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4. Tag auf der Berlinale 2026

Ab ins Panorama

Kino Publikum
Kino Publikum © GettyImages, Foto: Ghislain & Marie David de Lossy

Warum machen wir das eigentlich? Warum fiebern wir jedes Jahr der Berlinale entgegen, standen früher stundenlang an für Tickets, sitzen jetzt morgens aufgeregt vor dem Rechner und hoffen, dass wir alle Tickets bekommen und verbringen dann den ganzen Tag im Dunkel des Kinosaales.

Natürlich wollen wir die Stars einmal live sehen, die wir sonst auf der Leinwand bewundern, und diese einmalige Festival-Atmosphäre genießen. Aber eigentlich machen wir das alles nur aus Liebe zum Film – in der Hoffnung, den einen ganz besonderen Film zu sehen. Dieser magische Moment treibt uns an, wenn wir uns in einem Film verlieren, von ihm mitgenommen werden und als ein anderer Mensch das Kino verlassen.

Und immer wieder bietet die Berlinale uns diese magischen Momente, aber manchmal sind es ganz andere Emotionen im Kinosessel: Ratlosigkeit, Langeweile und die Erkenntnis, dass man leider den falschen Film ausgesucht hat. So ging es mir am Sonntag im Wettbewerb, Rettung bot zum Glück das Panorama. 

Dust 

Dust
Dust © Toon Aerts

Vielleicht sind es einfach nur die falschen Erwartungen, bei dem belgischen Wettbewerbsbeitrag Dust hatte ich mir einen Film vorgestellt wie Blackberry vorgestellt: einen kurzweiligen Blick hinter die Kulissen der Geschäftswelt mit pointierten Dialogen. 

Stattdessen ist Dust ein fast meditativ entschleunigter Film über den Umgang mit Schuld. Er spielt Ende der 1990er Jahre zur Zeit der ersten Technologie-Euphorie. Luc und Geert, deren Unternehmen Spracherkennungssoftware entwickelt und dessen hochdotierten Börsenwerte auf illegalen Machenschaften basiert, erfahren von einem Journalisten, dass ihre dunklen Geschäfte aufgeflogen sind. Ihre Firma reagiert schnell, es ist klar, dass die beiden am nächsten Morgen verhaftet werden. Jeder von den beiden hat nun noch eine Nacht, um alles zu regeln und sich der Verantwortung zu stellen. 

Und so sehen wir den beiden dann zu, wie sie das tun. 
Damit ähnelt der Film dann eher Spike Lees 25 Hours, der ja auch auf der Berlinale lief. Doch anders als 25 Hours hat man nie das Gefühl von Dringlichkeit, von dem Vergehen von Zeit und damit Freiheit. 
Denn leider bleibt die Geschichte so spröde erzählt, dann man den beiden Protagonisten und ihrem (selbstverschuldeten) Schicksal gleichgültig gegenüber bleibt und sich am Ende dann doch nur fragt, wann die Nacht und damit auch der Film endlich vorbei ist. 

The Education of Jane Cumming 

The Education of Jane Cumming
The Education of Jane Cumming © Heimatfilm

Auch die Beschreibung des Panoramafilms The Education of Jane Cumming erinnert an bekannte Werke wie Mädchen in Uniform und The Children's hour, was wenig verwunderlich ist, basiert Billy Wilders Film doch auch dem historischen Gerichtsprozess Anfang des 19. Jahrhundert in Schottland. Doch der Film von Sophie Heldmann findet eigene Bilder und eine eigene Sprache, um die Geschichte atmosphärisch dicht zu erzählen. 

Die beiden Gouvernanten Jane Pirie und Marianne Woods haben eine eigene kleine Schule gegründet. In diese bringt die wohlhabende Lady Cumming Gordon ihre drei Enkeltöchter. Jane Cumming ist die uneheliche Tochter ihres Sohnes und einer indischen Mutter, was sie zur ungeliebten Außenseiterin macht und auch sozial ausgrenzt. Langsam öffnet sie sich aber den beiden Lehrerinnen gegenüber, und als die drei den Sommer zusammen in einem Cottage am Meer verbringen, bekommt sie das Gefühl von Zugehörigkeit. 

Doch als Jane und Marianne ihr verweigern, als Lehrerin bei ihnen zu bleiben und damit für immer zu ihren zu gehören zu können, kehrt Jane Cumming zu ihrer Großmutter zurück und löst mit einer schweren Anklage einen Skandal aus, der zu einem jahrelangen Rechtsstreit führt. 
Der Film nimmt sich Zeit, er erzählt mit Blicken und weniger in Dialogen, wobei seine schönen Bilder an Gemälde jener Zeit erinnern. So schafft er fast beiläufig ein überzeugendes Tableau jener Zeit, in der weibliches Verlangen noch unerhört war.   

Ausblick auf den Berlinale-Tag

Am Montag kommen mit Isabelle Hubbert und Lars Eidinger gleich zwei Festivallieblinge, um ihren gemeinsamen Film Die Blutgräfin vorzustellen. Im Wettbewerb steht mit At the Sea, Nina Roza und Wo Men Bu Shi Mo Sheng Ren wieder eine bunte Mischung aus internationalen Filmen an. 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Zum Studium der Literaturwissenschaften kam sie - pünktlich zum Mauerfall - nach Berlin und ist dort geblieben. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.