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Die US-amerikanische Autorin und Kritikerin Susan Sontag (1933-2004) war eine „public intellectual“: eine Persönlichkeit, die mit ihren Texten und mit ihrem unangepassten Auftreten kontroverse Diskussionen auslöste und sich ihnen stellte.

Ihr dissidentes Leben verlief wie in einem Zeitraffer. In den frühen 1950er Jahren wurde sie zu einer der jüngsten Unidozentinnen der USA, zog sich nach früher Heirat und Mutterschaft nicht – wie damals üblich – aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, sondern engagierte sich politisch, führte bisexuelle Beziehungen, ließ sich scheiden, arbeitete als alleinerziehende Mutter freischaffend. Ihre intellektuelle Arbeit, ihre unbändige Lust am Denken, waren immer originell. Früh beschäftigte sie sich mit Fotografie und Film, analysierte damals noch nicht etablierte künstlerische Genres wie Happenings, Science-Fiction, Undergroundfilm und Pornografie.

In ihren „Notes on Camp“ (1964) beschrieb sie queere Techniken der Aneignung des kulturellen Mainstreams. Hellsichtig erkannte sie den bestimmenden Einfluss der Fotografie in der medial geprägten Gesellschaft. Als leidenschaftliche Cineastin, die auch selbst Filme drehte, sah Sontag im Film die „lebendigste, erregendste und bedeutendste aller Kunstgattungen“.

Auf Fotografien und in Beschreibungen wirkt Susan Sontag selbst wie ein Filmstar. In vielen lesbisch-feministischen WGs hingen ikonische Aufnahmen von ihr an Wänden. Susan Sontag war ein flamboyantes, freigeistiges, manchmal schwieriges und widersprüchliches Vorbild. Sie lebte ein für vorherige Generationen unvorstellbar autonomes Leben.

Mit Identitätszuschreibungen haderte Susan Sontag zeitlebens. Sie kam früh in Kontakt mit der queeren Szene, outete sich jedoch nie. Als sie Ende der 1980er Jahre Zeugin der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Aids-kranken Menschen – auch in ihrem Freundeskreis – wurde, schrieb sie mit „AIDS and its Metaphors“ (1989) einen wichtigen Text zu Fragen von Stigmatisierung, Eigenverantwortung, Aktivismus und Solidarität. Ihr Bezug war aber weniger ihre eigene Queerness, als vielmehr ihre Erfahrungen mit einer Krebserkrankung.

  • Was bedeutet Susan Sontag heute?
  • Welche Relevanz hat sie in der queeren Kulturgeschichte?
  • Wie erinnert man sich heute an ihre vielen Auftritte in Berlin, das sie oft und über längere Zeiträume besuchte?

Das Schwule Museum übernimmt die erfolgreiche Ausstellung „Susan Sontag: Sehen und gesehen werden“ aus der Bundeskunsthalle Bonn (2025) und erweitert sie.

Ein neuer Teil wird sich auf Spurensuche von Susan Sontag in Berlin begeben – mit Erinnerungen von Zeitgenoss:innen wie Ulrike Ottinger, Gesine Strempel, Erika & Ulrich Gregor und Carolin Emcke.

weiterer Teil widmet sich dem Einfluss des Sontagschen Denkens in der queeren Kultur. Zentral in „Susan Sontag – Sehen und gesehen werden“ sind Überlegungen zu Sichtbarkeit, Selbstinszenierung und Repräsentation. Sie belegen die große Sensibilität für alle Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung, über die Susan Sontag als queere jüdische Frau verfügte.

„Das Werk von Susan Sontag lässt sich lesen, ohne Queerness als Hintergrund zu denken. Aber es macht viel mehr Sinn, es mit Queerness im Hintergrund zu denken. Und wenn man schaut, wie stark Susan Sontags Werk und auch die Tagebücher immer wieder ansetzen, das Vokabular zu erweitern, genauere Begriffe zu finden, mit Worten sich die Welt zu erschließen – dann sieht man natürlich jemanden, die nach einer Artikulation sucht für das, das tabuisiert oder beschwiegen wurde.“ (Carolin Emcke)

Kuration: Dr. Kristina Jaspers und Dr. Birgit Bosold

Mit künstlerischen Arbeiten von: Susan Sontag, Jack Smith, Annie Leibovitz, Peter Hujar, August Sander, Ingmar Bergman, The Supremes u.a.

Neue Videointerviews mit Ulrike Ottinger, Erika und Ulrich Gregor, Gesine Strempel, Carolin Emcke, Joachim Sartorius, Kenny Fries und Joan Nestle

Die Ausstellung ist eine Übernahme und Erweiterung der gleichnamigen Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn (14.3.-28.9.2025).

Gefördert von Hauptstadtkulturfonds, Senat für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Zusätzliche Informationen

Öffnungszeiten

Ausstellungsbereich

Reguläre Öffnungszeiten:

  • Montag, Mittwoch, Freitag: 12–18 Uhr
  • Donnerstag: 12–20 Uhr
  • Samstag: 14–19 Uhr
  • Sonntag: 14–18 Uhr
  • Dienstag: Ruhetag

Feiertage: von 14 bis 18 Uhr geöffnet (Internationaler Frauentag, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit)

am 1.1., 24.12., 25.12., und 31.12., sowie an Dienstagen geschlossen

Informationen zur Barrierefreiheit

Barrierefreiheit im Museum

Das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Barrierefreie Parkmöglichkeiten stehen in der unmittelbaren Umgebung derzeit nicht zur Verfügung. In der Nähe befinden sich lediglich wenige kostenpflichtige Parkplätze.

Der Haupteingang des Museums ist aktuell nur über eine Treppe mit drei Stufen zugänglich. Ein stufenfreier Zugang ist über den Innenhof möglich. Die Klingel befindet sich neben dem Hoftor. Der Weg durch den Hof ist gepflastert und weist eine leichte Steigung von unter 5 % auf. Der barrierefreie Eingang befindet sich an der ersten Tür auf der rechten Seite und führt über das Café in das Museum.

Rollstühle und Gehhilfen können in einem bewachten Bereich abgestellt werden.

Alle Ausstellungsbereiche, das Café, die Büroräume sowie die Bibliothek sind ebenerdig oder über Rampen und Aufzüge erreichbar.

Im Museum stehen zwei rollstuhlgerechte Toiletten mit hochklappbaren Haltegriffen zur Verfügung. Die Bewegungsfläche vor den WCs beträgt jeweils 130 × 150 cm. In der Toilette im Foyer befindet sich rechts neben dem WC eine Bewegungsfläche von 70 × 90 cm, in der Toilette zwischen Raum 3 und Raum 4 links neben dem WC ebenfalls 70 × 90 cm.

Die Exponate und Informationen sind überwiegend auch aus sitzender Position gut wahrnehmbar.

Sämtliche Türen und Durchgänge im Museum sind mindestens 90 cm breit.

Der Zugang zur Bibliothek erfolgt ebenfalls über den Innenhof. Dort ist ein zweites Klingeln bei „Museum Verwaltung“ erforderlich. Anschließend führt ein Aufzug in das erste Obergeschoss. Die Aufzugstür ist 90 cm breit, die Kabine misst 110 × 140 cm. Die Bewegungsfläche vor dem Aufzug beträgt 150 × 130 cm.

Weitere Informationen

Den Besucher:innen steht eine Garderobe mit Schließfächern zur Verfügung.

Assistenzhunde sind in allen Bereichen des Museums willkommen.

Der Eingangsbereich ist visuell kontrastreich gestaltet.

Die Toiletten sind als All-Gender-Einzelkabinen konzipiert und können entsprechend ihrer Funktion genutzt werden.

Die Exponate sind durchgehend gut ausgeleuchtet.

Informationen zu den Ausstellungsstücken werden schriftlich in deutscher und englischer Sprache bereitgestellt und sind überwiegend visuell kontrastreich gestaltet.

Kommunikation

Informationen zu den Ausstellungen sind als Videos in Deutscher Gebärdensprache (DGS) verfügbar.

Für Gruppen können Führungen in DGS gebucht werden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Führungen durch alle Ausstellungen in deutscher Lautsprache mit Verdolmetschung in DGS zu buchen; hierfür entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Akustische Informationen sind in den meisten Fällen zusätzlich in schriftlicher Form zugänglich.

Informationen in Braille- oder Prismenschrift werden derzeit nicht angeboten.

Für ausgewählte Ausstellungen stehen Audioguides sowie Informationen in Einfacher Sprache zur Verfügung.

Auf Anfrage stellt das Museum bei Führungen und Veranstaltungen Phonak-Geräte zur Hörunterstützung bereit. Die Hörunterstützung kann sowohl mit Kopfhörern als auch über die T-Spule eines Hörgeräts genutzt werden.

Das Museum ist bestrebt, bestehende Barrieren transparent zu machen und diese kontinuierlich abzubauen. Hinweise, Anregungen oder Fragen zur Barrierefreiheit sind jederzeit willkommen und können per E-Mail an kontakt@schwulesmuseum.de oder telefonisch unter 030 69 59 92 62 mitgeteilt werden.

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