Direkt zum Inhalt
Berlins offizielles Tourismusportal

2. Tag auf der Berlinale 2024

Das Festival hat begonnen

Berlinale
Vor dem Berlinale Palast © KARSTEN THIELKER

Nun hat die Berlinale richtig Fahrt aufgenommen - am Freitag begann der Wettbewerb. und auch die anderen Sektionen haben ihre ersten Filme gezeigt. Erste Highlights wie der iranische Wettbewerbsbeitrag Keyke mahboobe man werden gehandelt, erste Flops werden bedauert und die Massen wandern von Kino zu Kino (oder versuchten es zumindest, da der Tiergarten wegen des Staatsbesuches gesperrt war).

Wettbeweb: Keyke mahboobe man 

Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi  in Keyke mahboobe man | My Favourite Cake
Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi in Keyke mahboobe man | My Favourite Cake © Hamid Janipour

Der Wettbewerb startete mit dem iranischen Film Keyke mahboobe man über eine Witwe, welche versucht, nochmal ein bisschen Glück zu finden. Ihre Freundinnen reden nur noch über Krankheiten, ihre Tochter hat keine Zeit zum Telefonieren , das Leben ist langweilig und freudlos geworden. Irgendwann rafft sich die siebzigjährige Mahin nochmal auf und versucht, einen Mann zu finden. Ihre ersten Versuche scheitern, doch dann lernt sie den schüchternen Taxifahrer Faramarz kennen und nimmt ihn mit zu sich heim. Es beginnt ein Abend, an dem die beiden sich unterhalten, ungelenkt miteinander flirten, tanzen und ihre Herzen öffnen. 

Der Film ist zutiefst anrührend in seiner sanften Zärtlichkeit mit der er das Paar zeichnet, das gegen alle Widerstände zusammenfindet. Zugleich zeichnet er ein ungeschöntes Porträt der Situation von Frauen im Iran. Immer wieder erinnert sich Mahin an eine Vergangenheit ohne Hijab und erlebt im Park, wie die Sittenpolizei junge Frauen verhaftet. In dieser kleinen Szene allein zeigt sich, wie das Regime sein Volk, vor allem die Frauen, unterdrückt. 

Bei der Pressekonferenz blieben zwei Stühle frei: Maryam Moqadam und Behtash Sanaeeha, welche gemeinsam Regie geführt haben, erhielten keine Ausreisegehmigung. Ihnen droht nun ein Prozess. 

Wettbewerb: A different Man 

Sebastian Stan in A Different Man
Sebastian Stan in A Different Man © Faces Off LLC

Wie sehen wir uns selbst? Wie sehen uns die Mitmenschen? Und wie sehr hängt diese Wahrnehmung von unserem Äußeren ab? Um diese Fragen kreist A different Man. Sebastian Stan spielt Edward, dessen Gesicht schwer entstellt ist. Nach einer experimentellen Operation verwandelt er sich in den schönen Guy und beginnt ein neues Leben. Dennoch kommt er nicht zur Ruhe. 

Er trifft seine frühere Nachbarin, eine Drehbuchschreiberin, wieder, die ihn nicht wiedererkennt, und beginnt in ihrem Stück über Edward sein früheres Selbst zu spielen. Doch der Traum vom neuen Leben verwandelt sich in einen Alptraum, vor allen als der unbekümmerte Oswald auftaucht. 

Body-Horror, Drama, Komödie, Doppelgängerstory - A different Man ist ein wilder Mix an Stilen, Motiven und Geschichten, die immer wieder neue Volten schlagen. Leider finden all diese Elemente nie so ganz zusammen, und so wird der Film nicht wirklich den Fragen gerecht, die er stellt. 

Während am Potsdamer Platz die ersten Filme auf Bärenjagd gingen, zeigte das Panorama seine Beiträge im schönen Zoo Palast. 

Janet Planet 

Das genaue Gegenteil zum überbordenden A different Man ist der Panoramabeitrag Janet Planet. 

Still und beobachtend geht die elfjährige Lacey durch ihr Leben, in enger, fast symbiotischer Beziehung, mit ihrer alleinerziehende Mutter. Diese versucht immer wieder Beziehungen einzugehen, mit dem mürrischen Wayne, der esoterischen Regina (Sophie Okonedo aus Hotel Ruanda) und deren Ex-Mann Avi. 

Das Erstlingswerk von Regisseurin Annie Baker, die vom Theater kommt, überzeugt mit seinen stillen Bildern, die manchmal wie Gemälde wirken und noch lange nachhallen. Einer dieser Filmentdeckungen, welche ein Festival wie die Berlinale ausmachen. 

Ausblick auf den Samstag

Das Wochenende bringt im Wettbewerb Andreas Dresens Film In Liebe, Eure Hilde über die Widerstandskämpferin Hilde Coppi und Another End mit dem mexikanischen Star Gael García Bernal. Und im Zoo Palast läuft The Outrun von Nora Fingscheidt, die schon mit ihrem Film Systemsprenger für Aufsehen auf der Berlinale sorgte. 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Zum Studium der Literaturwissenschaften kam sie - pünktlich zum Mauerfall - nach Berlin und ist dort geblieben. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog. Alle Beiträge