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Ausstellung in der St. Matthäus-Kirche

Im Zentrum der Ausstellung des jüdischen Künstlers Benyamin Reich steht eine große Installation: der Talmudvorhang (hebräisch: »Parochet«). Während der Passionszeit verhüllt er den Altar von St. Matthäus.


In seiner diskursiven Struktur laufen Bild und Text, Schrift und Bildlichkeit, ineinander – gleich einem Text, der in die Welt kommt und Fragen aufwirft. Das Gewebe aus talmudischen Texten, kabbalistischen Symbolen und Bildern des Künstlers erinnert dabei an den feingestickten Vorhang des Jerusalemer Tempels sowie die Vorhänge aller späteren Synagogen, die nach rabbinischem Verständnis auf einen metaphysischen Vorhang im Himmel zurückgehen.
Zugleich erinnert er an christliche Fastentücher, die traditionell während der Passionszeit den Altar einer Kirche verhüllen und so den Kontakt zwischen Gott und Mensch temporär in Frage stellen – ein jüdisch-christlicher Dialog der Traditionen.

Die Ausstellung kombiniert Bilder aus drei Traditionssträngen, die in der christlichen Passionszeit zusammenfinden: das jüdisch-talmudische Erbe, die jesuanisch-christliche Überlieferung und das hellenistisch-römische Heidentum.
In ihren unterschiedlichen, sich teils ergänzenden, teils widersprechenden Vorstellungen von Geistigkeit und Körperlichkeitbündeln sich existenzielle Themen wie Leid, Martyrium, Verfolgung, aber auch Spiegelungen universeller Motive wie der Verlust des Paradieses vor dem Hintergrund des kabbalistischen Ez Chajim (»Lebensbaum« der göttlichen Innenwelt) und Adam Hakadmon (»Urmensch«, anthropomorph-metaphysische Urgestalt aller Schöpfung). In der Gestalt des zwischen den Welten lebenden Juden Jesus sollen diese Stränge sinnbildlich zusammenkommen. 

  • Die Ausstellung ist kuratiert vom Künstler Benyamin Reich. Christliche-theologische Beratung erfolgte durch Pfarrer Hannes Langbein, Direktor der Stiftung St. Matthäus, die rabbinische Beratung durch Netanel Olhoeft, Gemeinderabbiner in Oldenburg.



Eintritt: frei
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Termine
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