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Kinemathek – Halle

Ein Filmstudium ist eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erwartungen, eigenen und fremden, realen und eingebildeten – letztlich ein Emanzipationsprozess. Ausgangspunkt für das Programm »Spiralling« war die Frage, wie sich diese Auseinandersetzung in neueren DFFB-Filmen abbildet, wie Filme von Studierenden ästhetisch Stellung beziehen zu einer Ausbildung, deren Versprechen der Professionalisierung auch zu einem Hindernis für Originalität und Experimentierfreude werden kann.


Filmen von Florinda Frisardi, Faraz Fesharaki/Moritz Friese und Ewelina Rosińska, die zwischen 2017 und 2025 in unterschiedlichen Stadien des Studiums entstanden, ist ein früher Film von Raoul Peck vorangestellt, der den Hebelpunkt seiner Kritik in der Sprache findet.

Das künstlerische Spektrum dieser Filme ist weit – eine Weite, die sich auftut, solange Filme mit dem Mut gemacht werden, formale oder ideologische Erwartungen zu hinterfragen.


Leugt

BRD 1983, Regie: Raoul Peck, DCP, 13 min, deutsch OmeU


»Vokale, Konsonanten, Pausen, Interpunktion bilden lediglich eine Aneinanderreihung von Tönen und Nicht-Tönen, bei denen wir, die Masse, aufgrund jahrhundertelanger systematischer Staatsbürgerkunde doch noch Intonationen, Akzente herausdestillieren können, so dass wir, trotz des »Nichtkapierens, was er eben gesagt hat oder überhaupt, was er die ganze Zeit erzählt hat«, an den richtigen Stellen klatschen können.« (Raoul Peck, aus einem Projekt-Exposé für ›Leugt‹, Mai 1983)



Reigen

D 2025, Regie: Florinda Frisardi, DCP, 6 min, deutsch OmeU


In einer einzigen, kontinuierlichen Einstellung wird ein fulminantes Eifersuchtsdrama in einer Tiefgarage erzählt. Zunächst vertraute Tropen des populären Erzählkinos geraten dabei durch einen narrativen Loop in eine verwirrende Schieflage. Ein Bewegtbild-Trompe l’oeil, das fruchtbar nachwirkt.



It’s a criminal waste to give this film a postproduction

D/Iran 2017, Regie: Faraz Fesharaki, Moritz Friese, DCP, 20 min, Farsi und deutsch OmeU

An einem Film-Set: Regisseur Faraz will eine Szene drehen, in der er einen Video-Call mit seinen Eltern führt. Kaum hat das Gespräch begonnen, stellt vor allem der Vater den vorgegebenen Dialog infrage. Das alltägliche Setting des Zoom-Gesprächs sabotiert die Ambitionen des Spielfilm-Produktionsapparats.


Ashes by name is man

D 2023, Regie: Ewelina Rosińska, gedreht auf 16mm, DCP, 20 min, ohne Dialog

Ewelina Rosińska hat ihren Abschlussfilm mit der 16-mm-Kamera in Kulturlandschaften um Krakau und Lwiw gedreht und dabei mit dem Alltag ihrer Großeltern auch eine vom Katholizismus geprägte ländliche Lebensform porträtiert. »In den Schriften meines Lieblingsmalers lese ich, dass die polnische Landschaft für ihn den Blick ständig auf den Boden zu lenken scheint und uns dazu bringt, nicht über den Horizont, sondern unter unsere Füße zu schauen, auf die Knochen, die unter jedem Schritt begraben sind.« (Ewelina Rosińska)


Gäste: Florinda Frisardi, Sebastian Ladwig, Faraz Fesharaki (tbc), Moritz Friese, Ewelina Rosińska

Kuratiert von Karina Griffith und Tobias Hering

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