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7. Tag auf der Berlinale 2026

Realität und Phantasie

Eine Reihe mit leeren Kinosesseln
, © gettyimages, Foto: Anna Rise

Und schlagartig ist schon die Halbzeit der Berlinale vorbei. Gefühlt hat man gerade erst beim ersten Mal im Kino mit dem Trailer mit gefiebert, wenn sich der Berlinalebär am Sternenhimmel zeigt, schon reisen die ersten wieder ab. Aber noch sind die Wettbewerbe und die anderen Sektionen im vollem Gange und halten die eine oder andere Überraschung für uns bereit. 

Und auch der Winter ist weiterhin im vollem Gange, so dass man schwer eingemummelt im Schneegeriesel von einem Kino ins nächste stapft, dann unter seinem dicken Mantel begraben im Sessel sitzt und leise doch von einem Frühlingsfestival träumt. 

Ich verstehe Ihren Unmut

Ich verstehe Ihren Unmut
Ich verstehe Ihren Unmut , © Louis Dickhaut & Frederik Seeberger / WennDann Film

Der Film Ich verstehe Ihren Unmut wirft einen fast dokumentarischen Blick auf die Arbeit im Niedriglohnsektor. Heike arbeitet als Objektleiterin bei einer Gebäudereinigungsfirma. Ständig in Hetze wird sie zerrieben zwischen den Anforderungen ihrer Kundschaft und den Arbeitsbedingungen der Reinigungsteams und der Subunternehmer. Die harte, wenig anerkannte Arbeit, das Gehetze und der ewige Druck zeigt sich auch in der nervösen Handkamera, die Heike bei ihrem täglichen Stress begleitet. Erst mit der Kündigung und dem Versuch, die Herrschaft über das eigene Leben und die Arbeitsbedingungen zu erlangen, wird der Film langsamer und die Kamera ruhiger. 

Der Film zeigt Lebenswelten, die sonst eher selten im Kino zu sehen sind, und zwingt einen, diese Arbeitsbedingungen zu hinterfragen. Besetzt ist er auch mit Laien, die als Reinigungskräfte arbeiten, was den dokumentarischen Charakter dieses sehenswerten Films noch unterstreicht.

Yön Lapsi

Yön Lapsi | Nightborn
Yön Lapsi | Nightborn, © Pietari Peltola

Von der bitteren Realität in die fantastischen Wälder Finnlands: Saga und ihr englischer Ehemann Jon ziehen in das abgelegene Haus ihrer verstorbenen Großmutter mitten in den finnischen Wäldern. Hier möchten sie den Traum einer glücklichen Familie verwirklichen, doch nach der Geburt ihres Sohnes wird Mutterschaft und Ehe für Saga zunehmend zum Alptraum. Ihr Sohn ist nicht niedlich, er schreit die Nächte durch und saugt sie – so fühlt sie es - aus. Zunehmend beschleicht sie das Gefühl, ein Monster, einen Waldgeist in der Wiege liegen zu haben. Und so beginnt der Horror langsam aus dem Wald in das Haus zu kriechen - und das Blut zu spritzen. 

Kuru reiht sich mühelos in die Reihe von Damien, Rosemarys Baby und anderer gruseliger Kinder in Filmen ein. 
Rubert Grint (einst Ron Weasley in Harry Potter) überzeugt in der Rolle des sympathischen, aber überforderten Ehemanns, der zusehen muss, wie seine Frau sich immer mehr von ihm und auch der realen Welt abwendet. Und auch die finnische Schauspielerin Seidi Haarla spielt ihre Rolle als Mutter, die ihr Kind nicht lieben kann, wirklich gut, und doch hätte man den Film Yön Lapsi eher auf dem Fantasy Film Fest als im Wettbewerb der Berlinale erwartet. Dort zählt er sicher zu den eher schwächeren Beiträgen und hat wahrscheinlich wenig Chancen, einen Bären mit nach Finnland zu bringen. 

 40 Jahre TEDDY AWARD 

Berlinale
, © Berlin Daily/Foto: Karsten Thielker

Happy Birthday TEDDY AWARD: Der queere Filmpreis feiert seinen 40. Geburtstag - am Freitag steigt die (leider schon ausverkaufte) große Party in der Volksbühne. Und zum Jubeltag gibt es außerdem eine Reihe mit ausgesuchten Filmen aus den letzten 40 Jahren, darunter Tomboy von Céline Sciamma, die dieses Jahr des Special TEDDY AWARD erhält. 

Zoé Héran
Zoé Héran, © Zoé Héran

Übrigens: Es gibt noch weitere Tickets auf der Website der Berlinale und an den Vorverkaufskassen. Also, wenn ihr mal einen besonderen Film sehen möchtet, der sonst nicht im regulären Programm läuft, dann habt ihr noch bis Sonntag dazu auf der Berlinale die perfekte Gelegenheit. 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Zum Studium der Literaturwissenschaften kam sie - pünktlich zum Mauerfall - nach Berlin und ist dort geblieben. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.