Nach diesem November-Wochenende jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 37. Mal. Eine gute Gelegenheit, euch auf die Spuren der Friedlichen Revolution zu begeben und zu erkunden, wie Freiheit und Wiedervereinigung Berlin bis heute prägen. Die Berlin Freedom Week lädt zum Austausch über Demokratie und Menschenrechte ein, während euch die Ausstellung „Tanzflächen der Wiedervereinigung“ in die aufregende Clubkultur der Nachwendezeit mitnimmt. Daneben zeigt sich Berlin von seiner kreativen Seite: mit faszinierender Lichtkunst, spannenden Einblicken in die Wissenschaft und einem abwechslungsreichen Kulturprogramm zwischen Oper, Film und Performance.
Tipp 1: Erlebt die Berlin Freedom Week und diskutiert über die Freiheit
Wie viel Mut braucht es, um eine Gesellschaft zu verändern? Und was bedeutet Freiheit heute? Mit der Berlin Freedom Week rückt die Hauptstadt vom 7. bis 14. November Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Wandel in den Mittelpunkt. Zum Auftakt am Samstag könnt ihr euch mit den großen Fragen unserer Zeit beschäftigen und neue Perspektiven auf Freiheit und Mitbestimmung entdecken.
Konferenzen, Diskussionen, Lesungen, Filmvorführungen und Führungen verwandeln Berlin in einen Ort des internationalen Austauschs. Aktivist:innen, politische Entscheidungsträger:innen und zivilgesellschaftliche Initiativen kommen zusammen, um über demokratische Werte und gesellschaftliche Veränderungen zu sprechen.
Dabei ist die Geschichte Berlins stets präsent: Die Friedliche Revolution und der Fall der Mauer zeigen, wie Menschen mit Mut und Zusammenhalt Geschichte schreiben können. Gerade rund um den Jahrestag des Mauerfalls am 9. November bekommt die Veranstaltungswoche eine besondere Bedeutung.
Tipp: Hört dazu unsere Berlin Unboxed Podcastfolge Vom Bruderkuss bis Belarus, in der wir bei einem Spaziergang entlang der East Side Gallery mit Anna aus Belarus und Frank Ebert, ehemals Oppositioneller in der DDR und heute Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, darüber sprechen, was Freiheit heute bedeutet.
Wann: Samstag, 7. November, und Sonntag, 8. November; die Berlin Freedom Week läuft bis 14. November 2026
Wo: Verschiedene Veranstaltungsorte in Berlin
Tipp 2: Schaut bei der Berlin Science Week in die Zukunft
Was passiert, wenn Wissenschaft auf Kunst, Gesellschaft und die großen Fragen unserer Zukunft trifft? Das internationale Wissenschaftsfestival bringt vom 1. bis 10. November Menschen zusammen, die Wissen teilen, Ideen hinterfragen und gemeinsam über die Welt von morgen nachdenken. Am Wochenende könnt ihr in die Berliner Wissenschaftsszene eintauchen und entdecken, wie Forschung unseren Alltag und unsere Zukunft prägt. Das Festival setzt auf den Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit und macht komplexe Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zugänglich.
Passend zum diesjährigen Motto „In Touch“ geht es darum, wie Forschung unser Leben berührt und Menschen miteinander verbindet. Besonders spannend: Im neuen Festivalzentrum im Haus der Kulturen der Welt stehen an drei Tagen mehr als 100 Veranstaltungen auf dem Programm. Am Freitag diskutiert KI-Forscher Yoshua Bengio über Vertrauen und Verantwortung, am Samstag trifft Wissenschaft bei „Cells’ Ears“ auf lebende Herzzellen und am Sonntag geht es bei den Ig-Nobelpreisen um Forschung, die erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt.
Wann: Freitag, 6. November, bis Sonntag, 8. November 2026, verschiedene Uhrzeiten
Wo: Festivalzentrum im Haus der Kulturen der Welt, Tiergarten, sowie weitere Veranstaltungsorte in Berlin
Tipp 3: Blickt bei „Hinter Knastmauern“ in Moabits bewegte Vergangenheit
Wo heute ein Park zum Spazieren einlädt, standen einst Gefängnismauern, hinter denen sich dramatische Kapitel Berliner Geschichte abspielten. Bei der zweistündigen Stadtführung „Hinter Knastmauern: Eingesperrt in Moabit“ entdeckt ihr einen Stadtteil, dessen Vergangenheit von Kriminalität, politischem Widerstand und gesellschaftlichen Umbrüchen erzählt.
Eure Spurensuche beginnt am ehemaligen Zellengefängnis Moabit. Entlang der erhaltenen Mauern erfahrt ihr mehr über politische Gefangene und den Widerstand gegen das NS-Regime. Anschließend führt euch der Weg zu einem ehemaligen Frauengefängnis, das in den 1970er Jahren durch die Flucht von RAF-Mitgliedern Schlagzeilen machte.
Filmfans dürfte der Ort ebenfalls bekannt vorkommen: Das Gelände diente unter anderem als Drehort für die Serie Babylon Berlin.
Wann: Termin am Samstag, 7. November, 11 Uhr
Wo: Treffpunkt Bushaltestelle Seydlitzstraße, Lehrter Straße 4, Moabit
Tipp 4: Genießt beim Berlin Tea Festival in die Welt des Tees
Tee kann weit mehr als wärmen: Er erzählt von jahrhundertealten Traditionen, Handwerkskunst und den Menschen, die ihn herstellen. Beim Berlin Tea Festival im silent green Kulturquartier dreht sich am Wochenende alles um die Welt der Teekultur. Unter dem Motto „Closer to Tea“ präsentieren rund 70 Aussteller:innen ihre Tees, darunter Produzent:innen aus China, Japan, Südkorea, Taiwan und Malawi, die persönlich von ihrer Arbeit berichten.
Mit einem eigens gestalteten Verkostungsschälchen könnt ihr euch durch unterschiedliche Teesorten probieren - von japanischem Gyokuro über Oolong bis zu kräftigem Pu-Erh. Rund 55 Workshops, Teezeremonien, Talks und Filmvorführungen eröffnen weitere Perspektiven. Besonders ungewöhnlich: Bei „The Echo of the Leaf“ hört ihr die Geräusche von Teefeldern und Röstereien, während ein Workshop zeigt, wie sich Textilien mit gebrauchten Teeblättern färben lassen.
Wichtig zu wissen: Für die zusätzlichen Programmangebote benötigt ihr separate Buchungen.
Wann: Samstag, 7. November, und Sonntag, 8. November 2026, jeweils 11–19 Uhr
Wo: silent green Kulturquartier, Gerichtstraße 35, Wedding
Tipp 5: Erlebt historische Druckkunst im Käthe-Kollwitz-Museum
Wie entsteht aus einem schweren Stein ein Kunstwerk auf Papier? Im Käthe-Kollwitz-Museum könnt ihr am Samstag eine historische Druckpresse aus dem Jahr 1866 in Aktion erleben. Beim „Wochenende der Grafik“ zeigt euch eine öffentliche Schauvorführung, wie die Lithografie funktioniert - ein Druckverfahren, das auch für die Künstlerin Käthe Kollwitz eine zentrale Rolle spielte.
Fast die Hälfte ihrer 275 druckgrafischen Werke schuf Kollwitz als Lithografien. Mit dieser Technik konnte sie ihre eindringlichen Bilder in größeren Auflagen verbreiten und so viele Menschen erreichen. Besonders spannend ist die Geschichte der historischen Druckpresse: Der Berliner Druckermeister Dietmar Liebsch entdeckte sie in den 1970er Jahren zusammen mit zwei originalen Lithografiesteinen von Käthe Kollwitz in einem Keller. Später restaurierte er die Presse und machte sie wieder funktionsfähig. Normalerweise bleibt dieses Sammlungsstück den Museumsbesucher:innen verborgen.
Gut zu wissen: Am Samstag könnt ihr unter Anleitung von Diogo deCalle einen Blick hinter die Kulissen der Druckkunst werfen. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich.
Wann: Samstag, 7. November 2026, 11.30 Uhr, Dauer: 60 Minuten, Anmeldung unter bildung@kaethe-kollwitz.de
Wo: Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Theaterbau am Schloss Charlottenburg, Spandauer Damm 10, Charlottenburg
Tipp 6: Feiert queere Bühnenkunst beim Queer Performance Festival
Was passiert, wenn Drag auf Ballett trifft und digitale Identitäten auf körperlichen Ausdruck? Das Queer Performance Festival kehrt mit seiner zweiten Ausgabe ins Theater im Delphi zurück und bringt die Berliner queere Performanceszene auf eine gemeinsame Bühne. Unter dem Titel „404 Identity not found“ erwartet euch ein Abend zwischen Tanz, Ballroom, zeitgenössischem Zirkus, Performancekunst und Musik.
Mit dabei sind unter anderem Corazón, D-Dur Dykes, Lihla, Mandhla, QUI CHIU und Ṣikẹmi. Ihre Performances beschäftigen sich mit Identität im digitalen Zeitalter: Wie zeigen wir uns anderen, wann bleiben wir unsichtbar und wo entsteht Zugehörigkeit? Zwischen Selbstinszenierung und Widerstand entstehen ganz unterschiedliche künstlerische Antworten. Gerade das Aufeinandertreffen verschiedener Stile und Perspektiven macht den Reiz des Festivals aus.
Wann: Samstag, 7. November 2026, 20 Uhr
Wo: Theater im Delphi, Gustav-Adolf-Straße 2, Weißensee
Tipp 7: Lasst euch bei LICHTenberg von Licht und Klang verzaubern
Wo früher Menschen ihre Bahnen zogen, tanzen jetzt Licht und Klang durch die Hallen. Am Samstag feiert LICHTenberg – Licht, Sound & Atmosphäre Premiere im historischen Stadtbad Lichtenberg und verwandelt die rund 100 Jahre alte Architektur in eine begehbare Lichtinstallation. Zwei ehemalige Schwimmhallen werden dabei zu ganz unterschiedlichen Klang- und Farbräumen.
Während euch in der einen Halle sanfte Klänge und fließende Farbverläufe umgeben, sorgen in der anderen elektronische Beats, Filmmusik und bekannte Melodien aus Videospielen für kraftvolle Lichtimpulse. Besonders reizvoll ist der Besuch in der Dämmerung: Wenn das Tageslicht langsam verschwindet, verändert sich die Wirkung der Projektionen auf die historische Architektur. Für euren Rundgang solltet ihr etwa 60 bis 90 Minuten einplanen. Die Haupthalle ist beheizt, die Nebenhalle bleibt ungeheizt.
Wann: Samstag, 7. November, und Sonntag, 8. November 2026, jeweils 12–20 Uhr
Wo: Stadtbad Lichtenberg, Hubertusstraße 47–49, Lichtenberg
Tipp 8: Taucht bei den Barocktagen in die zeitlose Welt der Oper
Intrigen, große Gefühle und Musik, die Jahrhunderte überdauert: Am Samstag starten die Barocktage 2026 an der Staatsoper Unter den Linden. Bis zum 27. November spannt das Festival einen musikalischen Bogen von den Anfängen der Oper bis zu Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice, einem Werk an der Schwelle zwischen Barock und Klassik.
Auf dem Programm stehen auch zwei berühmte Opern des 17. Jahrhunderts: Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea und Henry Purcells Dido & Aeneas, gespielt von der Akademie für Alte Musik Berlin. Ein weiterer Schwerpunkt ist Francesco Cavallis La Calisto in einer Neuinszenierung von Stefan Herheim. Für die musikalische Gestaltung ist unter anderem Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata zu erleben. Gerade das Auftaktwochenende bietet euch die Gelegenheit, in die Klangwelt des Barock einzutauchen und zu entdecken, wie zeitlos die Geschichten von Liebe, Macht und Leidenschaft auf der Opernbühne geblieben sind.
Wann: Samstag, 7. November 2026, 20 Uhr, und Sonntag, 8. November 2026, 18 Uhr
Wo: Staatsoper Unter den Linden, Unter den Linden 7, Mitte
Tipp 9: Entdeckt neuen Perspektiven im Museum für Fotografie
Begebt euch an diesem Wochenende auf Entdeckungsreise durch die Geschichte und Gegenwart der Fotografie. Mit der Tageskarte habt ihr Zugang zu allen geöffneten Ausstellungen des Hauses und könnt selbst entscheiden, welchen Bildern ihr mehr Zeit widmet.
Besonders prägend ist die Helmut Newton Stiftung, die dem Werk des international bekannten Modefotografen gewidmet ist. Seine Aufnahmen bewegen sich zwischen Mode, Porträt und Inszenierung und zeigen, wie Fotografie mit Perspektiven, Rollenbildern und gesellschaftlichen Vorstellungen spielt. Daneben eröffnet die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek weitere Einblicke in das Medium.
Besonders spannend an diesem Wochenende sind drei Ausstellungen: In „Rooms / Stages“ werden Räume selbst zum Hauptmotiv der Fotografie. „Helmut Newton’s One-off Album“ zeigt 112 Originalabzüge aus einem einzigartigen, 1999 zusammengestellten Album, das erstmals außerhalb der Schweiz in Berlin zu sehen ist. Und „Intermezzo. Revisiting Helmut Newton“ beleuchtet mit historischen Plakaten und Modezeitschriften den Wandel der Modefotografie.
Gut zu wissen: Die beiden erstgenannten Ausstellungen laufen nur noch bis zum 15. November – ein guter Anlass, euren Museumsbesuch jetzt einzuplanen.
Wann: Freitag, 6. November, Samstag, 7. November, und Sonntag, 8. November 2026, jeweils 11–19 Uhr
Wo: Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, Charlottenburg
Tipp 10: Lernt mehr über die baltische Filmgeschichten bei „Litauisches Kino Goes Berlin“
Wie sieht der Alltag im heutigen Litauen aus? Welche Geschichten erzählen junge Filmemacher:innen aus dem Baltikum? Das Filmfestival „Litauisches Kino Goes Berlin“ bringt aktuelle und historische Spiel- und Kurzfilme aus Litauen, Lettland und Estland auf Berliner Kinoleinwände. Zwischen persönlichen Geschichten, gesellschaftlichen Fragen und überraschenden Perspektiven könnt ihr eine Filmszene kennenlernen, die hierzulande nur selten im Rampenlicht steht.
Besonders spannend ist die Reihe „Festival Pearls“ mit aktuellen litauischen Spielfilmen. In „Female Shorts“ stehen sechs Kurzfilme von Regisseurinnen im Mittelpunkt, die sich mit Identität, Beziehungen und gesellschaftlichen Veränderungen beschäftigen. Gespräche mit Filmschaffenden ermöglichen außerdem einen Blick hinter die Kulissen.
Wann: Freitag, 6. November bis Sonntag, 8. November 2026
Wo: Kino Sputnik, Höfe am Südstern, Kreuzberg, und ACUD Kino, Veteranenstraße 21, Mitte
Tipp 11: Gleitet bei WINTERLIGHTS durch einen leuchtenden Winterwald
Über euren Köpfen schweben Hunderte Tannenbäume, unter euren Füßen fließen Lichtmuster durch das Eis: Bei WINTERLIGHTS '26 verwandelt der Berliner Lichtkünstler Christopher Bauder die TRANSFORMATOR-Kunsthalle von DARK MATTER in eine winterliche Fantasiewelt. Wandelt auf 1.000 Quadratmetern durch eine wundersame Winterwelt aus mehr als 600 schwebenden Tannenbäumen und über 300.000 Lichtpunkten.
Das Besondere in diesem Jahr: Die vergrößerte Eisbahn wird erstmals selbst Teil der Inszenierung. Tausende im Eis eingelassene Lichter erzeugen wechselnde Farben und Animationen, durch die ihr auf Schlittschuhen hindurchgleiten könnt. Dazu erklingt eine eigens komponierte Klanglandschaft des niederländischen Musikers Chris Kuijten. Alle 45 Minuten entfaltet sich eine neue Licht- und Klangchoreografie.
Gut zu wissen: Schlittschuhe könnt ihr vor Ort ausleihen, zum Aufwärmen gibt es Glühwein und alkoholfreier Punsch.
Wann: Freitag, 6. November, Samstag, 7. November, und Sonntag, 8. November 2026
Wo: TRANSFORMATOR-Kunsthalle, DARK MATTER, Berlin
Letzte Chance: „Tanzflächen der Wiedervereinigung“
Verlassene Gebäude, besetzte Häuser und improvisierte Tanzflächen: Nach dem Mauerfall wurde Berlin zum Experimentierfeld. Die multimediale Ausstellung „Tanzflächen der Wiedervereinigung“ nimmt euch mit in diese bewegte Zeit, in der Freiflächen in neue Orte der Begegnung umfunktioniert wurden. Hier trafen sich Jugendliche aus Ost und West und tanzten gemeinsam zu den Beats, für die Berlin bis heute berühmt ist.
Für die Ausstellung öffnen sich erstmals die bislang unzugänglichen Kellergewölbe des Kraftwerks Berlin, die unter dem Namen SOURCE selbst Teil der Inszenierung werden.
Unter anderem seht ihr Lichtinstallationen von Lars Murasch, hört Sounds von Cecilia Tosh und taucht in Videocollagen von Jascha Müller-Guthof, die die Geschichte auch sinnlich erfahrbar machen. Dabei geht es nicht nur um Techno und Aufbruchsstimmung, sondern auch um Ausgrenzung, gesellschaftliche Umbrüche und bislang wenig gehörte Perspektiven. Besonders passend zum Wochenende vor dem Jahrestag des Mauerfalls: Am 9. November endet die Ausstellung, danach schließen sich die unterirdischen Räume wieder.
Wann: Freitag, 6. November, Samstag, 7. November, und Sonntag, 8. November 2026, jeweils 15–21 Uhr
Wo: Kraftwerk Berlin, Köpenicker Straße 70, Mitte
Tanzflächen der Wiedervereinigung
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