Eine Sonderausstellung der Neuen Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Anlässlich des Gallery Weekend Berlin präsentiert die Neue Nationalgalerie „Regular Animals“, eine interaktive Installation des Künstlers Beeple (Mike Winkelmann).
Die Arbeit markiert eine neue Phase in Beeples Schaffen und erweitert sein Engagement mit künstlicher Intelligenz und digitaler Kunst zu einer vollständig immersiven physisch-digitalen Umgebung.
Durch Tierfiguren mit den Köpfen bekannter Persönlichkeiten entwirft Beeple eine soziopolitische Allegorie zeitgenössischer Machtstrukturen. Mit dieser Präsentation wird Beeples Werk erstmals in Deutschland gezeigt.
„Regular Animals“ besteht aus autonomen Robotik-Hunden, die sich frei innerhalb eines definierten Bereichs bewegen. Jede Roboterfigur ist mit einem hyperrealistischen Silikonkopf ausgestattet, der nach weltweit bekannten Persönlichkeiten modelliert ist, darunter Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Andy Warhol, Pablo Picasso und Beeple selbst. Während die Roboter den Raum durchstreifen, erfassen sie Bilder ihrer Umgebung über integrierte Kameras. Diese Bilder werden von KI-Systemen verarbeitet, die die Daten gemäß dem kulturellen, künstlerischen oder ideologischen „Stil“ jeder Figur neu interpretieren.
Die Roboter erzeugen physisch gedruckte Bilder – die aus ihrem Hinterteil ausgestoßen werden – und verwandeln algorithmische Interpretation in greifbare Ergebnisse. Die Drucke werden kostenlos an die Besuchenden verteilt.
Durch dieses bewusst buchstäbliche System von Beobachtung, Verdauung und Ausgabe liefert Beeple einen pointierten Kommentar dazu, wie zeitgenössische Wahrnehmung von Algorithmen und Technologieplattformen geprägt wird. Wie der Künstler selbst sagt: „Mark Zuckerberg und Elon Musk besitzen Algorithmen, die kontrollieren, was wir sehen, und darüber entscheiden, wie wir die Welt wahrnehmen. Und wenn sie eine Veränderung herbeiführen wollen, müssen sie weder bei der UNO lobbyieren noch vor den Kongress gehen – sie nehmen einfach eine Umgestaltung vor.“
„Regular Animals“ untersucht, wie Bedeutung, Autorschaft und kultureller Wert zunehmend durch unsichtbare technologische Infrastrukturen vermittelt werden. Die Arbeit wurde erstmals auf der Art Basel Miami Beach 2025 gezeigt und ist nun im Rahmen des Gallery Weekend Berlin in der Neuen Nationalgalerie zu sehen, wo die Arbeit in einen institutionellen Kontext eingebettet wird.
Beeple (geb. Mike Winkelmann, 1981) ist ein US-amerikanischer Künstler, bekannt für sein langjähriges Projekt „Everydays“, in dessen Rahmen er seit 2007 täglich ein neues digitales Kunstwerk erstellt und veröffentlicht. Seine Arbeiten kombinieren 3D-Modellierung, Animation und Satire, um zeitgenössische Kultur, Technologie, Politik und Konsumkritik zu reflektieren. Beeple erlangte internationale Bekanntheit, indem er digitale Kunst in den Mainstream-Kunstmarkt brachte, insbesondere mit dem rekordbrechenden NFT-Verkauf von „Everydays: The First 5000 Days“ im Jahr 2021, einer digitalen Collage, die bei Christie’s für 69 Millionen US-Dollar versteigert wurde. Mit „Regular Animals“ erweitert Beeple sein langjähriges Engagement mit Technologie, Kultur und Satire – diesmal in einer physisch-digitalen Hybridinstallation.
Begleitend zu „Regular Animals“ wird Nam June Paiks „Andy Warhol Robot“ (1994) gezeigt, der einen historischen Gegenpunkt zu Beeples Arbeit bietet. Paik, einer der frühesten Pioniere der Video- und Medienkunst, baute die humanoide Roboterfigur aus Fernsehgeräten, Filmkameras und Tonbandspulen zusammen und integrierte bewegte Bilder von Warhols Werken in ihren Körper. Beide Künstler beziehen sich auf Andy Warhol als zentrale Referenzfigur, da er wie kaum ein anderer die Verbindung von Kunst, Massenmedien, Celebrity-Kultur und serieller Reproduktion verkörperte – ein Bezugsrahmen, über den Nam June Paik und Beeple jeweils untersuchen, wie technologische Systeme Autorschaft, Bildproduktion und kulturelle Macht in ihren jeweiligen Epochen prägen. Während Paik Massenmedien in skulpturale Form verwandelte, erweitert Beeple dieses Erbe in das Zeitalter von KI, Algorithmen und dezentralen Netzwerken – und zeigt die Kontinuität künstlerischer Auseinandersetzung mit Technologie und Massenmedien auf.
Die Ausstellung im unteren Foyer der Neuen Nationalgalerie ist kostenfrei.
„Beeple. Regular Animals“ wird kuratiert von Lisa Botti, Kuratorin an der Neuen Nationalgalerie.
Künstlergespräch
Beeple im Gespräch mit Carolyn Christov-Bakargiev und Lisa Botti
Dienstag, 28. April 2026, 18 Uhr
Das kostenfreie Gespräch am Abend der Ausstellungseröffnung beleuchtet Beeples künstlerische Praxis, von seinem langjährigen digitalen Projekt „Everydays“ bis hin zu seiner performativen Installation „Regular Animals“, und wirft darüber hinaus grundlegende Fragen zu Technologie, künstlicher Intelligenz, Medien und zeitgenössischer Kultur auf. Es bietet Einblicke in seinen kreativen Prozess, die Rolle von Algorithmen bei der Formung von Wahrnehmung sowie in die Schnittstellen von Kunst, Satire und gesellschaftspolitischem Kommentar im digitalen Zeitalter.
Carolyn Christov-Bakargiev ist Kuratorin und Kunsthistorikerin und war langjährige Direktorin des Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea in Turin. Internationale Anerkennung erlangte sie unter anderem durch die künstlerische Leitung der documenta 13 (2012). Ihr frühes Interesse an der Arbeit von Beeple spielte eine zentrale Rolle dabei, eine Brücke zwischen Blockchain-basierter Kunst und etablierten Institutionen der zeitgenössischen Kunst zu schlagen und seine Praxis in umfassendere kunsthistorische und soziopolitische Zusammenhänge einzuordnen. Am Castello di Rivoli verantwortete Christov-Bakargiev den Ankauf eines Werks von Beeple für die permanente Sammlung des Museums und setzte damit eines der ersten bedeutenden institutionellen Zeichen für die Anerkennung eines NFT-basierten Kunstwerks. Über diese Erwerbung hinaus standen Christov-Bakargiev und Beeple in öffentlichen Gesprächen zu digitaler Kultur, Technologie und den sich wandelnden Bedingungen künstlerischer Produktion im Austausch und trugen so zur kritischen Integration Blockchain-basierter Kunst in den institutionellen Kunstdiskurs bei.
Lisa Botti ist seit 2024 Kuratorin an der Neue Nationalgalerie und war zuvor als Assistenzkuratorin an der Seite von Direktor Klaus Biesenbach tätig. Vor ihrem Wechsel nach Berlin arbeitete Lisa Botti von 2019 bis 2021 bei der Biennale of Sydney und von 2017 bis 2019 bei Chan + Hori Contemporary in Singapur. An der Neuen Nationalgalerie war sie an mehreren international beachteten Ausstellungen maßgeblich beteiligt, darunter "Isa Genzken. 75/75“ (2023), "Andy Warhol. Velvet Rage and Beauty” (2024), “Nan Goldin. This Will Not End Well” (2024–2025) sowie die Ausstellung von Maurizio Cattelan im Herbst 2026. Darüber hinaus wirkte sie an der Weiterentwicklung des Performance-Programms der Neuen Nationalgalerie mit, unter anderem im Rahmen des jährlich stattfindenden Festivals „PERFORM!“ während der Berlin Art Week.
#GalleryWeekendBerlin
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten:
Di – Mi 10 – 18 Uhr
Do 10 – 20 Uhr
Fr – So 10 – 18 Uhr
Di – Mi 10 – 18 Uhr
Do 10 – 20 Uhr
Fr – So 10 – 18 Uhr

