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Berliner Philharmoniker: Wir entscheiden selbst!

Starke Geschichten aus Berlin

Kirill Petrenko dirigiert die Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko dirigiert die Berliner Philharmoniker © Foto: Monika Rittershaus

Mit Mut und Humor hat es Berlin schon durch so manche Krise geschafft. Deshalb haben wir für euch einen Blick auf die vergangenen 600 Jahre Geschichte geworfen und dabei viele heitere und starke Geschichten entdeckt, die unverwechselbar sind für Berlin, für Berlinerinnen und Berliner. Lasst euch inspirieren und ein bisschen stärken. 

Man kann es gar nicht in Worte fassen…

»Man kann es gar nicht in Worte fassen, was in mir gefühlsmäßig vorgeht: Von Euphorie und großer Freude bis zu Ehrfurcht und Zweifel ist da alles drin. Ich werde meine ganze Kraft mobilisieren, diesem außergewöhnlichen Orchester ein würdiger Leiter zu sein (…).“ *
 – so die erste Reaktion des russischen Dirigenten Kirill Petrenko im Juni 2015 auf seine Wahl zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker.
Die Berliner Philharmoniker sind eines der berühmtesten, weltweit führenden Sinfonieorchester – mit einer einzigartigen Tradition der Selbstbestimmung. Zum Beispiel, wenn ein neuer Chefdirigent bestimmt werden soll.

Kirill Petrenko dirigiert die Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko dirigiert die Berliner Philharmoniker © Foto: Monika Rittershaus

Wer wird unser Chefdirigent?

Einzig die 128 Vollmitglieder des Orchesters stimmen in einer geheimen Wahl darüber ab, wer die künstlerische Gesamtverantwortung für sie übernehmen, wer ihre musikalische Entwicklung zukünftig prägen soll. Kein Intendant, kein Vertreter der Politik darf hier Einfluss nehmen. Ebenso ungewöhnlich: Es werden keine offiziellen Kandidaten aufgestellt. Im Prinzip kann jeder lebende Dirigent durch einen simplen Anruf der Berliner Philharmoniker plötzlich an die Weltspitze der klassischen Musik befördert werden - wenn die Wahl auf ihn gefallen ist.

Wer gehört zu unserem Orchester?

Freiheit und Selbstbestimmung des Berliner Orchesters zeigen sich auch in anderen “Spielregeln”: Allein die Philharmoniker entscheiden über eine Probezeit und über die endgültige Aufnahme eines neuen Musikers. Und haben einen entscheidenden Einfluss auf die Auswahl von Gastdirigenten, auf Programmgestaltung und Auftrittsorte.

Kampf um Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit: der 1. Mai 1882

Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein fallen für niemanden vom Himmel, sind zumeist die Früchte zäher Entwicklungsprozesse. Die mutigen Bestrebungen der Berliner Philharmoniker beginnen früh, zur Zeit ihrer Gründung:

Am 1. Mai 1882 feiert eine Gruppe von 54 Orchestermusikern ausgelassen in Berlin. Sie haben sich nach Streitigkeiten von ihrem bisherigen Leiter Benjamin Bilse getrennt. Man ist sich einig: Schluss mit der schlechten Bezahlung, Schluss damit, auf Tourneen in Eisenbahnwaggons der Holzklasse zu reisen. Benjamin Bilse ist ein überegional bekannter Berliner Musikkapellmeister und Komponist, aber nun weigert sich sein Orchester, neue Verträge mit ihm zu unterschreiben - im ausgehenden 19. Jahrhundert für Musiker ein rebellischer, mutiger Schritt.
Gemeinschaftlich beschließen sie, einen Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und wirtschaftliche Risiken selbst zu tragen.

Berliner Gartenlokale und eine Rollschuhbahn

Die Anfangszeit der frisch gebackenen Philharmoniker ist schwierig: Gespielt wird in Gartenlokalen und vor Kurgästen, später gelingt es, einen Raum in der Bernburger Straße, eine ehemalige Rollschuhbahn, zu einem ersten eigenen Konzertsaal herzurichten. Er erhält den altgriechischen Namen „Philharmonie“ – was so viel bedeutet wie “Liebe zur Harmonie, zur Musik”.
Die ersten fünf Jahre sind zwar von musikalischen Erfolgen, aber auch von herben Rückschlägen und schweren Existenzkrisen geprägt. Doch zähes Durchhalten und Weitermachen zahlen sich aus, das Orchester weckt schließlich das Interesse namhafter Größen.

Der Durchbruch

Am 21. Oktober 1887 gibt der bedeutendste Dirigent seiner Zeit, Hans von Bülow, mit den Philharmonikern in Berlin sein erstes Konzert - als  Chefdirigent. Der Weg in eine glanzvolle musikalische Zukunft beginnt.

Hier die erste bekannte Aufnahme der Berliner Philharmoniker aus dem Jahr darauf, 1888:

Erstes bekanntes Foto der Berliner Philarmoniker von 1888
Erstes bekanntes Foto der Berliner Philarmoniker von 1888 © C. Brasch/Archiv Berliner Philharmoniker

Vergessen haben die Berliner Philharmoniker ihre Vergangenheit nie:

Jährlich feiert das berühmte Orchester den Tag seiner Gründung am 1. Mai mit dem Europakonzert.
Und auch heute gilt: „Wir entscheiden selbst!“

*    Zitat Petrenko auf der Webseite der Berliner Philharmoniker

Übrigens:

  • Die alte Philharmonie in der ehemaligen Rollschuhbahn wurde bei einem Angriff der Allierten zerbombt, die Ruine 1952 gesprengt. Der Schutt landete auf dem Teufelsberg. An der Adresse in der Bernburger Strasse 22a / 23 findet ihr heute nur noch eine Gedenktafel.
  • Weitere spannende Geschichten aus Berlins Vergangenheit findet ihr auf unserer App About Berlin, kostenlos zum Downloaden.

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