Begegnungen des 19. Jahrhunderts mit Werken des 20. und 21. Jahrhundert aus der Sammlung der Nationalgalerie
1876 wurde die Nationalgalerie als Haus für zeitgenössische Kunst eröffnet. Heute ist sie unter dem Namen Alte Nationalgalerie das Stammhaus der Nationalgalerie und das Museum für die Kunst des langen 19. Jahrhunderts.
Alle inzwischen sechs Häuser der Nationalgalerie eint eine gemeinsame Sammlung von der Alten Nationalgalerie über die Neue Nationalgalerie bis hin zur Nationalgalerie der Gegenwart – Hamburger Bahnhof.
Im Jubiläumsjahr bietet die Alte Nationalgalerie auf allen drei Etagen punktuelle Begegnungen von Werken des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Kunst des 19. Jahrhunderts und lädt zum assoziativen Schauen ein.
Dialoge über Epochen und Gattungen hinweg
Stillleben, Selbstbildnisse und Porträts treffen ebenso aufeinander wie Abstraktion und Gegenständlichkeit, Malerei, Fotografie und Skulptur. Dabei entstehen überraschende Konstellationen:
Die intensiven Farbraumkörper Gotthard Graubners (1930–2013) begegnen neuen Wahrnehmungsformen des Impressionismus und Postimpressionismus. Andy Warhols (1928–1987) „Diamond Dust Shoes“ wiederum tritt in einen Dialog mit einem Stillleben von Paul Cézanne (1839–1906). Die Gegenüberstellung verdeutlicht, wie sich das Genre über mehr als ein Jahrhundert hinweg als Experimentierfeld für das Zusammenspiel von Form, Farbe und Fläche entwickelt hat.
Über die Zeiten hinweg lassen sich auch Selbstentwürfe und gesellschaftliche Rollenbilder miteinander in Beziehung setzen. So steht dem Selbstbildnis der Malerin Sabine Lepsius (1864–1942), die sich in einem von Männern dominierten Kunstbetrieb behaupten musste, ein fotografisches Selbstbildnis der britischen Gegenwartskünstlerin Sarah Lucas (*1962) gegenüber. Rauchend und in lässiger, männlich konnotierter Pose blickt Lucas trotzig an der Kamera vorbei.
Eine weitere Gegenüberstellung bringt Adolph Menzels epochales „Eisenwalzwerk (Moderne Cyclopen)“ (1872–1875) mit Andreas Gurskys (*1955) „Singapore Bourse II“ (1997) zusammen. Hier begegnet die Malerei des Realismus einem verdichteten künstlerischen Bild der Börsenwirklichkeit. Trotz ihrer unterschiedlichen Darstellungsformen richten beide Werke den Blick auf Arbeitswelten und ökonomische Prozesse sowie auf die Möglichkeiten, diese künstlerisch abzubilden.





