Was wie eine nostalgische Träumerei beginnt, entpuppt sich als fanatische Heraufbeschwörung der Vergangenheit. Durnenkow erschafft fragile Figuren, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben an die Verheißungen eines Heilbringers ketten. UTOPIA zeigt, wie verführerisch die Vergangenheit sein kann – und wie zerstörerisch der Wunsch, sie unverändert zurückzuholen.
UTOPIA ist Betekhtins zweite Inszenierung in deutscher Sprache mit deutschsprachigen Schauspieler:innen im Exil. Wie auch der Autor Mikhail Durnenkow musste er Russland nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 verlassen. Durnenkow, mehrfacher Preisträger der „Goldenen Maske“, dem wichtigsten russischen Theaterpreis, wurde aus der Moskauer Künstlertheater-Schule (MHAT-Studio) entlassen. Inszenierungen von Betekhtin wurden abgesetzt, sein Name verschwand von den Spielplänen und wurde auf eine schwarze Liste des russischen Kulturministeriums gesetzt. Somit ist UTOPIA eine Fortsetzung der Zusammenarbeit der beiden - jetzt aber im Exil lebend, als migrantische Perspektive, nicht nur auf die Gegenwart in Russland, sondern auch auf Tendenzen in der deutschen Gesellschaft.