Zum Gallery Weekend 2026 wird Berlin zur internationalen Kunstmetropole. Etablierte Galerien laden zu Eröffnungen, Lesungen und Performances und zeigen genauso wie die vielen experimentellen Off-Spaces (beim zeitgleichen Sellerie Weekend) einmal mehr, wie lebendig, vielfältig und herrlich unvorhersehbar Berlins Kunstwelt hier ist. Über 57 Galerien sind dieses Jahr dabei, entsprechend dicht ist das Programm. Gut, dass ihr drei Tage Zeit habt, um euch durch die spannendsten Positionen zu bewegen. Damit ihr euch in der Fülle des Programms nicht verzettelt, lohnt es sich, eure Kunsttour vorab zu strukturieren. Hier eine kleine Auswahl.
Tipp: Noch mehr Tipps bekommt ihr in der aktuellen Podcast-Monatsvorschau von Berlin Unboxed. Wir nehmen euch mit durch den Mai und verraten unsere persönlichen Favoriten für das Kunst-Wochenende.
Tipp 1: Entdeckt „Max Liebermann – Ein Schlüssel zum Garten“ in der Galerie Bastian
Einen Kontrast zum sonst stark zeitgenössischen Programm zeigt dieses Jahr die Galerie Bastian. Mit „Max Liebermann – Ein Schlüssel zum Garten“ passt die Ausstellung perfekt zu den wärmer werdenden Sonnenstrahlen und den Highlights des Berliner Kunstsommers. Hört dazu gerne in unsere Berlin Unboxed Podcastfolge „Ein Sommer voller Licht“. Vielleicht bei einem Frühlingsspaziergang durch den nahe gelegenen Botanischen Garten in Steglitz. Oder bei einem Besuch der Liebermann-Villa am Wannsee (Bild).
Noch bis zum 7. Juni 2026 könnt ihr euch im Museum Barberini einen guten Überblick über die Entwicklung des Impressionismus in Deutschland verschaffen. „Avantgarde: Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ zeigt über 110 Werke des Künstlers, der als Wegbereiter der ersten künstlerischen Avantgarde in Deutschland gilt.
Wann: 1. Mai bis 1. August
Wo: Bastian, Taylorstraße 1, Dahlem
Tipp 2: Schaut bei ChertLüdde hinter die Kulissen von Petrit Halilajs Opernwerk
Petrit Halilaj gehört aktuell zu den relevantesten Künstlern Berlins, nicht zuletzt wegen seiner großen institutionellen Ausstellung im Hamburger Bahnhof, „An Opera out of Time“. Noch bis Ende Mai könnt ihr dort unter anderem durch die Bühnenbilder seines ersten großen Opernwerks wandeln, das im Juni 2025 gemeinsam mit dem Kosovo Philharmonic Orchestra auf dem Hügel von Syrigana im Kosovo aufgeführt wurde. Kurz vor der Premiere wurden zwei der Lagercontainer für die Materialien aufgebrochen, mit Hassparolen beschmiert und angezündet.
Genau diese verkohlten Containerfragmente macht die Ausstellung bei ChertLüdde nun zum zentralen Werk - und reflektiert damit die Kindheitserinnerungen Halilajs an die bewaffneten Konflikte in seiner Heimat genauso wie die bis heute ungelösten Spannungen der Region. „Who does the earth belong to while painting the wind?!” wird sichtbar, wie eng Kunst und politische Realität miteinander verwoben sind und nutz den Ausstellungsraum als Projektionsfläche, um darüber zu reflektieren wie Gewalt und Zerstörung transformiert und überwunden werden können.
Wann: 2. Mai bis 25. Juli, Eröffnung 1. Mai 18 – 21 Uhr, Live Musik: 1. Mai 19 Uhr
Wo: ChertLüdde, Hauptstraße 18, Schöneberg
Tipp 3: Mit HARD 2 4GET macht Monty Richthofen die Normalität des Kriegs sichtbar
Zum Gallery Weekend Berlin erwartet euch mit HARD 2 4GET von Monty Richthofen eine außergewöhnliche Kunstintervention, die den klassischen Galerieraum bewusst verlässt und sich stattdessen über die gesamte Stadt entfaltet. Ausgangspunkt ist der Rosa-Luxemburg-Platz, doch im Laufe des Wochenendes begegnet euch das Projekt immer wieder überraschend im urbanen Raum, etwa am Ernst-Reuter-Platz, an der Siegessäule oder am Strausberger Platz. Für die Intervention schickt der Künstler rund zehn Kleintransporter und LKWs durch die Stadt, die er mit Textfragmenten besprüht hat, wie man sie auch auf Militär-Fahrzeugen findet. Damit will Richthofen zeigen wie sehr das Thema Krieg mittlerweile schon zur Normalität geworden ist.
Wann: 1. bis 3. Mai 2026
Wo: Galerie Dittrich & Schlechtriem in der Linienstraße 40, Mitte. Eröffnung & Performance: 1. Mai 18 – 21 Uhr
Intervention: Start am Rosa-Luxemburg-Platz, weitere Orte u. a. Ernst-Reuter-Platz, Siegessäule, Strausberger Platz
Tipp 4: Mit REMAINS hinterlässt Göksu Kunak Spuren bei Ebensperger im Fichtebunker
Zum Gallery Weekend startet REMAINS von Göksu Kunak mit einem leeren Raum. Doch nach und nach verwandelt sich die Ausstellungsfläche im ehemaligen Fichtebunker durch unterschiedliche Performance-Ansätze. Performer:innen, Bodybuilder, Kampfsportler:innen, eine Pole-Tänzerin, sie alle hinterlassen Spuren. Sich wiederholende Bewegungen werden sichtbar, die Oberflächen zeigen Abnutzungserscheinungen. Die Performance wird zur bleibenden Spur im Raum. Dazu lest ihr Textfragmente, politisch, philosophisch, persönlich, provokant. Göksu Kunak ist immer für eine Überraschung gut. Sie wurde im März mit dem Berliner Kunstpreis für Performing Arts ausgezeichnet, hat Theater für die Sophiensaele oder das Maxim Gorki Theater gemacht, ist als Venus auf schnellen Autos durch den Kunstbetrieb geritten und bestimmt eine gute Fundgrube, wenn ihr eine neue Perspektive aufs aktuelle Zeitgeschehen möchtet.
Wo: Galerie Ebensperger, Fichtebunker, Fichtestraße 6, Kreuzberg
Wann: Opening 1. Mai 18 – 22 Uhr, Eröffnungsperformance 20 Uhr, weitere Performances am Wochenende: 2. Mai 14 Uhr (The Void)
Tipp 5: Lasst James Turrells „sensing fields“ auf euch wirken
Zum Gallery Weekend 2026 zeigt Max Goelitz in Partnerschaft mit Häusler Contemporary Zürich erstmals Arbeiten aus James Turrells Glass-Serie in Berlin. Für „First Cause“ wurden sogar die Galerie-Räume extra umgebaut, so könnt ihr euch perfekt auf die langsame, fast unmerkliche Veränderung der Arbeiten des berühmten Lichtkünstlers einlassen. Ergänzt wird die Ausstellung durch die ikonischen Druckgrafiken der Still Light-Aquatina-Serie und Turrells archaisch anmutende Skyspace-Skulptur „Fire Inside“. Nehmt euch Zeit bei dieser Ausstellung, haltet inne und beobachtet, wie sich eure eigene Wahrnehmung neu schärft.
Wann: 1. Mai bis 4. Juli 2026 (Eröffnung: 1. Mai, 18–21 Uhr)
Wo: Max Goelitz, Rudi-Dutschke-Straße 26, Kreuzberg
Tipp 6: Entdeckt die BBA Prizes in der BBA Gallery
Wenn ihr zum Gallery Weekend Berlin nach frischen künstlerischen Stimmen sucht, solltet ihr die BBA Prizes nicht verpassen. Bereits zum elften Mal bringt die BBA internationale Talente nach Berlin. Die diesjährige Ausstellung versammelt fünfzehn nominierte Künstler:innen aus China, den USA und Deutschland. Euch erwartet ein spannender Mix aus Malerei, Fotografie und zeitgenössischer Kunst, der bewusst auf authentisches Storytelling setzt. Besonders zur Eröffnung und Preisverleihung pulsiert hier die Szene. Schaut vorbei und entdeckt vielleicht schon heute die Stars von morgen!
Wann: 30. April bis 15. Mai (Artist Prize Ausstellung), Eröffnung: 30. April 18 Uhr
Award Ceremony 2. Mai ab 18 Uhr (Verleihung 20 Uhr)
Wo: BBA Gallery, Köpenicker Straße 96, Mitte
Tipp 7: Bei Eigen + Art queere Intimität in der Malerei von Brett Charles Seiler erkunden
Brett Charles Seiler zählt zu den Positionen, die man jetzt auf dem Radar haben sollte. Der in Simbabwe geborene und heute in Leipzig lebende Künstler beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Intimität, Körperlichkeit und queerer Identität – jenseits klassischer, oft patriarchal geprägter Bildtraditionen. Seine Figuren wirken zugleich nahbar und entrückt: Zärtliche Szenen zwischen Männern treffen auf reduzierte, fast leere Räume. Schaut genau hin: Macht die Leere Raum dafür, dass hier Verletzlichkeit, Begehren und Freiheit nebeneinander existieren dürfen?
Wann: Dienstag bis Samstag 11 – 18 Uhr
Wo: Galerie Eigen + Art, Auguststraße 26, Mitte
Tipp 8: Zwischen Buch & Bild - Entdeckt Heimo Zobernig & Huang Rui bei Nagel Draxler
Durchaus philosophisch wird es bei der Präsentation Nagel Draxler, die neue Arbeiten von Heimo Zobernig zeigt. Ausgehend von seinem Lieblingbuch, Shakespears „Hamlet“, dessen Protagonisten der Titel als Zusehende heraufbeschwört, beschäftigt sich Heimo Zobernig damit, was Kunst tatsächlich ist oder kann. Ihr seht seine Letter-Paintings und leere Ikea-Bücherregale, die ihr selbst mit Bedeutung füllen dürft.
Im Kabinett richtet Huang Rui den Blick auf das Jahr 1989 in Beijing und Berlin. Seine „ink-stained books“ machen Bücher selbst zum Objekt: in schwarzer Tinte versiegelt, entziehen sie sich dem Lesen und verweisen auf Zensur, Erinnerung und das Unsichtbare politischer Geschichte. Was sichtbar ist, bleibt verschlossen, was bekannt sein sollte, bleibt verborgen.
Wann: 1. Mai – 27. Juni 2026 (Eröffnung: 1. Mai 18 - 22 Uhr)
Wo: Galerie Nagel Draxler, Weydingerstraße 2/4, Mitte; Nagel Draxler Kabinett, Rosa-Luxemburg-Straße 33, Mitte
Tipp 9: Geht auf Spurensuche bei Capitain Petzel
Rodney McMillian gehört zu den Künstlern, die alltägliche Materialien in politische Bilder übersetzen. Er beschäftigt sich mit sozialer Ungleichheit und interessiert sich für das, was übersehen wird, für Materialien ebenso wie für Geschichten. In seiner Ausstellung bei Capitain Petzel baut er aus Decken, Planen und Möbeln neue Räume und Objekte, die mit ihren Gebrauchsspuren Geschichten erzählen.
Außerdem könnt ihr die Künstlerin Stefanie Heinze (bei der Präsentation ihres Buchs, der Monografie „Your Mouth Comes Second“, erleben. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind oft Zeichnungen und Collagen, die sich im Malprozess ständig verändern, überlagern und neu zusammensetzen (siehe Bild). So entzieht sich ihre Malerei bewusst der klaren Zuordnung. Dabei verbindet Heinze unterschiedliche Bildsprachen, von alltäglichen Motiven bis hin zu kunsthistorischen Referenzen, ohne Hierarchien zu setzen.
Übrigens ist die Karl-Marx-Allee auch wegen ihrer interessanten Architektur einen Besuch wert. Das Kino International wurde erst vor kurzem nach einer umfassenden Generalsanierung wiedereröffnet.
Wo: Capitain Petzel, Karl-Marx-Allee 45, Friedrichshain
Wann: Rodney McMillian 1. Mai bis 13. Juni, Opening 1. Mai 18 – 21 Uhr
Buchpräsentation, Lesung & Gespräch mit Stefanie Heinze „Your mouth comes second“ 3. Mai 12 Uhr
Tipp 10: Entdeckt Berlins unabhängige Kunstszene
Parallel zum Gallery Weekend lohnt sich ein Blick auf das SELLERIE WEEKEND. Das stadtweite Off-Programm rückt vom 1. bis 3. Mai die unabhängige Kunstszene Berlins in den Fokus. Zahlreiche Projekträume und Off-Spaces präsentieren ihre Ausstellungen gebündelt und machen so eine oft weniger sichtbare, nicht-kommerzielle Seite der Berliner Kunstlandschaft erlebbar.
Haltet also die Augen offen, denn überall in der Stadt könnt ihr an diesem Wochenende auch abseits der etablierten Galerien spannende neue Perspektiven entdecken. Hier zwei Tipps:
- Casey Spooner öffnet sein Berliner Studio und lädt euch am 3. Mai von 18 bis 20 Uhr zu einem intimen Abend in die Mollstraße 1 (1. Obergeschoss) in Mitte ein. Ihr seht exklusive Preview von Spooners neuer Performance, erstmals seine Bronzearbeiten und außerdem Werke des Malers Serkan Sarier.
- Bei der Doppelschau „Natural Inversion“, kuratiert von John Silvis, entführen euch Hua Wang & Emanuel Heim von 1. bis 16. Mai (Eröffnung 30. April 15 - 20 Uhr) in der Lottumstraße 14 in Mitte auf eine sinnliche Reise, die mit ihrer Kunst den spannungsgeladenen Wandel unserer Zeit thematisieren. Dabei erkunden sie, wo Natur und Technologie sich beeinflussen und wie wir diesen Transformationsprozess wahrnehmen.
Die Ausstellung findet in Hua Wangs privater Wohnung statt und schafft dadurch eine intime Situation, in der sich Kunst und Lebensraum unmittelbar durchdringen. Besonders spannend ist dieser Ansatz, da Wang in ihren Arbeiten einen fast schon mythischen Kosmos um die eigene Person herum entwickelt. So ist ihr eigenes Abbild als Kind auf goldglänzende Münzen geprägt, die in verschiedenen Skulpturen auftauchen, etwa als Gold-Bäumchen oder als vermeintliche Seerosen-Plattform für einen Münzen schluckenden Frosch.
Ergänzt wird die Ausstellung mit neuen Malereien von Emanuel Heim. Die abstrakten Gemälde bewegen sich zwischen geometrischer Ordnung und Instabilität und verhandeln das Spannungsfeld zwischen technischer Beschleunigung und dem Rückzug oder vielleicht auch der Rückbesinnung auf das Leben.
Eröffnung: 30. April 2026, 15–20 Uhr
Laufzeit: 1.–16. Mai 2026
Tipp 11: Macht eine geführte Tour durch Berlins Galerien
Wenn euch das alles einfach zuviel ist, könnt ihr Berlins Kunstszene auch einfach auf einer der geführten Touren erkunden. Über das Wochenende verteilt bieten das Gallery Weekend verschiedene kuratierte Führungen an. Mal geht es zu Fuß durch Mitte, durch Charlottenburg oder Schöneberg - mal mit dem Fahrrad die Karl-Marx-Allee entlang von Friedrichshain nach Kreuzberg. Erfahrt mehr über die Künstler:innen und die thematische Einordnung der gezeigten Werke. Die Führungen werden auf Deutsch und Englisch angeboten und können direkt auf der Seite des Gallery Weekend Berlin für jeweils 18 Euro gebucht werden.
Wo: je nach Tour
Wann: verschiedene Zeiten am 2. & 3. Mai
Ein weiteres bewährtes Rezept: Konzentriert euch pro Tag auf eines der fünf Galerien-Cluster, die sich über die Stadt verteilen.
- Mitte Nord – rund um Volksbühne und Karl-Marx-Allee
- Schöneberg – entlang der Potsdamer Straße südlich des Kulturforums
- Kreuzberg – rund um den Checkpoint Charlie
- Charlottenburg – zwischen Technischer Universität und Haus der Berliner Festspiele
- Dahlem – mit der Galerie Bastian als Zielpunkt
Hier findet ihr einen Überblick über Berlins Galerien und Ausstellungsräume. Und mehr Ausstellungs-Tipps findet ihr in unserem Veranstaltungskalender und in unserer aktuellen Berlin Unboxed Podcast-Monatsvorschau.
Beschreibung
Das Video gehört zur Podcast-Folge „Berlin im Mai", der Monatsvorschau von dem Podcast Berlin Unboxed, den visitBerlin betreibt. Im Podcast geben Josefine Köhn-Haskins und Pauline Braune Tipps für Event-Highlights, Erlebnisse und Unternehmungen in Berlin im Mai. Dazu läuft eine Slideshows mit Bildern aus Berlin. Das visitBerlin Logo ist im linken unterem Eck. Die Untertitel des Videos können im YouTube Player unter Einstellungen an- und ausgeschaltet werden. Für eine Transkription sollte das Video direkt auf YouTube angeschaut werden.
