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Humboldt Forum vor 572 Jahren: Schloss unter Wasser

Starke Geschichten aus Berlin

Humboldt Forum Berlin - Ostfassade
Humboldt Forum Berlin - Ostfassade © Foto: Sönke Schneidewind

Jahrelang die große „Schlossbaustelle“ in Berlin, kritische Bürgerinnen und Bürger – das ist noch nicht lange her. Doch wusstet ihr, dass die Berliner hier schon vor bald 600 Jahren gegen eine Schlossbaustelle protestierten? Und das nicht zimperlich!

Das neue Humboldt Forum: Vor 600 Jahren herrschte hier schon Hochbetrieb

Nach langer Bauzeit öffnet am 16. Dezember das neue Forum für Wissenschaft, Kunst und Kultur, das Humboldt Forum - zunächst digital - seine Türen. Kaum jemand ahnt, dass sich hier schon im 15. Jahrhundert eine Großbaustelle befand, die bei den Berlinern erheblichen Unmut auslöste.

Den Berlinern platzt der Kragen

An einem Tag im Frühjahr 1448 passieren im Herzen des mittelalterlichen Berlin ungewöhnliche Dinge.
Dort, wo sich heute das neue Humboldt Forum an der Spree erhebt, baut der unbeliebte Kurfürst Friedrich II. gerade ein erstes Schloss- mitten im Herzen der Stadt. Von hier aus hofft er, die freiheitsliebenden und widerspenstigen Berliner besser kontrollieren zu können und ein klares Zeichen der Macht zu setzen. Natürlich ganz gegen den Willen der Bevölkerung, die seit Jahren gegen seinen Herrschaftsanspruch kämpft. Um nichts in der Welt möchte man sich unter das Joch begeben und eine fürstlich regierte Residenzstadt werden.

Gerade noch haben Maurer und Handwerker schwitzend auf der Schlossbaustelle geschuftet – doch wenige Momente später rennen sie Hals über Kopf davon. Sie flüchten vor den Wassermassen der Spree, die sich in Nullkommanichts über Gruben, Holzstapel und Sandhaufen ergießen, über das Gelände spülen und alles mitreißen. Ein Stück weit entfernt feiern zahlreiche Berliner Bürger lautstark triumphierend ihre pfiffige Aktion: Mit Hacken und Äxten bewaffnet, haben sie all ihrem Unmut Luft gemacht, kurzerhand den Staudamm zur Spree eingeschlagen und damit die Baugrube zum See gemacht. Wo ein prächtiger Palast in die Höhe wachsen sollte, ist jetzt weit und breit… Matsch zu sehen. Das Stauwehr, welches besonders im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze die Baustelle vor Überflutung schützen sollte, ist eine kümmerliche Bruchstelle.

Das Ende der Geschichte

Bekannt ist das Ende der Geschichte: Nach zahlreichen, weiterhin handgreiflichen Auseinandersetzungen gewann der Kurfürst doch die Oberhand. Schon am 18. Juni mussten die Bürger klein beigeben und dem sogenannten mussbrieff zustimmen.  Das Schloss wurde bekanntlich genau an der gleichen Stelle gebaut und es begann die 500-jährige wechselvolle Herrschaftszeit der Hohenzollern in Berlin.

Berliner Stadtschloss 1898
Berliner Stadtschloss 1898 © Landesarchiv Berlin

 

Auch, wenn gute und schlechte Zeiten der Stadt Berlin fortan für rund ein halbes Jahrtausend an Aufstieg und Krisen der Hohenzollern gebunden bleiben sollten: Dieser frühe Tag des Aufruhrs, in dem sich alle bürgerliche Wut gegen den wachsenden Machtanspruch des Kurfürsten entlud, wurde nicht vergessen. Die Zeit des Widerstandes ging als „Berliner Unwillen“ in die Stadtgeschichte ein.  

Übrigens:

  • 1931 barg man bei Abrissarbeiten nahe der Klosterkirche ein beeindruckendes gotisches Spitzpogenportal aus Backstein. Es ist das letzte Zeugnis des einstigen „Hohen Hauses“, dem damaligen Berliner Wohnsitz des Kurfürsten. Zur Zeit des Unwillens drangen aufgebrachte Bürger durch dieses Portal in die herrschaftlichen Räume des Kurfürsten vor, verprügelten die kurfürstlichen Beamten und durchwühlten und verwüsteten das Interieur. Heute ist dieses Portal im Märkischen Museum zu sehen.
  • Wie das erste Stadtschloss in Berlin, welches Kurfürst Friedrich II. gegen die Bevölkerung des mittelalterlichen Berlin durchsetzte, ausgesehen hat, können wir nicht mehr genau sagen. Wahrscheinlich handelte es sich um einen zweiflügeligen Backsteinbau im Stil der damals modernen spätgotischen Spitzbögen. Seine archäologischen Reste wurden bei der Errichtung des Palastes der Republik unter der DDR Führung zerstört.
  • Das neue Humboldt Forum am Ort wird Mitte Dezember digital eröffnen und online Einblicke in die Ausstellungen geben.
  • Weitere spannende Geschichten aus Berlins Vergangenheit findet ihr auf unserer App About Berlin, kostenlos zum Downloaden.

 

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