Direkt zum Inhalt
Bootsfahrt an der Oberbaumbrücke
Berlins offizielles Tourismusportal

5. Tag auf der Berlinale 2020

Halbzeit im Wettbewerb

Berlinale
Berlinale © KARSTEN THIELKER

Am Samstag werden die Goldenen und Silbernen Bären verliehen, das heißt Halbzeit im Wettbewerb. Noch fehlen die herausragenden Werke und Entdeckungen, die Zuschauer und Publikum gleichermaßen begeistern. Weit oben in der Gunst sind aktuell die Filme First Cow und Undine. Als Schauspielerin hat bisher vor allem Nina Hoss in Schwesterlein begeistert.

In der zweiten Hälfte des Wettbewerbs warten aber noch einige vielsprechende Filme, so stellen die Festivalveteranen Sally Potter und Hong Sangsoo ihre Werke vor. Mit DAU.Natasha und Rizi komemn dann noch zwei Filme, die sicher viel Aufsehen erregen werden. Das DAU Projekt ist ja eine skandalumwitterte Kunstaktion. Und Rizis Regisseur Tsai Ming-Liang hat uns vor einigen Jahren den unvergessenen Film The Wayward Cloud geschenkt, der als das taiwanesische Melonen-Sex-Musical in die Berlinalegeschichte eingegangen ist.

Und auch viele Stars werden noch – nicht nur im Wettbewerb - erwartet, so stellt Tilda Swinton heute den Film Last und First Men im Haus der Berliner Festspiele vor. Morgen zeigt dann Cate Blanchett im Zoo Palast die Serie Stateless.

Effacer l’historique

Effacer l’historique: das ist eine bitterböse Satire voller Seitenhiebe auf die Abgründe des heutigen Lebens. Die drei Nachbarn hadern mit ihrer prekären Existenz und vor allem mit ihrem digitalen Fußstapfen. Marie wird einem Sextape erpresst, Bertrands Tochter ist das Opfer von Cyber Bullying und Christine erhält als Chauffeurin immer nur 1-Stern-Bewertungen. Sie leben auf Pump, mit Krediten für alles, schließen überflüssige Abonnements ab und konsumieren dennoch immer weiter. Genervt von Warteschleifen, nehmen die drei den Kampf gegen die Internetkonzerne auf.

Im Zuge dessen steigert sich die Geschichte ins Absurde und zeigt eine Vielzahl komische Szenen: So ist die Szene mit dem Lieferanten eine ins Humoristische gewendete Variante von Ken Loachs Sorry we missed you, bei einem allerdings das Lachen fast im Halse steckenbleibt. Bei der Pressekonferenz trug Schauspielerin Corinne Masiero eine gelbe Weste und machte so auf die Proteste in Frankreich aufmerksam.
De Film von Benoît Delépine und Gustave Kervern ist vielleicht nicht der stärkste Anwärter auf einen Goldenen Bären, aber er ist eine gut beobachte und leichtfüßig erzählte Geschichte.

Cidade Pássaro

Auf diesen Panoramafilm müsst ihr euch einlassen: Es ist eine lange, meditative Reise zu sich selbst. In ruhigen, sorgfältig quadrierten Bildern erzählt von dem Amadi, einem Musiker aus Lagos, der sich nach Sao Paulo aufmacht, um seinen Bruder zu suchen. Seine Familie schickt ihn, um den Ältesten, den Stolz seiner Mutter, zu finden, da er seit einiger Zeit ohne ein Lebenszeichen verschwunden ist. In sao Paul begibt sich Amadi auf Ikennas Spuren, doch muss er erkennen, dass er nicht als angesehener Mathematiker an Universität lehrt.

Immer wieder trifft er Menschen, die Ikenna kannten und ihm verwirrende Geschichten über ihn erzählen. Je mehr er sich in Ikennas Lügengeflecht verstrickt und je näher er ihm doch langsam kommt, umso dringender für Amadi die Frage, was er selbst will, ob er ein eigenes Leben in Sao Paulo aufbauen oder doch zu seiner zerstörten Familie mit ihren überholten Ansprüchen an den ältesten Sohn zurückkehren will. Nicht nur wegen der Anspielungen auf Alice im Wunderland wirkt Amadis Suche wie eine Reise durch eine verzauberte und zugleich dystopische Stadt voller schräger Märchenfiguren und magischen Erfindungen.
Wie gesagt: Auf diesen Film müsst ihr euch einlassen, aber es lohnt sich. Es ist diese Art Filme, die sonst nur selten und dann kurz im Arthauskino laufen und welche die Berlinale zu einem Festival der Entdeckungen machen …

 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

Kommentare

Neuen Kommentar hinzufügen