Langsam neigt sich das Festival dem Ende zu, die letzten Filme gehen ins Rennen um die Gunst der Jury und des Publikums.
Heute Abend steigt in der Volksbühne die große Party, wenn der Teddy Award an den besten queeren Film des Festivals verliehen wird.
Morgen ist es dann soweit: Ein letztes Mal erleuchtet der Potsdamer Platz in festlichem Glanze. Bei der großen Gala erfahren wir, wer die begehrten Bären mit nach Hause nehmen darf. Weit vorne im Bärenrennen liegen Gelbe Briefe und Rose, zumindest laut dem Festivalbuzz. Aber wer weiß, die Juryentscheidungen waren oft eine Überraschung.
Glamour brachte dann gestern Amanda Seyfried, die ihren neuen Film The Testament of Ann Lee vorstellte. Heute kommen Channing Tatum und Gemma Chan, die das Drama Josephine als letzten Anwärter auf den Goldenen Bären oder einen seiner silbernen Brüder in den Wettbewerb schicken.
Tegenwoordig heet iedereen Sorry
„Heute heißen alle Sorry“, und deshalb nennt sich Bianca lieber Perdón. Die Teenagerin kämpft mit sich, dem Leben und ihren geschiedenen Eltern. Ihr Vater hat eine junge neue Frau, und ihre Mutter bringt wenig Verständnis für ihre Teenagernöte auf, ist sie doch vollauf mit Biancas herzkrankem Bruder beschäftigt. Und so gilt Bianca als schwierig und zieht sich immer mehr in ihre Fantasiewelten zurück.
An einem heißen Sommertag geschieht aber etwas Überraschendes: Der von ihr vergötterte TV-Star Billie King sitzt im Wohnzimmer. Und die Schauspielerin hört ihr tatsächlich zu …
Der Film zeigt die Sorgen eines Teenagers auf charmante und fein gezeichnete Weise. Die Schulklassen und Kinder im Saal feierten ihn lautstark und hatten viele Fragen an die Regisseurin Frederike Migom und Hauptdarstellerin Lisa Vanhemelrijck.
Die Symbolik der Seerosen und Meerjungfrauen als kleine Anspielung an das lesbische Kino war allerdings eher für die Erwachsenen. Und so funktioniert der Film für Groß und Klein.
La Kermesse héroïque
Und auch das kann die Berlinale: Filme wiederentdecken lassen, die sonst fast der Vergessenheit anheimgefallen wären.
La Kermesse héroïque ist eine deutsch-französische Koproduktion von 1935 des Regisseurs Jacques Feyder. Der frühe Tonfilm wurde brillant in 4K restauriert, obwohl nur ein Duplikatpositiv vorlag. Es gibt auch eine deutsche Fassung, die parallel gedreht wurde. Die Hauptdarstellerin Françoise Rosay (Feyders Frau) spielte als Einzige in beiden Fassungen mit.
Die leichtfüßige Komödie, die für ihre Zeit erstaunlich feministisch und offenherzig ist, spielt in Flandern im 17. Jahrhundert. In einer flämischen Kleinstadt kündigt sich der spanische Botschafter an. In Erinnerung an die vergangenen Kriegsgräuel stellt sich der Bürgermeister einfach tot. Seine Frau Cornelia überzeugt die anderen Frauen der Stadt, die spanischen Soldaten lieber freundlich zu empfangen. Und so wird ein großes gemeinsames Fest gefeiert und die Völkerverständigung erfolgreich vollzogen.
Jacques Feyder hat die flämische Malerei genau studiert und so erinnern viele Einstellungen des aufwändig ausgestatteten Films an Gemälde der Zeit und machen ihn zu einem wahren Augenschmaus.
