und noch bevorstehenden Umwälzungen durch die Klimakrise lernen?
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