Direkt zum Inhalt
Bootsfahrt an der Oberbaumbrücke
Berlins offizielles Tourismusportal

2. Tag auf der Berlinale 2020

Johnny Depp in Berlin

Berlinale
Vor dem Berlinale Palast © KARSTEN THIELKER

Internationale Filmfestspiele Berlin

Johnny ist Depp ist da. Zur Premiere seines Filmes Minamata, ein Herzensprojekt des Schauspielers, kam Johnny Depp erst zur Pressekonferenz ins Hotel Hyatt und am Abend in den Friedrichstadt-Palast, beide Male im typisch-lässigen Outfit mit Hut und dunkel getönter Brille. Damit hatte die Berlinale gleich den ersten großen Starauftritt, bei dem die Fans am Hotelseiteneingang und am roten Teppich geduldig lange auf ein Autogramm und ein Selfie warteten.

Am 2. Tag der Berlinale hat sich das Festival eingependelt: Die Säle sind voll, die Schlangen davor lang und die Stimmung ausgelassen. Stoff für Diskussionen bieten nicht nur die Filme und Stars, sondern auch (im wahrsten Sinne) die Berlinaletasche. Der Rucksackbeutel ist in Schwarz und Silber erhältlich, leider ist ein wenig zu klein für Laptop, Wasserflasche, Brotdose und Filmmagazine, Notizbuch und was sonst noch nötig ist für einen langen Festivaltag.

Minamata

Johnny verkörpert den Fotojournalisten W. Eugene Smith, der 1971, zu Beginn des Filmes ausgebrannt, alkoholabhängig und pleite schon am Ende zu sein scheint. Er bekommt vom Magazin „Life“ den Auftrag, nach Japan zu reisen und dort die Opfer der sogenannten Minamata-Krankheit zu fotografieren und auf den Umweltskandal aufmerksam zu machen. Der Chemiekonzern Chisso kippt seine Industrieabfälle ungefiltert ins Wasser und vergiftet die Fische mit Quecksilber. Zunächst stößt Smith auf Widerstand der Bevölkerung, die Kranken hilflos fotografieren zu lassen, und auf den Widerstand des Konzerns, der mit erst mit Bestechung, dann mit Gewalt seine Arbeit zu verhindern sucht. Erst als Smith dann doch seine Bilder schießen kann, entsteht die Reportage mit dem weltberühmten Foto „Tomoko is Bathed by her Mother“.
Johnny Depp ist kaum wiederzuerkennen als W. Eugene Smith mit grauem Bart und stoppeligen Haaren. Wie sehr ihm der Film und die Aufmerksamkeit auf das Thema am Herzen liegen, zeigt schon, dass er als treibende Kraft die Produktion überhaupt erst ermöglicht hat. Dies hat Regisseur Andrew Levitas auch auf der Pressekonferenz immer wieder hervorgehoben.

Mogul Mowgil

Der Rapper Zed steht kurz vor der großen Tournee (wenn auch nur als Vorband), die ihm endlich den heiß ersehnten Durchbruch bringen soll. Doch dann erkrankt er schwer und muss sich wieder nach Hause ziehen und sich mit seiner entfremdeten Familie auseinandersetzen. In Zeds Halluzinationen im Krankenhaus vermischen sich seine Ängste und Kindheitserinnerungen mit denen seines Vaters. Während er versucht, so schnell wie möglich wieder gesund zu werden, sieht er seine Karrierechancen schwinden, denn ein junger, von Zed verachteter Rapper übernimmt seinen Part.
Der britische Rapper und Schauspieler Riz Ahmed verkörpert Zed mit viel Kraft und Einfühlungsvermögen. Er vermittelt überzeugend die Zerrissenheit eines Mannes zwischen Tradition und Moderne, zwischen Familie und Karriere. Zugleich stellt der Film Fragen nach Identität, Herkunft, auch im künstlerischen Ausdruck. Trotz des ernsten Themen besitzt der Film immer wieder Momente voll lakonischen Humors, die ihn sehenswert machen.

Kød & Blod / Wildlland

Am wichtigsten ist die Familie: Nach dem Unfalltod ihrer Mutter kommt die siebzehnjährige Ida in die Obhut ihrer Tante Bodil, gespielt von Sidse Babett Knudsen (bekannt aus Borgen und Westworld). Erst fühlt sich Ida geborgen in dem Haushalt ihrer starken, selbstbewussten Tante und den drei erwachsenen Söhnen, der von starkem Zusammenhalt und Gemeinsamkeit geprägt ist.

Doch langsam muss sie immer mehr erkennen, dass ihre Familie in illegale Geschäfte und Geldeintreiberei verstrickt ist und die Basis des Familienlebens von Gewalt und vergifteten Beziehungsmustern geprägt ist. Als ein Überfall aus dem Ruder läuft, muss sich Ida wie einst ihre Mutter entscheiden, wie weit sie für ihre Familie zu gehen bereit ist. Der dänische Panoramabeitrag folgt Ida auf ihrer schwierigen Reise zwischen Loyalität und Selbstbehauptung, zwischen Neugierde und Abgestoßen sein, wobei vor allem die Beziehung zwischen ihr und ihrer Tante im Mittelpunkt steht.

Er leuchtet die Verbindungen und Abhängigkeiten der einzelnen Familienmitglieder aus, ohne einfache Antworten zu geben. Getragen wird er von den beiden starken Frauen, die mit Sidse Babett Knudsen und der jungen Sandra Guldberg Kampp, die mit Kød & Blod ein beeindruckendes Debüt gibt.

 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

Kommentare

Neuen Kommentar hinzufügen