Das Festival hat begonnen. Im grauen Februar und bei Schneeregen haben die Kinopaläste ihren Türen geöffnet und uns eingeladen zu neuen Abenteuern. Und überall standen die Menschen Schlange, um sich mitnehmen zu lassen zu einsamen Inseln oder Sommercamps im schottischen Hochland, in die Gedankenwelten einer Schriftstellerin oder eines Jazzpianisten oder gleich in die Zukunft.
Neben den Filmen ist natürlich das Ticketsystem Dauerthema, wer hat für was Karten bekommen, wer ist aus der Buchung geflogen (ich), wer hat seinen Herzensfilm bekommen und in welcher Vorführung trifft man sich.
Sunny Dancer
Bloss kein Make-a-Wish-Kind sein: Ivy (Bella Ramsay aus The last of us und Game of Thrones) hat die Krebstherapie überstanden, möchte aber auf keinen Fall als bemitleidenswertes Krebskind gesehen werden.
Als ihre Eltern sie in ein Sommercamp für krebskranke Kinder schicken, ist Ivys Widerstand zunächst groß. Weder will sie inspirierenden Influencern zuhören noch sich vom Campleiter Patrick (Neil Patrick Harris) die Regeln vorschreiben lassen. Langsam freundet sie sich dann mit ihrer Mitbewohnerin und den anderen Jugendlichen an und verliebt sich. Trotz den immer präsenten Themen von Krankheit und Tod ist der Film doch ein leichte Sommerromanze, in dem das Camp zu einem Abenteuerspielplatz wird. Die Jugendlichen trotzen dem Krebs, feiern und verlieren ihr Herz – und die Jungfräulichkeit. Der Film nimmt die Jugendlichen und das Jungsein ernst und schafft die richtige Mischung aus Herzenswärme, Komik und Tragik, wobei er auf seine jungen Schauspieler:innen, allen voran Bella Ramsay vertrauen kann. Was für ein schöner Start in die Sektion Generation 14plus, die uns immer wieder großartige Entdeckungen machen lässt.
Lord of the Flies
Seit einigen Jahren zeigt die Berlinale auch Serien und hat dabei wahre Perlen wie The Nightmanager im Programm gehabt, die einen Vergleich mit den Filmen auf dem Festival nicht zu scheuen brauchen. Mit dem Vierteiler Lord of Flies, von dem die ersten beiden Folgen liefen, zeigt die Seriensparte ein weiteres Highlight. Mit kinematographischen Bildern und einer dichten Inszenierung erzählt die Verfilmung von William Goldings dystopischen Klassiker die Geschichte von einer Gruppe Jungen, die nach einem Flugunglück während eines Atomkrieges auf einer einsamen Insel landen. Zunächst versuchen sie eine Gemeinschaft mit einem Regelwerk zu bilden, die jedoch auseinanderbricht und in Gewalt und Chaos endet.
Nicht nur die faszinierenden Bilder und die eindringliche Musik heben diese Serie aus dem Einheitsbrei sonstiger Serien heraus, sondern auch die großartigen Jungdarsteller.
Jede Folge ist auf einen der Jungen fokussiert, so steht im ersten Teil Piggy im Vordergrund, der versucht, ein zivilisiertes Miteinander mit einem Regelwerk zu schaffen. Die zweite Folge widmet sich dann den arroganten Jack, der Anführer und Jäger sein möchte. Hierbei ist er nicht nur der Bösewicht, sondern ein traumatisierter Junge. Lox Pratt brilliert als Jack und zeigt schon zukünftige Starqualitäten. Umso gespannter können wir sein, was er aus der Rolle des Draco Malfoy in der neuen Harry-Potter-Serie machen wird.
Mein erstes Highlight auf der Berlinale!
Ausblick auf den Samstag
Am Samstag ist nicht Valentinstag, es kommt auch geballte Starpower in den Zoo Palast, denn dort läuft The Moment, eine Mockumentary über die Sängerin charli xcx. Und im Berlinale Palast feiert Rosebrush Pruning seine Premiere, bei dem Callum Turner, Riley Keough und Jamie Bell mitspielen. So können wir mit richtig viel Trubel sowohl am Potsdamer Platz als auch am Zoo Palast rechnen.
