Samstag war Startag: Im Blitzlichtgewitter am Berlinale Palast sonnten sich Callum Turner mit seiner Freundin Dua Lipa, Pamela Anderson und Jamie Bell. Am Zoo hingegen begeisterte Charlie xcx ihre Fans. Dabei traten die eigentlichen Filme fast in den Hintergrund.
Und so ging es bei der ersten Frage in der Pressekonferenz an Callum Turner auch nicht um seinen Berlinalefilm Rosebush Pruning, sondern ob er was zu den Gerüchten sagen könne, dass er der nächste James Bond sei. Konnte er natürlich nicht, woraufhin Co-Star Tracy Letts sich als der nächste Bond vorstellte. Und somit war dann die Pressekonferenz unterhaltsamer als der Film.
Rosebush Pruning
Ein Blick ins Programm bestätigt es: Rosebrush Pruning läuft tatsächlich im Wettbewerb. Nur warum, steht da leider nicht. Und so bleibt diese Frage leider offen.
Im Mittelpunkt steht Ed, der die Geschichte seiner reichen, aber dysfunktionalen Familie erzählt. Er lebt zusammen mit seinem erblindeten Vater, seinen Brüdern Jack (Jamie Bell) und Robert und der Schwester Anna (Riley Keough) in Spanien. Die Geschwister leben in den Tag hinein, das einzige Interesse gilt Mode und Markennamen. Sie sind in inzestuösen Verlangen miteinander und von ihrem Vater gefangen, ihre Mutter (Pamela Anderson) gilt als tot. Als Jack, der älteste Sohn, sich in die Musikerin Martha (Elle Fanning) verliebt und aus dem kranken Familiensystem entkommen möchte, bricht das fragile Gefüge zusammen …
Blut, Sperma und Zahnpasta gehen in diesem Film eine provokante und geschmacklose Mischung ein. Er erinnert ein wenig an das Frühwerk von Pedro Almodóvar und die Filme von Giorgos Lanthimos (schließlich hat Drehbuchautor Efthymis Filippou auch The Lobster geschrieben), doch erreicht um Längen nicht deren Klasse.
Hier geht einfach gar nichts auf, der Film möchte einen satirischen Blick in familiäre Abgründe werfen, bleibt dabei aber oberflächlich und ärgerlich, plump erzählt und mit billiger Symbolik überfrachtet.
The Moment
Umso unterhaltsamer ist The Moment - auch für Menschen, die eigentlich gar nicht mit der Musik der englischen Sängerin Charlie xcx vertraut sind und vom Brat Summer nur am Rande etwas mitbekommen haben. Aber diese waren am Samstagabend im Zoo Palast auf jeden Fall in der Minderheit. Die ersten Fans campierten schon am späten Nachmittag vor den Absperrungen und feierten ihr Idol dann auch lautstark im Kino.
In der Mockumentary spielt Charlie xcx eine fiktionalisierte Version ihrer Selbst. Mit dem giftgrünen Brat Summer ist sie zum Star aufgestiegen, doch mit dem Ende des Sommers muss ihr Erfolg weitergehen. Ein Konzertfilm von dem exzentrischen Regisseur Johannis (gespielt von Alexander Skarsgård) und eine Kooperation mit einer Bankkarte (natürlich in grün) sollen den Fortbestand ihrer Karriere sichern. Doch zwischen Tourstress, Social Media Posts, Terminen und Proben droht Charlie xcx sich selbst und ihre Kunst zu verlieren.
Der Film wirft einen scharfen Blick auf das Showgeschäft und die damit einhergehenden künstlerischen Kompromisse. Neben Stars aus der heutigen Social Mediawelt wie Kylie Jenner spielen interessanterweise auch Rosanna Arquette und Arielle Dombasle mit, zwei Schauspielerinnern mit langer Karriere.
Der Film ist eine kurzweilige Reflexion über Kunst und Showbusiness, er nutzt klug den Moment des Ruhms von Charlie XCX und schreibt ihn somit fort.
Mal sehen, welche Musik Charlie xcx nun für Wuthering Heights geschrieben hat. Der Hype bleibt auf jeden Fall erstmal bestehen.
