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11 Clubs als Kulturräume in Berlin

Experimentierfreudig, international, politisch & queer

Party, DJs
, © GettyImages, Foto: Hinterhaus Productions

Seit Jahrzehnten machen Berlins Clubs die Stadt zu einem Sehnsuchtsort – und zu einem Magneten für Nachtschwärmer aus der ganzen Welt. Ihre Geschichte ist eng mit den großen politischen Veränderungen in der Stadt verbunden: Wie kaum eine andere Branche spiegelt die Techno- und Clubkultur die Strömungen der Zeit – und gilt deshalb auch als immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Techno sei zum Soundtrack der Aufbruchstimmung nach der Wende geworden, heißt es unter anderem in der Begründung. 

Gleichzeitig sind Clubs in Berlin weit mehr als Orte zum Feiern – sie sind pulsierende Kulturräume, die Subkulturen formen, Künstler:innen fördern und neue musikalische Strömungen prägen. Berlins Clubs bieten geschützte Räume für Austausch und neue Ideen. Wir stellen euch 11 Berliner Clubs als Kulturorte vor.

Tipp 1: Entdeckt neue Clubkultur in der Frachtkante auf dem ehemaligen Flughafen Tegel

Frachtkante
, © visitBerlin, Foto: Lea Seifert

Wo früher Flugzeuge abgefertigt wurden, entsteht ein neuer Raum für Berliner Clubkultur. Die Frachtkante entwickelt sich auf der Modellfläche TXL am ehemaligen Flughafen Tegel zu einem interdisziplinären Kulturort. Nach mehreren Pilotprojekten -  zunächst unter freiem Himmel und mit Blick auf das frühere Rollfeld - läuft nun der kontinuierliche Betrieb. Clubnächte und Konzerte gehören hier ebenso zum Konzept wie Theater, Lesungen, Flohmärkte und Workshops. Auch Probenräume und solidarische Projekte sollen ihren Platz finden.

Der Ort versteht sich als community- und gemeinwohlorientiert und möchte unterschiedlichen kulturellen und sozialen Perspektiven Raum geben.

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Frachtkante, Modellfläche TXL, Westseite des ehemaligen Flughafens Tegel; Zugang über die Haltestelle Urban Tech Republic, Tegel

Frachtkante

Tipp 2: Diskutiert bis zum Morgengrauen im ://about blank

Diskokugel
, © visitBerlin, Foto: GettyImages, Busa Photography

Der Club ://about blank am Ostkreuz ist ein Paradebeispiel für Berlins Clubkultur als gelebten Kulturbereich. Ursprünglich ein illegaler Ort, hat sich der Club in einem unscheinbaren ehemaligen Verwaltungsgebäude zu einem vielschichtigen Raum zwischen Musik, Kunst und politischer Diskussionskultur entwickelt. ://about blank versteht sich als Kollektiv, das queerfeministische und antirassistische Werte und Gemeinschaft aktiv lebt.

Getanzt wird natürlich auch, wobei sich die Musik zwischen House, Techno bewegt, jedoch immer offen ist für Genre übergreifende Experimente. Im Sommer verlagert sich das Geschehen oft nach draußen. Unter Bäumen und am Lagerfeuer wird hier bis zur Morgendämmerungen gefeiert und diskutiert.

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: ://aboutblank, Markgrafendamm 24c, Friedrichshain

://aboutblank

Tipp 3: Erlebt im Maaya die Vielfalt der afrikanischen Diaspora in Berlin

Haubentaucher
, © Oliver Leu Media

Berlin ist ein Schmelztiegel der Kulturen: Und MAAYA bringt mit seinem einzigartigen Konzept eine spannende Plattform für Kunst, Musik und Lebensgefühl der afrikanischen Diaspora nach Berlin. Inklusive Pool, Sonnendeck, mehreren Bars, einer Galerie und einem großen Garten ist dieser Club und Eventspace ein lebendiges Zentrum, in dem Vielfalt nicht nur gefeiert, sondern aktiv gestaltet wird. Freut euch auf Kunst, Kulinarik, Musik und jede Menge Lebensfreude. Und natürlich solltet ihr auch eure Badesachen nicht vergessen!

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Maaya, Alt-Stralau 70, Friedrichshain

Maaya

Tipp 4: Entdeckt Kunst, Mode und Clubkultur im Sameheads

, © GettyImages, Foto: Pedrag Vuckovic

Im Sameheads in Neukölln lässt sich kaum sagen, wo Kunst aufhört und Nachtleben anfängt. Der eigenwillige Ort in der Richardstraße verbindet Club und Bar mit Galerie, Mode und ist einfach eine tolle Plattform für kreative Experimente. Natürlich geht es auch um Musik und DJ-Sets, aber dazu gibt es eben immer noch viele Ideen für andere ungewöhnliche Formate.  Und das seit 20 Jahren! 

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Sameheads, Richardstraße 10, Neukölln

Sameheads

Tipp 5: Im SO36 Berliner Subkultur schnuppern & Rollschuh laufen

Rollschuh-Disco
, © GettyImages, Foto: powerofforever

Seine Wurzeln hat das SO36 in der Punk- und Besetzerzeit. Heute versteht sich der Veranstaltungssaal in der Oranienstraße, der nach dem Kürzel des ehemaligen Postzustellungscodes dieses Kreuzberger Kiezes benannt ist, als kreativer Schmelztiegel für Berlins bunte und queere Szenewelt. Von Lesungen und Poetry Slams  über Rollerdisco und Nachtflohmarkt bis hin zu Partys und Konzerten, findet ihr ein vielfältiges Programm, das teils auch politisch sein darf - vor allem aber einfach richtig Spaß macht!

Wann:  je nach Veranstaltung
Wo: SO36, Oranienstraße 190, Kreuzberg

SO36

Tipp 6: Ausgezeichnetes Musik- und Kulturprogramm im Gretchen genießen

 Saxofonist in einem Club auf der Bühne
Saxofonist in einem Club, © GettyImages, Foto: Onradio

In den historischen Mauern eines ehemaligen Kavallerie-Stalls verschmelzen im Gretchen elektronische Avantgarde, Jazz, Hip-Hop und Global Beats zu einem einzigartigen Sound. Mit einem besonderen Fokus auf Newcomer:innen, FLINTA*-Artists und marginalisierte Communities trägt das Gretchen aktiv zur Berliner Kulturlandschaft bei. Mehrfach mit dem Bundeskulturpreises APPLAUS ausgezeichnet, zeigt der Club mit seinem mutigen, genreübergreifenden Programm wie Clubräume zu Plattformen für Innovation, Dialog und gelebte Vielfalt werden.

Einen Überblick über alle Konzerte in Berlin haben wir für euch in unseren Tipps zum Gig Tripping zusammengestellt:

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Gretchen, Obentrautstraße 19-21, Kreuzberg

Gig Tripping

Tipp 7: Hört im migas einmal ganz anders Musik

Lachende junge Leute
Berliner Nachtleben, © Getty Images, Foto: wundervisuals

Im migas wird nicht getanzt. Hier wird zugehört. Die Listening Bar im Wedding knüpft an die Tradition japanischer Jazz Kissa an, in denen Musik auf hochwertigen Soundsystemen bewusst und gemeinsam gehört wird. Statt typischer Clubmusik begegnen euch hier musikalische Fundstücke aus unterschiedlichen Ländern und Epochen ebenso wie aktuelle Veröffentlichungen.

Besonders spannend sind die Listening Sessions am Mittwoch: Dann stehen ausgewählte Alben, Sounds oder musikalische Geschichten im Mittelpunkt. Dank durchdachter Akustik könnt ihr euch beim Musik hören auch leise unterhalten.

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Migas, Lindower Straße 19, Wedding

migas.berlin

Tipp 8: Technogeschichte und Industriekultur im Tresor

Zwei junge Menschen im Treppenhaus auf dem Weg in den Club
Clubkultur Berlin, © GettyImages, Foto: Nycretoucher

Eine echte Berlin-Legende: Die Tür des 1991 im Tresorraum eines ehemaligen Warenhauses gegründeten Clubs könnt ihr in der Berlin Global Ausstellung im Humboldt Forum besichtigen. Geblieben ist auch der originale Sound - der seine Wurzeln in der Techno-Szene in Detroit findet und nach der Wende Jugendliche aus beiden Teilen der Stadt gemeinsam auf die Tanzfläche holte.

Bis heute sind der Tresor Berlin Club und das gleichnamige Label eng mit der Szene in Detroit verbunden. Im Tresor hört ihr übrigens nicht nur internationale Top-Acts. Die rohe Industriekultur des ehemaligen Heizkraftwerks in Berlin Mitte bietet häufig auch die Kulisse für Kunst-Ausstellungen und Performances.

Gleich nebenan findet ihr das OHM, eine der intimeren Adressen der Berliner Clubszene. Veranstaltungsreihen wie KOOKOO bringen elektronische Sounds mit visueller Kunst und Performance zusammen; an anderen Abenden erlebt ihr Live-Acts, Installationen oder Live-Paintings auf dem Dancefloor.

Tipp: Mit dem Mitgründer des Tresors, Dimitri Hegemann, haben wir für den visitBerlin Podcast Berlin Unboxed über neue Freiräume & Clubkultur in Berlin gesprochen.

Wann:  je nach Veranstaltung
Wo: Tresor und OHM, Köpenicker Straße 70, Kreuzberg

Tresor

Tipp 9: Entdeckt die Panke zwischen Club, Kunst und Garten

junge Mädchen auf Musikfestival
, © Getty Images, Foto: PeopleImages

Erst einen Kaffee trinken, später Musik hören und zwischendurch an der Panke sitzen: Panke im Wedding verbindet Bar, Club, Galerie und Garten unter einem Dach. Das Herzstück ist der vordere Raum. Hier trifft sich die Community bei veganem und vegetarischem Essen. Tauscht Ideen aus, hört VJ-Sets, kleine Konzerte oder werdet bei Workshops selbst aktiv. Dass Kunst und Gestaltung des Raums nach und nach von den Panke-Leuten selbst entstanden sind, passt zum offenen Charakter des Ortes: Die Bar bleibt gestalterisch ein „work in progress“.

Für größere Veranstaltungen geht es in den mehr als 100 Quadratmeter großen Club, während draußen der Garten direkt an der Panke Raum für Open-Air-Formate, Essen und kühle Getränke bietet. Auch das Selbermachen gehört zum Konzept: Workshops reichen von Tape Art bis zum Bau eines eigenen Synthesizers.
Wo: Panke, Wedding

pankeculture

Tipp 10: ACUD MACHT NEU - Ein ganzes Haus für Kunst, Kultur, Kino und Konzerte

Kunsthaus ACUD
, © (c) visumate

Warum sich auf einen Club beschränken, wenn gleich ein ganzes Haus zur kulturellen Entdeckungsreise einlädt? ACUD MACHT NEU bespielt im Kunsthaus ACUD Club, Studio und Galerie und schafft damit Raum für experimentelle Kunst, Musik und gesellschaftlichen Austausch. Clubnächte stehen hier neben Konzerten, Performances, Ausstellungen, Talks und Screenings auf dem Programm.

Besonders spannend: Viele Formate überschreiten bewusst die Grenzen zwischen den einzelnen Disziplinen. Das unabhängige Kunsthaus gibt es bereits seit 1991. Und bis heute könnt ihr hier erleben, wie lebendig eine Kulturinstitution sein kann, wenn sie sich immer wieder neu erfindet.

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: ACUD, Veteranenstraße 21, Mitte

acudmachtneu

Tipp 11: Feiert interkulturelle Clubkultur im Bulbul

Clubnacht
, © visitBerlin, Foto: GettyImages, Flashpop

Mitten in Kreuzberg bringt das Bulbul Menschen und musikalische Einflüsse aus unterschiedlichen Teilen der Welt zusammen. Der kleine Club befindet sich in den ehemaligen Räumen des Farbfernsehers und versteht sich nicht nur als Ort zum Tanzen, sondern auch als interkultureller Treffpunkt für Künstler:innen und Kulturschaffende. Ein besonderer Fokus liegt auf nordafrikanischen und westasiatischen Einflüssen; zugleich reicht das Programm weit darüber hinaus. Verschiedene Kollektive prägen die Nächte und sorgen immer wieder für neue Sounds und Perspektiven.

Die überschaubare Größe trägt dazu bei, dass Tanzfläche, Bar und Begegnung eng zusammengehören und unterschiedliche Szenen in einer Kreuzberger Nacht wie selbstverständlich zusammenfinden.

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Skalitzer Straße 114, Kreuzberg

Wann: je nach Veranstaltung
Wo: Skalitzer Straße 114, Kreuzberg

bulbulberlin

Josefine Köhn-Haskins

Josefine

ist in München aufgewachsen, hat dort studiert und bei der SZ volontiert. Bevor sie in Berlin ihr Zuhause fand, berichtete sie als Korrespondentin und Trendscout aus den USA. Heute ist sie kreuz und quer in Berlins Kiezen unterwegs und beschäftigt sich mit Kultur, Musik und Zukunftsideen für ein innovatives Berlin.