Nirgendwo sonst könnt ihr Demokratie so hautnah erleben wie in Berlin. Über 200 Veranstaltungen und Workshops laden im Monat der Demokratie ein, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Aber auch rund ums Jahr könnt ihr – nach Anmeldung – live an öffentlichen Sitzungen teilnehmen, Führungen durch den Reichstag und die Regierungsgebäude buchen und natürlich von der gläsernen Kuppel des Reichstags aus, über Berlin und das Regierungsviertel blicken.
Wo ihr hier und an anderen Orten in Berlin Demokratie erleben könnt, das erfahrt ihr in unseren 11 Tipps.
Tipp 1: Monat der Demokratie in Berlin
Demokratie lebt vom Austausch. Deshalb wird im September in allen Berliner Bezirken diskutiert, zugehört, gestaltet und gemeinsam Neues ausprobiert. Unter dem Motto „Ein Monat für alle – Demokratie für immer!“ stehen mehr als 200 Veranstaltungen, Aktionen und Begegnungen im Kalender.
Das Programm reicht von Nachbarschaftsfesten, Stadtspaziergängen und Ausstellungen über Workshops und Lesungen bis zu Podiumsgesprächen, Filmvorführungen und Angeboten für Kinder und Jugendliche. Inhaltlich geht es um Zusammenleben und Beteiligung, politische Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt, die anstehenden Berlin-Wahlen und aktuelle Herausforderungen für die Demokratie.
- Beim großen Mitmachfest zum Berliner Demokratietag am 13. September 2026 laden von 12 bis 17 Uhr auf dem Blücherplatz bei der Amerika-Gedenkbibliothek mehr als 50 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Kultur, politischer Bildung, Sport mit Aktionen wie Demokratiequizzen, Sieb- und Linoldruck, VR-Angeboten und einem KI-Escape-Game zum mitmachen und natürlich auch mitbestimmen ein.
- Im Workshop „Mitdenken. Mitreden. Mitbestimmen“ sind am 11. September von 16.30 - 18 Uhr Jugendliche dazu eingeladen im Jugendzentrum Oja-Martha in Friedrichshain-Kreuzberg über Wahlen und Demokratie zu diskutieren und gemeinsam zu überlegen, wie politische Beteiligung auch im Alltag gelingen kann.
- Beim offenen Workshop „Tape for Democracy“ gestaltet ihr am 6. September von 14 - 16 Uhr gemeinsam mit dem Berliner Künstlerduo ENNICOLOR im URBAN NATION Museum aus farbigem Tape eure Wünsche, Ideen und Visionen für ein demokratisches Miteinander, Anmeldung oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Viele Veranstaltungen sind kostenfrei und offen für alle. Im Veranstaltungskalender könnt ihr gezielt nach Datum, Bezirk, Thema und Zielgruppe suchen und passende Termine für euren Berlin-Besuch finden.
Wann: den ganzen September
Wo: überall in Berlin
Tipp 2: Von der Reichstagskuppel über ganz Berlin schauen
Rund 1 Million Menschen besuchen jährlich die 23 hohe, gläserne Kuppel des Reichstags. Von hier aus habt ihr eine tolle Aussicht über die ganze Stadt. Ein Audioguide erklärt genau, was ihr auf dem Weg entlang der Spirale bis zur Spitze der Kuppel alles seht. Einmal oben angekommen, könnt ihr durch den riesigen Glastrichter einen Blick in den Plenarsaal werfen. Beeindruckend ist die Konstruktion aus 360 Spiegeln im Inneren des Trichters, die das Sonnenlicht reflektieren und für angenehmes Tageslicht im Plenarsaal sorgen.
Wann: nach Anmeldung
Wo: Reichstag, Platz der Republik 1, Mitte
Tipp 3: Bucht eine Führung durch den Deutschen Bundestag
Bei einer Führung durch das Reichstagsgebäude bekommt ihr Einblicke in die Entwicklung des Parlamentarismus in Deutschland und erfahrt spannendes über die Geschichte des Bauwerks. Hausführungen finden täglich statt und sind für Jugendliche ab 15 Jahren empfehlenswert.
Für jüngere Besuchende werden in speziellen Familienführungen Aufgaben, Arbeitsweise und Zusammensetzung des Parlaments sowie Geschichte und Architektur des Reichstagsgebäudes kindergerecht erläutert. An Wochenenden und Feiertagen gibt es Kunst- und Architekturführungen Führung durch das Reichstagsgebäude, sowie das Paul-Löbe-Haus und Jakob-Kaiser-Haus. Danach ist ein Besuch der Reichstagskuppel möglich.
Außerdem könnt ihr euch für den Besuch einer Plenarsitzung oder für Vorträge auf der Besuchertribüne des Plenarsaals anmelden.
- Zum Tag der Demokratie erlebt ihr bei „insideBundestag“ im Rahmen eines theatralen Experiments im Ballhaus Prinzenallee am Freitag, 18. September ab 20 Uhr die Rituale und Dramaturgie des parlamentarischen Betriebs auf Grundlage der Bundestagsprotokolle einer aktuellen Sitzungswoche.
Wann: Führungen nur in der sitzungsfreien Zeit und nur nach schriftlicher Anmeldung
Wo: Reichstag, Platz der Republik 1, Mitte
Tipp 4: Kunst und Demokratie im Regierungsviertel entdecken
Das Band des Bundes verbindet symbolisch das ehemals geteilte Berlin. Spaziert über die Brücke zwischen Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, und schaut dabei den Abgeordneten auf die Finger. Genießt den Sonnenschein auf der großen Freitreppe, beobachtet die Schiffe, die vorüberziehen oder tanzt im Sommer Tango auf der Terrasse vor der Abgeordneten-Kantine. Durch die Glasfassade könnt ihr den Volksvertreten sogar beim Essen zusehen. Übrigens ist nun auch ein öffentliches Café in Planung. Danach könnt ihr entlang der Spree bis zum Schloss Bellevue schlendern, seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten.
Tipp 5: An Dani Karavan's Grundgesetz 49 die 19 ersten Artikel lesen
Wenn ihr an der Spreepromenade entlang spaziert seht ihr zum Jakob-Kaiser-Haus hin 19 große Glasscheiben, auf die der israelische Künstler Dani Karavan die 19 Grundrechtsartikel eingraviert hat. Durch diese 19 ersten Artikel des Grundgesetztes schaut ihr auf das Haus der Fraktionen, in dem ja dafür Sorge getragen werden soll, diese in unserer Demokratie aufrecht zu erhalten. Mehr zu Dani Karavans Grundgesetz 1949 und weiteren öffentlichen Kunstwerken, die ihr bei einem Spaziergang durchs Regierungsviertel entdecken könnt, erfahrt ihr in unserer Podcast-Folge zur Transparenz der Demokratie.
Wann: jederzeit
Wo: Grundgesetz 49, Reichstagsufer 4, Mitte
Tipp 6: Probiert euch in der Rolle eines Bundestagsabgeordneten
Wie genau funktioniert Demokratie? Antwort auf diese Frage findet ihr in der „Parlamentshistorische Ausstellung des Deutschen Bundestages“ im Deutschen Dom. Die Zeitreise durch die Geschichte des Parlamentarismus zieht sich über vier Etagen und gibt Einblicke in die Geschichte von 1848 bis heute. Schwerpunktthemen sind unter anderem der Parlamentarismus im Kaiserreich, die Weimarer Republik, der NS-Staat und der Scheinparlamentarismus in der DDR, sowie der politische Neubeginn nach 1945. In der obersten Ebene seht ihr täglich einen wechselnden Film zum Thema. Zusätzlich könnt ihr euch kostenfrei für verschiedene Führungen und Workshops anmelden.
Tipp: Wenn ihr euch selbst mal in der Rolle eines Bundestagsabgeordneten ausprobieren wollt, dann empfehlen wir euch das Rollenspiel „Plenarsitzung“ im Deutschen Dom. Dafür gibt es einen extra Raum, der dem originalen Plenarsaal im Reichstagsgebäude nachempfunden ist.
Anmeldung für Führungen und Projekte: historischeausstellung [at] bundestag.de oder telefonisch 030/227-30432 und 030/227-30431
Wann: Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr, (Mai bis September 10 – 19 Uhr)
Wo: Deutscher Dom, Gendarmenmarkt 1, Mitte
Tipp 7: Erlebt Europa im Europäischen Haus
Nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt lädt die Ausstellung ERLEBNIS EUROPA zu einer virtuellen Reise durch die Europäische Union ein. Interaktive Medienstationen vermitteln Wissenswertes über europäische Politik und Bürgerbeteiligung und machen politische Abläufe in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union erlebbar.
In der kostenfreien Dauerausstellung im Europäischen Haus erfahrt ihr, was Europa ausmacht, wie die EU funktioniert und wie ihr selbst aktiv werden könnt. Ein Highlight ist das 360°-Kino, das Besucher in eine Plenartagung des Europäischen Parlaments eintauchen lässt. Zusätzlich gibt es spannende Rollenspiele, die europäische Entscheidungsprozesse simulieren
Wann: täglich 10 - 18 Uhr
Wo: Europäisches Haus, Unter den Linden 78, Mitte
Tipp 8: Im Futurium bei der Demokratie-Ausstellung die Zukunft wählen
Wusstet ihr, dass die Idee der Demokratie bereits 2000 Jahre alt ist? Was sich seither verändert hat und wie Demokratie in Zukunft gelingen kann, das zeigt die Ausstellung „Demokratie – Zukunft könnt ihr wählen“ im Futurium. In verschiedenen Simulationen probiert ihr selbst, wie Demokratie funktioniert. Comics zeichnen visionäre Entwürfe demokratischer Gesellschaften. Und in kleine Videos seht ihr mögliche Lösungen für die Zukunft.
Erlebt im Lab welche Möglichkeiten und Risiken neue Technologien für die Demokratie haben können. In der Wahlkabine „Smile to Vote“ genügt einer KI etwa ein kurzer Blick von euch in die Kamera, um zu bestimmen, welche Partei ihr wählt. Fiktion oder schon bald Realität? Entscheidet selbst.
Tipp hört rein in unsere Berlin Podcast-Folge zum Futurium.
Wann: Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag & Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 20 Uhr (Dienstag geschlossen)
Wo: Futurium, Alexanderufer 2, Mitte
Mehr zum Futurium
Tipp 9: Begebt euch auf Spurensuche an Orten der Demokratie
Neben Regierungsviertel und Reichstag findet ihr in Berlin noch viele weitere Orte der Demokratie, darunter so große Sehenswürdigkeiten wie Nikolaikirche, Zionskirche oder auch Alexanderplatz und Brandenburger Tor als Sammelpunkt demokratischer Bewegungen. Dabei geht es nicht immer nur um Geschichte, sondern fast täglich auch um aktuelle gesellschaftspolitische Themen.
Das Deutsche Historische Museum, das Humboldtforum und die Bezirksmuseen laden regelmäßig zum offenen Diskurs. Und am Friedhof der Märzgefallenen finden seit fast 175 Jahren regelmäßig Gedenkfeiern für die Männer und Frauen statt, die einst unter Einsatz ihres Lebens Freiheits- und Menschenrechte einforderten.
Wenn ihr euch für Geschichte interessiert, dann schaut zum Tag der Demokratie doch hier vorbei:
- Beim Gespräch „Post Palast“ am 3. September (19 - 21 Uhr im Humboldt Forum Saal 3 EG) diskutiert ihr mit Herausgeberin Angelique Pershon, Autor Martin Ebendorff-Heidepriem, Kuratorin Dominique Falentin und Kulturwissenschaftler Julius L. Jung darüber, wie die Generation der 1990er Jahre auf den Palast der Republik, das Erbe der DDR und deutsch-deutsche Identitäten blickt.
- In der Fortbildung „Widerständige Frauen im Nationalsozialismus“ am 3. September 2026 (15 - 18 Uhr in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Revaler Straße 29, Friedrichshain) lernt ihr Biografien wenig bekannter Widerstandskämpferinnen aus Lichtenberg kennen und diskutiert, wie Erinnerungskultur, umstrittene Straßennamen und historisch-politische Bildung miteinander verbunden werden können.
Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Überall in der Stadt
Tipp 10: Besucht den Campus für Demokratie
Ein historischer Ort des Wandels: Die ehemalige Zentrale des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, einst ein Symbol der Unterdrückung, ist heute ein „Campus für Demokratie“. Hier bekommt ihr spannende Einblicke in die SED-Diktatur und erfahrt Wissenswertes zur Friedlichen Revolution.
- Während des Monats der Demokratie könnt ihr das ehemalige zentrale Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit mit seinen erhaltenen Zellen und Verhörräumen in Begleitung am 1. September ab 16.40 Uhr im Rahmen einer Führung erkunden. Die Führungen werden von ehemaligen politisch Inhaftierten und Historiker:innen begleitet, die unter anderem Einblicke in Haftbedingungen und Haftalltag geben. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Wann: 1. September 16.40 - 18.40 Uhr
Wo: Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, Ruschestraße 103, Lichtenberg
Tipp 11: Entdeckt Film als Form des Widerstands
Was kann Kino erzählen, wenn der Alltag von Krisen geprägt ist? Beim Freiluftkino an der Fraenkelufer Synagoge seht ihr am 1. September Kurzspielfilme, Animationen und TV-Pitches von Studierenden und Dozierenden des Sapir Colleges in Sderot nahe der Grenze zum Gazastreifen.
- Die Kurzfilme zeigen unterschiedliche Perspektiven der jungen Filmschaffenden. Unter anderem geht es um einen evakuierten Bewohner Sderots, der nicht in seine Heimatstadt zurückkehren möchte. In der autobiografisch inspirierten Animation „Sende mir einen Engel“ geht es über die Selbstfindung eines Transgender-Mädchens. Und der Kurzfilm „Puppe“ erzähl von einer Mutter, die sich unter Raketenbeschuss auf die Suche nach ihren Kindern macht.
- Im anschließenden Gespräch mit Filmschaffenden der Hochschule, darunter Regisseurin Efrat Corem, geht es darum, was Kreativität in Krisenzeiten bedeutet und welche Rolle Kunst für Widerstandskraft und gesellschaftliche Auseinandersetzung spielen kann.
- Tipp: Am 8. September ab 20 Uhr zeigt das Freiluftkino an der Fraenkelufer Synagoge Henrika Kulls Film „Südsee“, in dem die junge deutsche Filmemacherin Anne und der israelische Schauspieler Nuri sich bei einem Urlaub im Sommerhaus von Nuris Eltern in den Bergen zwischen Tel Aviv und Jerusalem näherkommen.
Wann: Dienstag, 1. September 2026, 20 - 23 Uhr
Wo: Fraenkelufer Synagoge, Friedrichshain-Kreuzberg
