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2. Tag auf der Berlinale 2022

Das Festival hat begonnen

Berlinale
Vor dem Berlinale Palast © KARSTEN THIELKER

Nun hat die Berlinale begonnen - unter strengen Hygienemaßnahmen. Zutritt ist nur nach dem 2Gplus-Modell mit Maske im Saal. Die Kontrollen sind streng, aber der Einlass verläuft - zumindest am 2. Tag - erstaunlich schnell und reibungslos.

Und bisher haben sich alle gut an die Regeln gehalten, Masken auch im Saal getragen, nicht gegessen oder getrunken und sich notfalls einmal mehr testen lassen. Offenbar wollen alle, dass es funktioniert, dass diese Berlinale - auch unter schwierigen Umständen - stattfinden kann.

Entzerrt werden die Warteschlangen am Eingang dadurch, dass es - anders als in den letzten Jahren - feste Sitzplätze gibt. Allerdings sorgt die automatische Verteilung des Platzes bei der Onlinebuchung bei einigen Zuschauern für Unmut, da sie sich nicht einen Platz am Rand oder weiter hinten oder eben nach Wunsch sichern können. So geht die digitale Buchung aber natürlich schneller und ihr habt bessere Chancen auf Karten.

Onlinebuchung statt Berlinaleschlange

Berlinale
Berlinale © KARSTEN THIELKER

Aber es fehlt natürlich auch durch die coronabedingte Onlinebuchung eine liebgewonnene Tradition des Festivals: die Berlinaleschlange.

Es gibt keine Kartenhäuschen mehr, vor denen die Fans campieren, um eines der Tickets zu ergattern, sich auszutauschen, Highlights zu besprechen und vor grandiosen Flops zu warnen. Die Schlange war mehr als nur eine Möglichkeit, Karten zu kaufen, sie war der Ort der Gemeinsamkeit, an dem Allianzen zum taktischen Kauf besonders begehrter Tickets geschmiedet wurden und Freundschaften entstanden.

So schade es ist, dass dieser Treffpunkt, der einfach zum Festival dazugehörte, fehlt, so verständlich ist es natürlich, dass es ihn in diesem Jahr des Abstandes und der Distanz nicht geben kann.

La Ligne

Um Abstand und Distanz geht es auch in dem Wettbewerbsbeitrag La Ligne der Schweizer Regisseurin Ursula Meier. Nach einem gewalttätigen Angriff auf ihre Mutter erhält Margaret ein Kontaktverbot. Nur auf 100 Meter darf sie sich dem Haus ihrer Familie nähern. Ihre kleine Schwester Marion malt eine blaue Linie um das Haus, an der sie sich mit Margaret zum gemeinsamen Singen trifft. Der Film beginnt mit voller Wucht, in Zeitlupe zeigt Ursula Meier den Gewaltausbruch, bei dem die Mutter Christina stürzt und einen Teil ihres Gehörs verliert. Valeria Bruni Tedeschi spielt Christina als verbitterte Kindsfrau, die ihrer Tochter die Schuld für das Ende ihrer Karriere als Pianistin gibt und sich einen jungen Liebhaber nach dem anderen sucht. Auf die vergiftete Atmosphäre reagiert Margaret mit Gewalt, ihre zweite Schwester mit dem Wunsch nach Normalität und Familienleben als Mutter, während sich Marion immer mehr in die Religion flüchtet.

Hoffnung auf Heilung verspricht die Musik, die eine zentrale Rolle in dem Film spielt.

Und so spielt der französische Sänger Benjamin Biolay nicht nur eine Nebenrolle, sondern hat auch ein wichtiges Lied beigesteuert. Kein Zufall ist es auch, dass der Angriff am Cäcilienfest stattfindet, dem Tag der Schutzpatronin der Musik.

Die Wucht, die der Film in dieser Szene entfaltet, kann er leider nicht über die ganze Länge tragen, irgendwann stagniert die Handlung und verliert daher an emotionaler Kraft.

Rimini

Um Musik geht es auch im Wettbewerbsfilm Rimini, genauer gesagt um den Schlagersänger Ricky Bravo, der seine besten Zeiten schon lange hinter sich hat und der nun in der grauen, ungemütlichen Nachsaison durch die tristen Hotels tingelt. Den Frauen im Publikum verspricht er mit samtiger Stimme Amore, von einigen lässt er dann auch seine Liebesdienste bezahlen. Er trinkt zu viel und ist pleite, so dass er sogar seine scheußliche Villa Bravo an Fans vermietet. Eines Tages jedoch steht seine Tochter vor ihm, die mit selbstgerechter Empörung über den verlorenen Vater Geld fordert.

Wie zu erwarten wirft Regisseur Ulrich Seidl einen bösen Blick auf die Menschen und ihre Unzulänglichkeiten und Schwächen. Michael Thomas ist großartig als Ricky mit Glitzerklamotten und Hüfthose und dem Pelzmantel über dem Unterhemd.

Irritierend ist jedoch die Pointe am Ende, die eine weitere, ganze neue Erzählung aufmacht, ohne diese weiter zu führen ...

Heute gehen dann der französische Film Avec amour et acharnement von Claire Denis, der Trickfilm Everything Will Be Ok, der indonesische Film Nana und der deutsche Beitrag Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush von Andreas Dresen ins Rennen um die silbernen und goldenen Bären.

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.