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4. Tag auf der Berlinale 2020

Berlin auf der Berlinale

Zoopalast
Kinosaal Zoopalast © visitBerlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Am Sonntag lief mit Undine der erste von drei Berlinfilmen im Wettbewerb der Berlinale. Der Film von Christian Petzold verlegt den Undine-Mythos in das heutige Berlin, das eine zentrale Rolle im Film spielt. Schwesterlein, der heute im Berline Palast Premiere feiert, ist mit Lars Eidinger und Nina Hoss prominent besetzt und im Berliner Theatermilieu angesiedelt.
Der mit Spannung erwartete dritte Berlinfilm geht morgen ins Rennen um den Goldenen Bären -  Berlin Alexanderplatz nach Alfred Döblin.
Eine Coming of Age-Story am Kottbusser Tor in Kreuzberg erzählt Kokon, welcher Generation14plus eröffnet hat. Wer ihn verpasst hat, kann ihn nochmal am Donnerstag und Sonntag nach Karten schauen.

Heute geht’s außerdem von Berlin nach Washington, denn es läuft der Dokumentarfilm über Hillary Clinton, bei dem sie auch anwesend ist.

Die King Vidor Retrospektive

Die Retrospektive ist dieses Jahr dem amerikanischen Regisseur King Vidor gewidmet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben Duel in the Sun und War and Peace mit Audrey Hepburn auch das einflussreiche Drama The Crowd und der beeindruckende Kriegsfilm The Big Parade.
Der Stummfilm The Big Parade von 1925 spielt im 1. Weltkrieg und handelt von drei jungen Amerikanern, welch nach Frankreich in den Krieg ziehen. Der erste Teil in leicht und fröhlich, eine zarte Romanze zwischen dem reichen Jim (der damalige Star John Gilbert) und einem Bauernmädchen in einem französischen Dorf mit vielen komödiantischen Elementen. Doch dann beginnt die grausame Schlacht und damit verdunkelt sich der Ton. King Vidors Film war stilbildend für das Genre, Wellman hat es endlose Male für seinen Kriegsfilm Wings geschaut – und auch Sam Mendes‘ 1917 steht in dieser Tradition.
Genauso einflussreich ist Vidors Stummfilm The Crowd mit seinen Kamerafahrten entlang der Hochhausfassaden. Billy Wilder hat sein Großraumbüro in The Apartment nach dem Vorbild von The Crowd gestaltet, und auch de Sicas Fahrraddiebe verdanken ihm viel.

Aber die Filme sind nicht nur wichtig als Meilensteine der Filmgeschichte. Sie sind großartige Meisterwerke, die auch den heutigen Zuschauer in ihren Bann schlagen, begeistern und zu Tränen rühren.

The Assistant

Der Film zur #metoo-Debatte und dem Weinstein-Skandal. Die junge, ehrgeizige Jane (gespielt von Emmy-Preisträgerin Julia Garner) ist Assistentin bei einem Filmmogul. Sie träumt davon, eines Tages selber Filme produzieren, doch noch erledigt sie die üblichen Aufgaben wie Telefonate entgegnen nehmen, Termine vereinbaren und verschieben, neue Mitarbeiter einarbeiten. Der Film folgt ihr einen Tag bei den eher wenig aufregenden Aufgaben, doch je länger er dauert, desto mehr verdichten sich die Anzeichen, dass etwas in der Firma nicht stimmt. Es herrscht ein Klima der Angst und Unterdrückung. Als sie die neue unerfahrene Assistentin im Hotel absetzt, kann Jane nicht länger verschweigen, dass ihr Boss seine Macht missbraucht und sich den Frauen vergeht.

Doch an wen kann sich wenden, wenn die Mitarbeiter der Firma Bescheid wissen und den Missbrauch verdecken? Wenn das ganze System Teil des Problems ist?
Regisseurin Kitty Green (die schon mit Casting JonBenet auf der Berlinale vertreten war) schafft es, mit den eher beiläufigen Dialogen und angedeuteten Szenen das vergiftete Firmenklima peu à peu verdeutlichen, ohne die Situation explizit zeigen zu müssen (so ist der Firmenschaf nie im Bild, man hört ihn nur am Telefon und im Hintergrund schreien).
Ein gelungener Film zu einem aktuellen Thema.

Future drei

Der junge, iranischstämmige Parvis muss Sozialstunden in einem Wohnheim ableisten. Dort lernt die Banafshe und Amon kennen, zwei aus dem Iran geflüchtete Geschwister, mit denen er das titelgebende Trio bildet. Parvis verliebt sich in Amon, der seine Gefühle langsam erwidert. Die anderen Geflüchteten im Wohnheim raten ihm allerdings Abstand von Parvis zu halten, der seine Homosexualität offen auslebt.
Der Panoramafilm, das Spielfilmdebüt des Regisseurs Faraz Shariat, ist eine gelungene Comin-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes irgendwo in der norddeutschen Provinz, der zwischen den Welten steht und seinen Platz in der Welt noch finden muss.

Zugleich thematisiert er die Situation der Geflüchteten zwischen Warten, Hoffen und Verzweifeln, als das Aufenthaltsgesuch abgelehnt wird. Hier hat dann noch Jürgen Vogel einen Miniauftritt als schmierigen Beamter, der Banafshes Situation ausnutzen will. Am Ende gleitet der Film dann ins Märchenhaft-Ungewisse und fast Abstrakte hinüber.
Ein Film ist ein starker Anwärter für den Teddy Award. Und unbedingt auf die Musik beim Abspann achten!

 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

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