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5. Tag auf der Berlinale 2026

Ein Wechselbad der Gefühle

Filmfestival Berlinale in Berlin
Filmfestival Berlinale ,

Noch ist das Rennen um die Bären völlig offen, auch wenn sich Rose mit Sandra Hüller bei einigen schon als Favorit etabliert hat. Aber das kann sich mit den nächsten Tagen noch ändern ... 

Ein neuer Trend ist, dass nun alle, alle, wirklich alle am Film Beteiligten auf die Bühne gerufen werden. Das war bisher den deutschen Beiträgen vorbehalten, dass am Ende das halbe Publikum auf der Bühne stand. Mittlerweile wird bei quasi jedem Film die ganze Crew aufgerufen. Es ist eine schöne Wertschätzung, führt aber dazu, dass die Q&As kürzer ausfallen, weil es einfach sehr lange dauert, bis jeder einzelne die Stufen hochgeeilt ist und die Regie umarmt hat. 

Bei der Blutgräfin weiß ich es allerdings nicht, wie viele nach dem Film auf der Bühne standen, da ich aus dem Film geflohen bin, bevor Lars Eidinger seinen ersten Auftritt hatte ... 

Árru

Sara Marielle Gaup Beaska
Sara Marielle Gaup Beaska, © Dánil Røkke

Spannend wird auch die Wahl beim Panorama-Publikumspreis, wenn die größte Filmjury der Welt, das Publikum, seinen Film kürt. Hier sind schon einige starke Filme ins Rennen gegangen, darunter der norwegische Film Árru, der am Montag seine Premiere feierte. 

Der Film der Choreografin und Regisseurin Elle Sofe Sara spielt in der samischen Gemeinde, die von der Rentierzucht lebt. Doch ihre Lebensgrundlage ist durch ein Bergbauprojekt bedroht. Als die Rentierhirtin Maia  ihren Onkel Lemme, ein Anwalt, um Unterstützung bittet und er zur Familie zurückkehrt, kommen alte Geheimnisse ans Tageslicht und drohen die Gemeinschaft zu zerbrechen. Maia muss eine schwere Entscheidung treffen ...

Was diesen Film auszeichnet, ist nicht nur der Einblick in die Lebenswelten der Samen, sondern die Verwendung von Joik, der traditionellen Musik. Und das macht diesen Film zu einem ganz besonderen Erlebnis - einem  heißen Anwärter auf den Panorama Publikumspreis. 

Vier minus drei 

Vier minus drei
Vier minus drei, © Nikolett Kustos, Alamode Film, Polyfilm

Viele Filme auf dem Festival kreisen um Verlust und Trauer: so Everybody digs Bill Evans oder Se eu fosse vivo... vivia, und finden ganz unterschiedliche Wege, davon zu erzählen (auch wenn das Raumschiff am Ende von Se eu fosse vivo... vivia sich mir nicht erschlossen hat). 

Einer der ergreifendsten Beiträge zu diesem Thema ist sicherlich Vier minus drei. Bei einem Autounfall verliert Barbara ihren Mann Heli und ihren beiden Kinder. In ihrer Trauer erinnert sie, die als Clownin im Kinderkrankenhaus arbeitet, sich an das Leben mit ihrer Familie und das Kennenlernen mit dem Clown Heli. Valerie Pachner liefert als Barbar eine intensive schauspielerische tour de force, die diesen Film so eindringlich macht. 

Der Film basiert auf der realen Geschichte der Österreicherin Barbara Pachl-Eberhart, die diese in ihrem Buch Vier minus drei. Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand aufgeschrieben hat.

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Zum Studium der Literaturwissenschaften kam sie - pünktlich zum Mauerfall - nach Berlin und ist dort geblieben. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.