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6. Tag auf der Berlinale 2020

Stars auf dem Festival

Berlinale
© KARSTEN THIELKER

Internationale Filmfestspiele Berlin

Mittwoch – Halbzeit auf der Berlinale. Gefühlt liegt aber schon der erste Hauch von Abschied über dem Potsdamer Platz. Übermorgen gehen die letzten Kandidaten ins Bärenrennen, die ersten Film- und Presseleute reisen ab, niemand schläft mehr in den Arkaden für Tickets an. Noch ist aber alles offen, einighe spannende Überraschungen warten noch.

Und es euchten die Scheinwerfer besonders hell, denn Hollywood ist in Berlin zu Besuch: Javier Bardem, Selma Hayek und Elle Fanning stellen ihren Film The Roads not taken im Berlinale Palast vor.

Erkenntnisse der 1. Halbzeit

  • Lars Eidinger ist immer und überall.
  • Cat Content geht immer. Den ersten Zwischenapplaus in einer Presseaufführung gab’s für die Katze in Domangchin yeoja.
  • Die Neuerung im Wettbewerb, die Filmcrew nicht auf die Bühne zu lassen, funktioniert leider nicht.

Never Rarely Sometimes Always

Seit gestern gibt es einen neuen Liebling im Wettbwerb, den Film Never Rarely Sometimes Always. Die siebzehnjährige Autum ist schwanger (vom wem, das erfährt der Zuschauer nicht). Weder ihre Familie noch Freunden kann sie sich anvertrauen, nur zu ihrer Cousine Skylar hat sie Vertrauen. Die beiden machen sich gemeinsam nach New York zu einer Abtreibungsklinik auf. Immer wieder zeigt der Film, wie die beiden jungen Mädchen sexuell Belästigungen ausgesetzt sind, vom schmierigen Chef im Supermarkt, den Mitschülern, den Männern in der U-Bahn. Und auch das Rückfahrticket muss mit einem Kuss erkauft werden.
Diese Szene, in Autum und Skylar ihre Hände halten, während Skylar den unerwünschten Kuss erträgt, gehört zu den berührendsten Momenten des diesjährigen Festivals. Und auch die titelgebenden Szene, in der eine Klinikmitarbeiterin Autumn intime Fragen stellt, lässt einen tief berührt und aufgewühlt zurück.

Ein Anwärter auf einen Bären, getragen von den beiden großartigen jungen Schauspielerinnen Sidney Flanigan und Talia Ryder, von denen wir hoffentlich noch viel sehen werden.

Shirley

Um Frauenfreundschaft geht es auch in dem Film Shirley, welcher in der neuen Wettbewerbsreihe Encounters lief. Der Film mit Elisabeth Moss (aus The Handmaid’s Tale) beruht auf einem Roman, welcher eine fiktive Episode im Leben der realen Autorin Shirley Jackson erzählt. Shirley Jackson ist bekannt als Autorin von Horrorromanen und der Kurzgeschichte The Lottery, welche damals einen Skandal auslöste. Im Film leidet sie an einer Schreibblockade und ins ans Haus gefesselt.

Ihr Ehemann Stanley Hyman  (Michael Stuhlbarg), mit dem sie stürmische Beziehung in wechselnden Abhängigkeiten führt, ist Universitätsprofessor und lädt seinen jungen Assistenten und dessen Frau Rose sich ein. Zwischen den beiden Frauen beginnt eine komplizierte Beziehung. Regisseurin Josephine Decker hat in den Staaten eine treue Fangemeinde und mit ihrem Film Madeleine‘s Madeleine bereits das Berlinalepublikum begeistert.

Mit Shirley schafft sie ein sensibles Drama, im dem sich die Grenzen zwischen Realität und Imagination, zwischen Horror und Selbstfindung langsam auflösen und nach dem Wesen von Kreativität fragt und den Opfern, die sie fordert.

 

 

 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

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