Einzelausstellung
Seine Bilder kommen auf den ersten Blick verspielt, kindlich, spaßig daher und entpuppen sich auf den zweiten als ein ziemlich komplexes Spiel mit Realitäts- und Illusionsebenen.
Blumen- und Obststillleben aus der klassischen Kunstgeschichte treffen auf scheinbar naive Ausdrucksformen. Vergnügen bereitet nicht nur dieser zivile Ungehorsam, High und Low zu kombinieren. Der Fun Factor findet als regelrechtes Verwirrspiel auch im Kopf statt.
Blumen in Vasen und Obst in Schalen auf Tischen – das ist das wirklich superklassische Stillleben, wie man es seit Jahrhunderten aus der Kunstgeschichte kennt. Es lebt fort in den zahllosen Dekotipps und Einrichtungsideen. Und dann gibt es da noch den Tisch mit den Stühlen, auch so ein Thema, was fast so alt wie die Menschheit ist. Wir fluten die diversen Netze mit Rezepten, Social Cooking Events und endlosen Kochshows. Wir beschwören Gemeinschaft, Geselligkeit, Gemütlichkeit. Essen scheint wirklich wichtig zu sein.
Die Schönheit der Stillleben und der gedeckte Tisch treffen in den Bildern des Berliner Künstlers Björn Heyn auf eine unverstellte Liebe zu Farben und Mustern, Flächen und Formen, in denen er die Ordnung der Dinge auf eine unmittelbare Weise neu formuliert.
Wie Kinder setzt er die räumlichen Gegenstände vor-, neben- und übereinander, ohne dabei auf die dreidimensionale Raumordnung Rücksicht zu nehmen.
Tische und Stühle sind, wie in „wir nehmen gerne noch ein paar Oliven“, streng von der Seite oder bestenfalls, wie der Tisch in „manchmal male ich einfach Blumen 5“ oder der blaue Stuhl in „kann ich den, bitte? “, mit sich in die Tiefe verjüngenden, perspektivischen Fluchtlinien oder schräg von oben wiedergegeben, aber eben nicht perspektivisch korrekt, sondern etwas ungelenk in die Fläche geschachtelt. Dem runden Tisch in „weniger ist mehr“ verpasst er in der Manier von Kinderzeichnungen vier eigentümlich nebeneinander stehende Beine.
Oft setzt Heyn Bilder in seine Bilder, die als weitere Bildebene deutlich unterscheidbar sind, wie etwa der blaue Tisch mit Stühlen auf rotem Grund im oberen rechten Viertel von „wir nehmen gerne noch ein paar Oliven“ oder das rosa-rote Blumenbild mit blauen Blüten in „manchmal male ich einfach Blumen 5“. Die Blumenstiele allerdings wachsen hier aus dem vor dem Bild stehenden Tisch empor und die Blüten über die Bildfläche hinaus, wo ihre Ränder auf der nackten, nur durchsichtig grundierten Leinwand mit Buntstift ergänzt sind. Was gehört also zum dem Bild im Bild und was zu dem Bild selbst, das ja einen Raum mit Blumenbild, Tisch und einer davor stehenden kugeligen Vasenfigur wiedergibt?
Dieses Verwirrspiel mit den Realitäts- und Illusionsebenen steigert Heyn noch durch die Einfügung von Collageelementen. So ist etwa das Geschirrtuch auf dem Tisch in „manchmal male ich einfach Blumen 5“ ein echtes, was er hineingeklebt hat, die Vasenfigur ist als ganzes ausgeschnitten und nicht, wie man meinen könnte, nur die obere runde Form, die wie Papier aussieht, weil sie weiß ist und darauf Farbstiftkritzeleien zu sehen sind. Und das sich in drei Schleifen aufwölbende Stück Kabel oder Schnur vor dem Tisch ist nicht ausgeschnitten und aufgeklebt, sondern gemalt und mit einem leichten Schatten versehen, so dass es nur wie aufmontiert aussieht.
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten:
Mi - Sa 12:00 - 18:00 Uhr