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Maler des Lebendigen

Zum 300. Geburtstag von Thomas Gainsborough (1727–1788) zeigt die Gemäldegalerie eine hochkarätige Sonderausstellung, basierend auf Berlins einzigartiger Sammlung britischer Malerei und herausragenden internationalen Leihgaben.

Mit rund 50 Werken ist die Schau der zentrale Beitrag zum Gainsborough-Jubiläumsjahr auf dem europäischen Festland.

Neben den Werken Gainsboroughs und einigen seiner britischen Zeitgenossen werden auch Arbeiten seiner Vorgänger, darunter Rubens, van Dyck und Watteau, zu sehen sein.

Im Fokus der Ausstellung steht die poetische Verbindung von Porträt und Natur, ein Markenzeichen des Künstlers.

Mit seinem lebhaften Pinselstrich schuf Gainsborough Bildwelten voller Leichtigkeit und Ausdruckskraft, die die Pleinair-Malerei des Impressionismus vorwegzunehmen scheinen. Unter dem Leitmotiv des „Spaziergangs“ lädt die Ausstellung zur Begegnung mit dem Maler und seinen Modellen ein.

Gainsborough in Berlin

Warum Berlin? Die Berliner Gemäldegalerie besitzt fünf bedeutende Einzel- und Gruppenbildnisse Gainsboroughs, darunter das frühe Porträt seiner Ehefrau Margaret (um 1759), das lebensgroße Bildnis des Stahlfabrikanten John Wilkinson (um 1775) und das monumentale Gruppenbildnis der Marsham-Kinder (1787). Letzteres gehört zu den freiesten Bildschöpfungen des Spätwerks.

Die Liebe zu Gainsborough und seinen britischen Zeitgenossen geht auf ein kulturelles Ereignis in der preußischen Geschichte zurück:

1908 fand in der Berliner Akademie eine mehr als einhundert Werke umfassende Leihausstellung englischer Gemälde statt, die überwiegend aus britischem Privatbesitz stammten. Die Ausstellung war das Ergebnis kulturdiplomatischer Bemühungen, die belasteten Beziehungen zwischen den dynastisch eng verbundenen Königshäusern Großbritanniens und Preußens zu verbessern. Gezeigt wurden zahlreiche spektakuläre Werke der auf dem europäischen Festland wenig bekannten britischen Schule.

Der große Publikumserfolg der Ausstellung führte unter Wilhelm von Bode und seinen Nachfolgern zum Aufbau einer hochkarätigen Sammlung britischer Malerei des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die bis heute einzigartig in Deutschland ist. Dazu gehören neben den Werken Gainsboroughs bedeutende Arbeiten von Joshua Reynolds, Johan Zoffany oder Richard Wilson, von denen einige ebenfalls in der Sonderausstellung zu sehen sein werden.

Ein Spaziergang im Grünen

Aufgrund seines freien Stils ist Thomas Gainsborough heute der wohl populärste englische Maler seiner Zeit. Er verwandelte die statuarisch vor wuchtigen Säulen und schweren Samtvorhängen platzierten Würdenträger:innen des barocken Standesporträts in lässig-elegante Spaziergänger:innen im Freien. Gainsborough orientierte sich dabei nicht zuletzt an dem großen Vorbild Anton van Dycks und initiierte so einen neuen Look der Porträtmalerei, die als beliebteste Bildgattung des 18. Jahrhunderts gelten kann.

Seine Flaneur:innen sind in Bewegung, halten inne, begegnen den Betrachtenden auf Augenhöhe. Sie strahlen eine natürliche Unmittelbarkeit und Präsenz aus. Gainsborough verstand seine Modelle nicht allein als gesellschaftliche Repräsentant:innen, sondern als Individuen innerhalb eines größeren Naturzusammenhangs. Damit berührte er grundlegende Fragestellungen der Aufklärung und entwickelte eine Bildsprache, deren Modernität bis heute nachwirkt.

Tradition und neuer Blick

Gainsboroughs Darstellungen von Bäumen und sanft geschwungenen Waldwegen sind kein Nebenprodukt seines künstlerischen Schaffens. Er war der erste Maler seiner Zeit, der die englische Landschaft zum eigenständigen Bildsujet erhob und stand damit am Beginn einer tiefgehenden Beschäftigung nachfolgender britischer Künstlergenerationen mit der Gattung der Landschaftsmalerei.

Sein intensives Naturstudium ist durch zahllose Zeichenstudien überliefert, die bei Exkursionen in seiner südenglischen Heimat entstanden. Wie bei seinen Porträts griff Gainsborough auch in den Landschaftsbildern malerische Einflüsse auf, die dank der herausragenden Sammlung der Gemäldegalerie durch sinnfällige Gegenüberstellungen mit Werken von Jacob van Ruisdael, Peter Paul Rubens oder Gaspard Dughet illustriert werden können.

Der freie Strich

Mit seinem freien, fast ungestümen Pinselstrich verwandelt Gainsborough die Leinwand in einen flirrenden Kosmos aus Farben, Licht und Luft, der bereits auf die Pleinair-Malerei des Impressionismus vorausweist. Anhand von Zeichenstudien aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin wird es möglich, den Künstler auch als virtuosen Zeichner von Landschafts- und Figurenstudien zu entdecken und ihm bei seinem Schaffensprozess über die Schulter zu schauen.

Audioguide

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Geschichten hinter den Bildern. In einem eigens entwickelten Audioguide kommen die dargestellten Personen selbst zu Wort: Sie berichten von ihrem Alltag, ihren Hoffnungen und ihrem Leben im kolonialen Großbritannien an der Schwelle zur Industrialisierung. So entsteht ein lebendiges Bild einer Epoche, in der sich Kunst, Gesellschaft und das Verhältnis zur Natur grundlegend wandelten. Ein Soundtrack begleitet den Rundgang und lädt zum entspannten Flanieren durch die Ausstellung ein.

Katalog zur Ausstellung

Ausstellungsbegleitend erscheint ein reich bebilderter Katalog mit vertiefenden Essays.

Vermittlungsprogramm

Die Ausstellung eröffnet am 14. Mai 2027 – genau 300 Jahre nach Gainsboroughs Taufe – mit anschließendem Festwochenende.

Führungen, Workshops für Erwachsene und Kinder, Ferienprogramme und Vorträge bieten darüber hinaus die Möglichkeit, den Künstler und seine Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.

Kuratorin

Die Ausstellung wird kuratiert von Sarah Salomon, Kuratorin für europäische Malerei des 18. Jahrhundert und deutsche Malerei des 17. Jahrhunderts.

  • Eine Sonderausstellung der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin
Zusätzliche Informationen

Öffnungszeiten

  • Montag,geschlossen
  • Dienstag, 10 bis 18 Uhr
  • Mittwoch, 10 bis 18 Uhr
  • Donnerstag, 10 bis 18 Uhr
  • Freitag, 10 bis 18 Uhr
  • Samstag, 10 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Pfingstmontag, 17. Mai 2027

Alle Häuser sind geöffnet wie an einem Sonntag.

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