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Rathenau-Hallen: Visionen eines Berliner Ingenieurs

Starke Geschichten aus Berlin

Industriekultur in Oberschöneweide_Berlin
Industriekultur in Oberschöneweide © visitBerlin, Foto: Nele Niederstadt

Mit Mut und Humor hat es Berlin schon durch so manche Krise geschafft. Deshalb haben wir für euch einen Blick auf die vergangenen 600 Jahre Geschichte geworfen und dabei viele heitere und starke Geschichten entdeckt, die unverwechselbar sind für Berlin, für Berlinerinnen und Berliner. Lasst euch inspirieren und ein bisschen stärken.

Größtes Industriedenkmal Europas

Über drei Kilometer erstreckt sich der Gebäudekomplex aus gelbem Backstein entlang der Spree. Tatsächlich findet ihr Oberschöneweide das größte zusammenhängende Denkmal für Industriekultur Europas. Einst das pumpende Herz der Elektropolis Berlin, sind die Rathenau-Hallen heute ein Zentrum für Kultur, Tech und Startups: eine Nutzung ganz im Sinne des Namensgebers und AEG-Gründers Emil Rathenau, einem echten Visionär der damaligen Zeit.

Mit der Gründung der Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft AEG schuf der Unternehmer 1887 nicht nur einen Weltkonzern. Emil Rathenau setzte mit seinen Ideen vom Einsatz moderner Technologie ganz Berlin unter Strom und schaffte so die Voraussetzungen für eine moderne und innovationsgetriebene Stadtentwicklung.

In Paris geht Rathenau ein Licht auf

1877, also rund zehn Jahre vor Gründung der AEG, überschreitet Berlin die Millioneneinwohnergrenze. Mit dem Kaiserreich war 1871 ein einheitlicher Wirtschaftsraum entstanden und mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes strömen immer mehr Menschen, um in großen Städte wie Berlin ihr Glück zu machen. Damals arbeitet Rathenau in der Lokomotivfabrik August Borsig, damals der größten in ganz Europa. Doch Rathenau denkt größer!

Gepackt von den Möglichkeiten der Industrialisierung zieht es ihn nach England, wo er zwei Jahre lang bei unterschiedlichen Unternehmen lernt und arbeitet. Nach seiner Rückkehr macht er sich mit dem Kauf einer Maschinenbaufabrik selbständig. Als diese in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird, steigt er aus und versucht stattdessen ein Fernsprechnetz zu etablieren. Dies scheitert, ebenso wie sein Versuch Werner von Siemens für die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung in Berlin zu gewinnen. Doch Rathenau gibt trotz allem nicht auf.

Auf der Elektrizitätsausstellung in Paris begeistert er sich für die Glühbirne von Thomas Edison und überzeugt diesen davon, ihm die Rechte zur Nutzung in Deutschland zu überlassen. Und mit der Glühbirne kommt der Erfolg. Denn wer modernes Licht in seine Wohnung bringen möchte, der braucht Strom. Und den liefert die von Rathenau gegründete Deutschen Edison Gesellschaft, die er 1887 in die Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft umwandelt, kurz AEG. Damit hat Rathenau es endgültig geschafft!

Berlin wird zur Elektropolis

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Schon bald gibt es im Innenstadtbereich nicht mehr ausreichend Platz, um genug Elektrizität für den steigenden Stromverbrauch zu erzeugen. In Oberschöneweide findet Rathenau den idealen Standort für seine Vision eines modernen Kraftwerks. 1897 geht dann mit dem Kabelwerk Oberspree die modernste Fabrikanlage Europas ans Netz. Statt Dampfmaschinen treiben Elektromotoren die Produktion, angetrieben vom ersten Drehstromkraftwerk in ganz Europa, dem Kraftwerk Oberspree.

Über die nächsten 30 Jahre kommen weitere Hallen und Anlagen dazu. Längst ist die AEG international erfolgreich, beschäftigt 3000 Mitarbeiter. Und Rathenau ersinnt immer weitere Ideen, um die Innovationskraft der Elektrizität von den Städten auch hinaus in die Kommunen zu tragen. So bietet er diesen an, Kraftwerke vor Ort zu errichten und ihnen das Vorkaufsrecht einzuräumen, sollten sie genug Kapital aufbringen können. 1915 stirbt Emil Rathenau. Sein Sohn Walther führt als Präsident gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Felix Deutsch das Unternehmen weiter.

Im Zweiten Weltkrieg werden zwar Teile des Werks zerstört, das dennoch als Volkseigener Betrieb in der DDR weiter Strom liefert. Nach der Wiedervereinigung kann das Kabelwerk jedoch nicht am Markt bestehen und wird 1995 geschlossen.

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Josefine Köhn-Haskins

Josefine

ist in München aufgewachsen, hat dort studiert und bei der SZ volontiert. Auf der Suche nach neuen Abenteuern entdeckte sie erst New York, dann Miami und berichtete als Trendscout und Korrespondentin für verschiedene Publikationen. Ihr Zuhause fand sie dann aber in Berlin. Fasziniert von den vielen Facetten der Stadt ist sie kreuz und quer in den Kiezen unterwegs und beschäftigt sich gerne mit Zukunftsideen und Smart City Konzepten für ein innovatives Berlin.

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