Mensch
Mit den gezeichneten, gedruckten und gemalten Figuren stellt Cranach religiöse, mythologische und höfische Erzählungen vor. Trotz der thematischen Vielfalt zeugen sie von einer charakteristischen Körperauffassung, die zu einem Markenzeichen des Künstlers und seiner Werkstatt wurde. Insbesondere die Produktion von Frauenbildnissen on-demand wirft heute Fragen nach Individualität und Geschlechterrollen auf. Die Darstellungen von Protagonisten der Reformation und Entscheidungsträgern in Sachsen, allen voran Martin Luther und die sächsischen Kurfürsten, haben bis heute unser Bild jener Epoche geprägt. Die Revolution der Reformation ist bis in die Gegenwart visuell stark mit den Physiognomien jener Männer verbunden. Kaum ein Künstler wurde politisch so vereinnahmt wie Cranach. Seine Werke bedienen daher ein bestimmtes gesellschaftliches Menschenbild.
Künstler
Lucas Cranach unterhielt in Wittenberg eine große Werkstatt und beschäftigte zahlreiche Mitarbeiter*innen, darunter auch seine Söhne, von denen Lucas Cranach d. J. später die Leitung übernahm. Damit prägte der Name Cranach unabhängig von einer einzelnen Person die sächsische Kunstproduktion des 16. Jahrhunderts. Kaum ein Künstler kann einen solchen Einfluss auf sich zurückführen. Die Frage nach einer künstlerisch-individuellen Handschrift prägt seit Beginn der Kunstgeschichtsschreibung die Auseinandersetzung mit Cranach. In der Ausstellung wird nach der Bedeutung von Authentizität und Werkstattpraxis im 16. Jahrhundert gefragt.
Gesellschaft
Im Werk Cranachs steht das Menschsein im gesellschaftlichen Kontext im Vordergrund. Im Rahmen einer überaus regen Publikationstätigkeit in den wichtigen Universitäts- und Buchzentren Wittenberg, Halle und Leipzig dienten Cranachs Bildschöpfungen auch der Verbreitung politischer und theologischer Inhalte. Vor dem Hintergrund der kirchlichen Revolution wurden Bilder besonders stark politisiert und instrumentalisiert. Die Ausstellung zeigt in diesem Zusammenhang Werke, die im Kontext staatlicher oder kirchlicher Einflussnahme entstanden sind. Solche Darstellungen, vor allem in der Druckgraphik, bilden zum Teil Themen ab, die aus heutiger Perspektive kritisch zu hinterfragen sind. Dazu zählen unter dem Gesichtspunkt von Medienmacht und Bildpolitik auch die Verbreitung von Desinformationen und Stereotypen.
Kooperation und Forschungsprojekt
Das Berliner Kupferstichkabinett bewahrt eine der größten Sammlungen des Werks von Lucas Cranach, seinen Söhnen und der Werkstatt. Als Teil eines internationalen Forschungsprojekts (2023–2027) wurden Cranachs Zeichnungen, druckgraphische Blätter und Bücher in den vergangenen Jahren intensiv untersucht.
Im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Teil der Kooperation war, findet parallel eine Ausstellung statt, die in enger Abstimmung konzipiert wurde.
Die Berliner Sonderausstellung zeigt Meisterwerke aus dem eigenen Bestand ergänzt durch internationale Leihgaben.
Kuratorin
Die Ausstellung wird kuratiert von Mailena Mallach, Kuratorin am Kupferstichkabinett für die Deutsche Kunst vor 1800, unterstützt durch Rahel Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Cranach-Projekt (2025–2027) in Berlin und Dresden.
- Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin





