Ausstellung mit Laura Campaz und Julieth Morales
Morales zeigt die Vierkanal-Videoarbeit „Resistencia II“ sowie die Weberei „Zona Campana“ aus der Serie „Recuperar la memoria para recuperarlo todo“.
Am Samstag, 31. Oktober 2026, um 18 Uhr sprechen sie im Rahmen von Embodied Practices gemeinsam mit der Kuratorin Jenny M. Díaz Muñoz und der Künstlerin und Performerin Maque Pereyra über ihre künstlerischen und kuratorischen Praxen. Vor dem Talk findet die Embodied Practice Yoggaton: Transformative Pleasure von Maque Pereyra statt.
Laura Campaz„En la oscuridad, el negro se hace poder“
Aus einer afrokolumbianischen Perspektive erforscht Laura Campaz afrodiasporische Erinnerungen und Kulturen. Ausgehend von Édouard Glissants Begriff der Opazität untersucht Campaz Dunkelheit als einen Raum der Zuflucht und des Widerstands. In der Dunkelheit zerfällt das Sichtbare, Konturen lösen sich auf und die Kraft von Schwarz tritt hervor. Campaz erkundet in ihrer Arbeit die Spannung zwischen dem Verborgenen und dem Sichtbaren, zwischen einer Opazität, die bewahrt, und einer Transparenz, die offenlegt.
Opazität will weder verstanden noch übersetzt werden. Sie fordert Respekt für das, was sich nicht vollständig zeigt. Für queere Identitäten ist Opazität lebenswichtig. Sie schützt eigene Räume und widersetzt sich Festschreibungen und normativen Erwartungen. Als politische und poetische Geste bekräftigt sie das Recht, zu existieren, ohne vollständig entschlüsselt zu werden.
Die Transparenz der Stoffe, die in den Fotografien und Collagen verwendet werden, erzeugt poetische Schichten, die miteinander in Beziehung treten. Diese Schichtung sucht nach Tiefe. Sie fordert den Blick auf, sich zu bewegen, zu rekonstruieren und die Unmöglichkeit einer allumfassenden Sicht anzuerkennen. Transparenz vervielfacht die Möglichkeiten und lässt erahnen, dass sich Identität, ebenso wie das Bild, nicht in einer einzigen Schicht erschöpft.
Campaz hinterfragt die negativen Bedeutungen, die Schwarz und Dunkelheit historisch zugeschrieben wurden, und deutet sie neu als Symbole von Stärke, Tiefe und Widerstand. Durch diesen Akt der Umdeutung wird Schwarz zur Bejahung, zu einem Raum, in dem das bisher Missverstandene seinen Platz als eine neue Form von Licht finden kann – als schwarzes Licht.
Julieth Morales„Resistencia II
“„Zona Campana“
In Julieth Morales’ künstlerischer Praxis sind Zurückweisung, Schmerz und Affekte als Erinnerungen gegenwärtig. Sie prägen ihre Rückkehr zu den Wurzeln ihrer Identität als indigene Frau der Misak. Performance wird dabei zu einem Mittel, die Verbindung zum Territorium und zum überlieferten Denksystem ihrer Gemeinschaft wiederherzustellen.
Die Nähe zu ihrer Mutter, ihren Tanten und ihrer Großmutter sowie der Austausch mit ihnen am Feuer haben ihr gezeigt, wie notwendig es ist, bestimmte Traditionen und rituelle Praktiken zu verändern, um die Unterdrückung zu überwinden, die seit Generationen auf den Frauen ihrer Familie lastet. Durch den Akt des Auftrennens löst Morales die Knoten dieses Erbes und schafft ein neues Gewebe, aus dem andere Formen des Daseins hervorgehen können.
Was bedeutet es, eine Frau der Misak zu sein? Wie lässt sich die Dualität, die sie in sich trägt, in Einklang bringen? Beide Fragen ziehen sich durch ihre Arbeit. Ihr Körper, verstanden ausgehend von Mørøp, aship, isup, marøp („zuhören, sehen, denken, tun“), steht in Beziehung zu seiner Umgebung. Rituelle Rhythmen durchziehen diese Verbindung und verleihen dem Dasein Sinn.
Das körperliche Wissen und Können nimmt in textilen Arbeiten, Videos, Fotografien, Siebdrucken und Installationen Gestalt an, die in Zusammenarbeit mit anderen Frauen, Wissensträgerinnen und Ahnengeistern entstehen. Ihre Beziehung zum Land ist historisch geprägt und trägt das Erbe der Kämpfe um die Rückgewinnung des Territoriums, die ihre Vorfahrinnen angeführt haben. Die Welt zu bewohnen und darin ihren Platz zu finden, bedeutet für sie, immer wieder zu denselben Fragen und Materialitäten zurückzukehren, die zugleich als Archiv und als Mittel der Erkundung dienen.



