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5. Tag auf der Berlinale 2022

Nächste Runde in der Bärenjagd

Die erleuchtete Haus der Kulturen der Welt als Spielstätte bei der Berlinale
Die Berlinale im Haus der Kulturen der Welt © KARSTEN THIELKER

Die schlechte Nachricht gleich vorneweg: Isabelle Huppert hat abgesagt. Eigentlich sollte sie am Dienstagabend den goldenen Ehrenbären bei einer festlichen Gala im Berlinale Palast überreicht bekommen, doch leider war ihr Coronatest positiv. Da es ihr aber gut geht, wird sie live aus ihrer Wohnung dazu geschaltet.

Der Film À propos de Joan läuft danach als Berlinale Special Gala, aber die Veranstaltung Berlinale Homage: In Conversation with Isabelle Huppert bei den Berlinale Talents muss leider ausfallen.
Eine gute Nachricht gibt es auch: Lars Eidinger, der ebenfalls in À propos de Joan mitspielt, ist nun ein Ritter – er wurde in den französischen Orden der Künste und Literatur für seine Verdienste um die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit im Bereich Film & Theater aufgenommen. Félicitations!

Auf dem Potsdamer Platz

Berlin Potsdamer Platz
© visitBerlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Und sonst auf dem Festival? Die Berlinale meldet erfolgreiche Ticketverkäufe, aber dennoch wirkt der Potsdamer Platz immer erstaunlich leer. Auch in den Cafés und Restaurants gibt es freie Plätze, was ziemlich ungewöhnlich ist. Selbst das CinemaxX wirkte zur 14 Uhr-Schiene völlig verwaist, umso erfreulicher war es, dass sich der Saal dann doch bei den wunderbaren Komödien der Retrospektive füllte.

Ein nettes kleines Extra ist, dass passend zu den Schwarz-Weiß-Filmen in der Retrospektive auch der Berlinale-Trailer in Schwarz-Weiß läuft statt mit goldenen Sternen und so euch gleich in die heitere Welt der Komödien einstimmt.
Auch gibt es weder einen eindeutigen Favoriten im Wettbewerb noch einen Publikumsliebling, von dem alle schwärmen und der als heißer Must-see Film gehandelt wird. Heute und morgen gibt es noch die Chance, etwas Neues zu entdecken, ab Donnerstag laufen die Wiederholungen in den Publikumstagen.

Ta Farda

Ein sehenswerter Tipp für die Publikumstage ist auf jeden Fall der iranische Panorama-Film Ta Farda. Iranische Festivalbeiträge habe sich ja in den letzten Jahren immer wieder als bemerkenswerte Filme ausgezeichnet, und auch Ta Farda ist ein gelungener Einblick in die Lebenswelten iranischer Frauen. Die junge Fereshteh (Ghazal Shojaei) hat ihren Eltern ihr uneheliches Kind verheimlicht. Als diese sich überraschend für eine Übernachtung ankündigen, muss sie innerhalb des Tages einen sicheren Platz für ihr Baby finden. Zusammen mit ihrer Freundin irrt sie durch Teheran auf der Suche nach Jemanden, dem sie ihr Kind für eine Nacht anvertrauen kann, doch ihre Bekannte ist verhaftet worden, die Frau eines guten Freundes weigert sich, der Kindesvater ist sowieso keine große Hilfe, und auch das Krankenhaus ist ein Ort voller Gefahren.

Ein wenig erinnert die Odyssee der beiden an die der zwei Cousinen durch das nächtliche New York in Never Rarely Sometimes Always, sind doch auch sie auf sich alleine gestellt und haben nur ihre Freundschaft untereinander.
Immer wieder zeigt der Film, wie begrenzt der Spielraum von Frauen im Iran ist, wie machtlos und wie sie den Männern ausgeliefert sind.
Ta Farda ist der Film dieser Berlinale, der auf jeden Fall lange nachklingen wird …

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.