Von spannender Berliner Industriearchitektur über Musik, Sommerfeste und Performancekunst bis hin zu den Riesendrachen, die am Wochenende über dem Tempelhofer Feld schweben: An diesem Septemberwochenende zeigt sich Berlin experimentierfreudig und überraschend, besonders für eure Kinder, wenn sie noch einmal vor den gigantischen Sauriern im Museum für Naturkunde stehen, bevor die Ausstellung schließt.
Tipp 1: Entdeckt Berlins Industriegeschichte neu
Industriekultur findet ihr in Berlin nicht nur in Museen. Alte Werkshallen, Bahnanlagen, Flugplätze und andere Orte erzählen davon, wie Produktion, Verkehr und Technik die Stadt geprägt haben. Genau dort setzt das Festival der Berliner Industriekultur an, das an diesem Wochenende startet und das ihr bis zum 4. Oktober besuchen könnt.
Zum Auftakt am Samstag und Sonntag führen Veranstaltungen in verschiedene Bezirke. Im Industriesalon Schöneweide eröffnet etwa der „Walk of Fame Schöneweide“, in Reinickendorf verbindet „Die Borsig-Verschwörung“ Spaziergang und Theater, am Flugplatz Gatow öffnen sich Hangars für Führungen. Am Sonntag könnt ihr außerdem im Bahnbetriebswerk Schöneweide Einblicke in die JugendBauhütte bekommen. Gerade dieser Mix macht das Festival zu einer guten Gelegenheit, bekannte Wege zu verlassen und Berliner Stadtgeschichte an ihren Originalschauplätzen zu erkunden.
Wann: Samstag & Sonntag, unterschiedliche Uhrzeiten
Wo: verschiedene Orte in Berlin
Festival der Berliner Industriekultur
Tipp 2: Hört Brett Dean auf dem Musikfest Berlin
Beim Musikfest Berlin trifft an diesem Wochenende ein ehemaliges Orchestermitglied auf seine früheren Kolleg:innen: Der australische Komponist und Dirigent Brett Dean gehörte 14 Jahre lang als Bratschist zu den Berliner Philharmonikern. Nun steht er selbst am Pult und dirigiert ein Programm, das mehrere eigene Kompositionen mit Claude Debussy verbindet.
Sopranistin Jennifer France übernimmt die Solopartien in Deans „Conversations with Schumann“ und „And once I played Ophelia“. Hinzu kommen „Beggars and Angels“ sowie Debussys „La cathédrale engloutie“ in der Orchestrierung von Colin Matthews. Dean kennt den Klang der Berliner Philharmoniker aus dem Inneren des Orchesters – und kehrt nun als Composer in Residence, Komponist und Dirigent zurück. Das Konzert könnt ihr am Wochenende gleich an zwei Abenden erleben.
Wann: Freitag, 11. September, 20 Uhr; Samstag, 12. September, 19 Uhr
Wo: Philharmonie Berlin, Großer Saal, Herbert-von-Karajan-Straße 1, Tiergarten
Tipp 3: Streift bei POSITIONS durch die aktuelle Kunstszene
Auf der Berlin Art Week könnt ihr am Wochenende an einem besonderen Ort durch die internationale Gegenwartskunst streifen: Die POSITIONS Berlin Art Fair bringt zu ihrer 13. Ausgabe 96 Galerien aus 20 Ländern in die Hangars 5 und 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof.
Hier begegnen euch unterschiedliche künstlerische Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst konzentriert unter einem Dach. Einen Schwerpunkt setzt die Messe 2026 auf Galerien aus der Türkei. hr könnt vergleichen, Entdeckungen machen und beobachten, welche Themen und künstlerischen Perspektiven Galerien aus unterschiedlichen Ländern derzeit nach Berlin bringen.
Wann: Freitag 14–20 Uhr; Samstag 11–19 Uhr; Sonntag 11–18 Uhr
Wo: Flughafen Tempelhof, Hangar 5–6, Tempelhofer Damm 45, Tempelhof
Tipp 4: Reist im Humboldt Forum durch Kulturen und Kontinente
Ein Boot kann mehr über Geschichte erzählen als eine lange Erklärung. In den Ethnologischen Sammlungen und im Museum für Asiatischen Kunst im Humboldt Forum begegnet ihr etwa Wasserfahrzeugen aus Ozeanien, die von den Navigations- und Bootsbaukünsten indigener Gesellschaften zeugen. Häuser aus Palau und von den Abelam aus Papua-Neuguinea gehören ebenfalls zu diesem Ausstellungsbereich.
Die Dauerausstellungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst verbinden historische Objekte mit zeitgenössischer Kunst und Interventionen. Dabei bleiben auch Kolonialgeschichte und ihre Folgen nicht außen vor: Installationen setzen sich mit den Auswirkungen der Kolonialzeit in der afrikanischen Gegenwart auseinander. So könnt ihr euch hier nicht nur auf eine Reise durch unterschiedliche Regionen begeben, sondern zugleich fragen, wie Sammlungen entstanden sind und wie Museen heute mit ihren Beständen umgehen.
Wann: Freitag bis Sonntag, 10.30–18.30 Uhr
Wo: Humboldt Forum, Schlossplatz, Mitte
Tipp 5: Verfolgt am Himmel die Riesendrachen
Am Samstag lohnt sich ein Ausflug aufs Tempelhofer Feld: Beim 13. STADT UND LAND-Festival der RIESENDRACHEN verwandelt sich hier der Himmel in eine riesige Freiluftbühn:. Internationale Drachenpiloten lassen kunstvolle Flugobjekte steigen, darunter Exemplare von mehreren Dutzend Metern Größe.
Eure Familien und Kinder können ihre eigenen Drachen mitbringen und steigen lassen oder an Mitmachangeboten teilnehmen. Musik, Aktionen für Kinder und kulinarische Angebote begleiten den Tag. Vor allem aber könnt ihr euch einfach einen Platz auf dem Feld suchen und verfolgen, was sich über euren Köpfen bewegt. Der Eintritt ist frei.
Wann: Samstag, 12. September, 11–20 Uhr
Wo: Tempelhofer Feld, Tempelhof
Tipp 6: Erlebt Poetry Slam mit Sand unter den Füßen
Poetry Slam im Sand? Beim „Besten Poetry Slam der Welt“ sitzt ihr im Strandbad Orankesee, während elektronische Musik mit Cumbia-Klängen läuft und später eine Mariachi-Band auf einer schwimmenden Bühne spielt. Erst danach beginnt der eigentliche Wettstreit um Worte und Publikumsstimmen.
Sechs Meister vergangener Jahre treten zum „allerletzten Duell um den goldenen Schwan“ an. Auf der Bühne stehen David Friedrich, Lisa Pauline Wagner, Tommy & Annika, Kaleb Erdmann und Anna Bartling; moderiert wird der Abend von Julian Heun. Gerade die Verbindung aus Strandbad, Sonnenuntergang, Musik und Slam macht den Abend ungewöhnlich: Literatur verlässt hier den klassischen Veranstaltungsraum und wird zum spätsommerlichen Open Air.
Wann: Samstag, 12. September, 19 Uhr
Wo: Strandbad Orankesee, Gertrudstraße 7, Alt-Hohenschönhausen
Tipp 7: Verbringt einen Tag im Grünen am Kulturforum
Am Sonntag müsst ihr euch am Kulturforum nicht zwischen Architektur, Musik und Familienprogramm entscheiden. Beim Sommerfest „Tag im Grünen“ verwandeln sich die Häuser des Kulturforums von 11 bis 19 Uhr gemeinsam in eine große Bühne. In diesem Jahr steht die Architektur im Mittelpunkt.
Ihr könnt bei Architekturführungen die (Bau-)Geschichte der Philharmonie kennenlernen oder mit Kindern an der Familienführung „Unser Klangschiff“ teilnehmen. Auf dem Scharounplatz spielen Mitglieder der Berliner Philharmoniker und der Karajan-Akademie ein Überraschungsprogramm auf der VeloStage. Dazu zieht sich Berlins längste Tafel über den Platz: Hier könnt ihr Platz nehmen, Musik hören und kulinarische Angebote nutzen. Führungen, Workshops, Vorträge, Ausstellungen und ein Gottesdienst ergänzen den Tag. So wird nicht nur die Philharmonie zum Ziel, sondern das gesamte Kulturforum zum Ort für einen ausgedehnten Sonntag.
Wann: Sonntag, 13. September, 11–19 Uhr
Wo: Kulturforum Berlin, Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz, Tiergarten
Tipp 8: Diskutiert mit bei der Langen Nacht des Klimas
Wie lässt sich über die Klimakrise sprechen, ohne bei Krisenstimmung stehenzubleiben? Die Lange Nacht des Klimas stellt genau diese Frage: Unter dem Motto „Mit guter Stimmung gegen schlechtes Klima“ treffen in der Kulturfabrik Moabit Impulsvorträge und Panels auf Filme, Musik, Performances, Interventionen, Foren und Workshops.
Mit dabei sind unter anderem der Journalist und Aktivist Arne Semsrott, die Energieökonomin Claudia Kemfert, der Soziologe Matthias Quent, die Klimaforscherin Levke Caesar, der Klimaaktivist Jakob Springfeld, die Journalistin Susanne Götze, der KI- und Nachhaltigkeitsexperte Julian Bothe sowie Comedian Sebastian 23. Wie kann Wandel Energie wecken und Freude machen, wie ist konkret unsere Gesundheit mit der unseres Planeten verbunden, welchen Einfluss haben KI, Narrative und Tech-Unternehmen auf das Klima? Fragen, die den Abend zum Treffpunkt für alle machen, die nicht nur zuhören, sondern mitdenken und diskutieren möchten.
Wann: Samstag, 12. September, ab 16 Uhr
Wo: Kulturfabrik Moabit, Lehrter Straße 35, Moabit
Tipp 9: Begegnet T. rex Tristan und einem 13 Meter hohen Saurier
Wer an diesem Wochenende Millionen Jahre zurückreisen möchte, geht ins Museum für Naturkunde. Dort ist T. rex Tristan Otto noch bis zum 30. November in der Ausstellung „Dinosaurier! Zeitalter der Riesenechsen“ zu sehen. Aber ihr begegnet auch anderen Dinosauriern aus Trias, Jura und Kreidezeit:
In der Saurierwelt des Museums erzählen Giraffatitan, der Urvogel Archaeopteryx und Fossilien aus Tendaguru von Forschung, Erdgeschichte und kolonialen Kontexten. Besonders eindrucksvoll wird der Größenunterschied, wenn ihr im zentralen Lichthof nach oben schaut: Der Schädel des Giraffatitan befindet sich in 13 Metern Höhe auf dem größten montierten Dinosaurierskelett der Welt. Für Familien gibt es außerdem eine Kinderversion des digitalen Guides auf Deutsch und Englisch. Für den Museumsbesuch benötigt ihr ein Zeitfenster-Ticket.
Wann: Freitag 9.30–18 Uhr, Samstag & Sonntag 10–18 Uhr
Wo: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, Mitte
Tipp 10: Feiert mit Winzern am Lichtenrader Dorfteich
Am Dorfteich, mit Weingläsern und historischen Kostümen bekommt der Berliner Kiez Lichtenrade an diesem Wochenende einen besonderen Charakter: Auf dem 39. Wein- und Winzerfest Lichtenrade präsentieren kleine, selbst vermarktende Familienweingüter ihre Weine, während Kunsthandwerk und Live-Musik das Ufer beleben.
Am Freitag und Samstag spielt „Krüger Rockt!“ ab 18 Uhr, am Samstag und Sonntag mischt sich die Jazzpolizei zwischen 15 und 18 Uhr unter die Gäste. Besonders auffällig wirds am Samstag, wenn die Höfische Gesellschaft Lichtenrade mit Reifröcken, Perücken, Frack und Zylinder erscheint. Um 13 und 15 Uhr führt sie gemeinsam mit freiwilligen Tanzbegeisterten einen höfischen Tanz auf. Zwischen Weinständen findet ihr außerdem Schmuck, Hüte, Glasobjekte, Holzkunst, Gemälde und weiteres Kunsthandwerk.
Wann: Freitag 14–23 Uhr, Samstag 12–23 Uhr, Kunst und Kunsthandwerk laut Veranstalter an allen drei Tagen 11–20 Uhr
Wo: Alt-Lichtenrade, rund um den Dorfteich, Lichtenrade
Tipp 11: Erlebt bei PERFORM! die Schwerkraft neu
Was passiert, wenn Tänzer:innen nicht auf einer Bühne, sondern an einer Museumswand agieren? Bei PERFORM!, dem fünften Performance Art-Festival der Neuen Nationalgalerie, wird Trisha Browns „Walking on the Wall“ von 1971 an der Glasfassade des Mies-van-der-Rohe-Baus gezeigt. Sieben Tänzer bewegen sich dabei mithilfe von Seilen und Körpergurten an der Wand – eine Arbeit, die alltägliche Bewegung in ein neues Verhältnis zur Schwerkraft setzt.
Am Wochenende könnt ihr das Werk Freitag und Samstag um 17 Uhr sowie Sonntag zweimal erleben. Am Sonntag erweitert sich das Programm unter anderem um Miriam Kongstads „Hard Play“: Ein 1,5 Meter langer Zopf verwandelt sich darin symbolisch in Prinzessinnenhaar, Hundeleine, Lasso, Springseil oder Peitsche. Auch Kianí Del Valles KDV Performance Group ist am Sonntag zu erleben. Ihre ortsspezifische Arbeit verbindet Tanz, Stunt-Elemente und Architektur. Damit feiert die Neue Nationalgalerie den Abschluss der Berlin Art Week.
Wann: Freitag 17–17.30 Uhr, Samstag 17–17.30 Uhr, Sonntag Programm ab 14 Uhr, „Walking on the Wall“ außerdem 18.30–19 Uhr
Wo: Neue Nationalgalerie, Terrasse, Potsdamer Straße 50, Tiergarten
Perform!
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